Markus Wirthmann | Sonstiges

Kunst-Blog

Wie begegnet man Mangelerscheinungen?

Mit Selbsttherapie nach der Do-it-yourself-Methode!

Nachdem im April 2003 die von Christoph Blase initiierte Blitzreview nach acht Jahren ihren Betrieb einstellte und nur noch mal im August 2004 zuckte, um den Adrenalinspiegel in der Fangemeinde kurz schwappen zu lassen, war tatsächlich und in unglaublicher Weise ein Hohlraum im Netz entstanden – eine kleine aber deutlich fühlbare Laufmasche in der weltweiten Feinstrumpfhose der Kunstwelt.

Lustigerweise wurde etwa zur gleichen Zeit in den Printmedien, allen voran Die Zeit, konstatiert, dass es mit der Kunstkritik, wenn es sie denn überhaupt noch gäbe, arg im Argen liege. Die Tatsache, dass man in der gedruckten Welt so lange für diese Einsicht gebraucht hat, kann immerhin verwundern – oder sollte das auch ein Nachbeben des oben schon erwähnten Untergangs gewesen sein? Vielleicht ließ ja das plötzliche Fehlen von A die Nichtexistenz von B schmerzhaft bewusst werden – oder will wirklich jemand behaupten, die wohlmeinenden Be- und Zuschreibungen in der Presse hätten irgendwas mit Kritik zu tun?

Zweitausendfünf wurde zum Jahr des Blogs (Wikipedia) ausgerufen. Google zählt »ungefähr 231.000« Einträge für die entsprechenden Stichworte. Wieder vorne weg: Die Zeit mit eigenem Blog, gefolgt von der taz, die zwar noch keines hat, aber im Blog das probate Vehikel für die Rückkehr der Demokratie ins Internet sieht. Im englischsprachigen Raum apportiert Google 16 Millionen Einträge für ähnliche Suchbegriffe und 2004 als das entscheidende Jahr.

Der Erfolg der Blogs hat sicherlich mit der Cleverness verschiedener Anbieter zu tun, die ziemlich schnell auf das neue Suchtmittel reagierend gut funktionierende und einigermaßen leicht zu bedienende Software im Netz installierten. Vom pickeligen Teenager bis zum Uniprofessor – jeder bloggt. Jeder? Fast jeder. Im Bereich der Kunst konnte die Infektion mit dem ansteckenden Erreger bisher im Zaum gehalten werden. Doch den Rest der Welt ficht das nicht an, man vernetzt sich weiter, tauscht Wissen und Nonsens aus, debattiert mittels eingebauter Kommentarfunktion über Quantenphysik oder Verschwörungstheorien.

Eigentlich wäre zu vermuten, dass schon jemand aus den bisher genannten Punkten seine Schlüsse gezogen und sich so einen Internet-Leatherman namens Weblog geschnappt hat, um daraus eine voll dynamische und feedback-fähige Kunst-Kritik-Plattform zu schaffen. Ein bisschen wie früher bei Blitzreview. Vielfältiger, schärfer und vor allem schneller als jedes Magazin. Dabei unabhängig und streitbar zu sein sowie durch Kommentarfunktion und Gastzugang Diskussionen zu ermöglichen, alles in allem also ein demokratieförderndes Medium – das gibt es nicht. Doch, jetzt: Kunst-Blog.com

Markus Wirthmann, 08.04.05 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor

 

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Kommentare

Hi Markus,
sehr gute Idee! (Stephan)

pirxx [TypeKey Profile Page] | 02.05.05

 

Die bisherigen Artikel sind ein guter Anfang für den Kunstblog, mir gefällt auch die dezente Kopplung mit Eurer Galerie, die wiederum mit der Kopplung zu Ebay...
...sowie das breite Spektrum Ihrer Galeriebesuche und Kritiken. Ich hoffe, es ergeben sich noch regere Diskussionen (darunter leiden ja zum Teil auch bisher die Blogs der Zeit)
Nicht schlecht !
Auf das die Monopole in der Kunst ein bisschen durchgeschüttelt werden. Auch ich konnte wenig Blogs zur Kunst finden, aber Eurer hat jetzt mein Lesezeichen und den RSS-Feed.
Danke

grijsz [TypeKey Profile Page] | 16.05.05

 

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