Adib Fricke | Kritik

Kinderkram von Damien Hirst, seziert

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Jerry Saltz, Kolumnist der Village Voice, New York, besuchte die Ausstellung The Elusive Truth (»Die trügerische Wahrheit«) von Damien Hirst in der Gagosian Gallery und, die Bildunterschrift zum Artikel, Dissecting Hirst’s no-brainer, sagt es schon, nahm sie ziemlich heftig auseinander. Die 31 Gemälde aus Hirsts »neuer, trauriger Ausstellung«, werden runtergeputzt, ja, auf akademisches Niveau zurecht gestutzt. Der Autor sieht in den Bildern keine Malerei mehr, eher den Versuch, mit einem unterdurchschnittlichen Fotorealismus zu Punkten, den jeder halb-begabte Student oder mittelmäßige Gebrauchskünstler hätte besser machen können. Doch das allein macht die Ausstellung nicht zur »traurigen Show«. Auch nicht die Tatsache, dass die Bilder von Hirsts Assistenten gemalt wurden, obwohl die Galerie die (Mit)Urheberschaft des Künstlers noch durch den Satz »Damien worked on every one.« beschworen haben soll.

Das Traurige wird für Saltz vor allem darin sichtbar, dass »der Rebell von 1988« mit »null-acht-fünfzehn Sensationsmotiven« zum »null-acht-fünfzehn Künstler« abgestiegen sei. Nur die Marke Hirst bleibt bestehen, das Beste was über die Bilder der Ausstellung, die alle übrigens schnell für viel Geld verkauft waren, noch zu sagen sei, ist dass Hirst im Raum zwischen Gemälde und Maler arbeite:

»The best that can be said about these canvases is that Hirst is working in the interstice between painting and the name of the painter: Damien Hirst is making Damien Hirsts. The paintings themselves are transparent; in effect they are only labels—carriers of the Hirst brand. They’re like Prada or Gucci. You pay more but get the buzz of a brand. For between $250,000 and $2 million, rubes and speculators can buy a work that is only a name. As Hirst has said, "They’ll buy what you fucking give them." This isn’t only bad art, it’s bad thinking.

Every painting is sold, which isn’t surprising in these times when collectors buy what other collectors buy, advisers sell art over the phone, and artists wonder if their prices should be higher. Buyers get a placeholder: A painting by a big name with a big price tag that presumably will command an even higher resale value. Hirst & Co. have created a perfidious feedback loop where everyone gets to snicker at everyone else. We sneer at Hirst, his dealers, and his collectors for having bad taste and bad values; they scoff at us for being old-fashioned, out-of-the-money sourpusses. We all tell ourselves what we already know. The only thing at stake is gamesmanship.«

Addicted to Crack, Abandoned by Society, Football Violence, Vivisection, so lauten beispielsweise die Bildtitel -- wen würde das locken?

Adib Fricke, 12.04.05 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor

 

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Kommentare

Solange man die Bilder nicht gesehen hat, zumindest in einer ausreichend guten Reproduktion, kann man eigentlich garnichts sagen. Ein Bildtitel kann alles und nichts bedeuten. Sollte man sich ein Bild mit dem Titel "Nachtwache" unbedingt ansehen ? Auf der Webseite von Gagosian gibt es einige Abbildungen der Ausstellung. Das Bild "Two Pills" finde ich ausgesprochen gut (wohl ein 100%er Hirst)
Mr. Saltz muss halt auch sein Geld verdienen, und einen Hirst kann man ja nicht jeden Tag verreißen...
Hirst strapaziert die Malerei besonders in "Vivisection", aber wenn es denn Werkstattmalerei ist, der Markt bedient wird und einiges Mittelmaß dabei entsteht, auch das ist so alt wie die Malerei, erinnert sei u a an die Werkstattschludereien von Rubens.

grijsz [TypeKey Profile Page] | 16.05.05

 

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