Christian Wilke | Kritik
DAUMENKINO - The Flip-Book-Show
Kunsthalle Düsseldorf
noch bis zum 17. Juli
So, so, die weltweit erste große Daumenkino-Ausstellung also. Aha. Zwar fand Anfang des Jahres das "Erste Internationale Daumenkinofestival Solitude in Stuttgart" statt, und zwar auch in Form einer Ausstellung, aber was soll’s.

Es werde das "allgemein bekannte, aber wenig beachtete Medium Daumenkino" in den Mittelpunkt gestellt, sagte Kunsthallenleiterin Ulrike Groos. Und so ist es tatsächlich auch in äußerst angenehmer Weise geschehen. Eine schöne, klar gegliederte Präsentation zeigt "Arbeiten aus rund 135 Jahren von über 170 Künstlern", dabei kann ein Großteil der flip-books vom Besucher selbst durchgeblättert werden, andere werden auf Monitoren verschiedenster Größe vorgeführt. Die Ausstellungsdesigner haben einen guten Job gemacht, den Besucher erwarten Kurzweil, Unterhaltung und geschmackvolles Ambiente.
Auch die Didaktikabteilung war fleißig, hat ordentlich recherchiert, sorgfältig Legenden und Beschriftungen angefertigt, die historischen Abläufe und Zusammenhänge werden gut erklärt, so dass ich mir vorkam, wie im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg oder einem ähnlichen Haus. Nein, es gibt wirklich kaum etwas an der Ausstellung herumzunörgeln, außer, dass solch eine doch eher dokumentarische Vorführung einer Nischenexistenz der Kunst vielleicht in einem anderen Haus besser aufgehoben sein könnte, als Dauerausstellung in einem Filmmuseum zum Beispiel.
Die vielen unterschiedlichen Positionen zu beschreiben ist, ob der Reichhaltigkeit der Exponate, ein Ding der Unmöglichkeit, letztendlich ähneln sich die Daumenkinos dann doch zu sehr. Die Arbeiten der bekannteren Künstler hakt man innerlich mit einem "ah, so etwas hat der also auch gemacht" ab, die Arbeiten der unbekannteren sind aufgrund des immer gleichen Mediums wenig einprägsam. Eine Ausnahme ist Miguel Rothschild, der eine vielteiligen Rauminstallation mit dem Titel "Familie Mustermann" zeigt, die tatsächlich so schrecklich ist, wie der Titel erahnen lässt und via unzähliger Daumenkinos "den Spießer entlarvt". Schön hingegen waren die kleinen lakonischen Filmchen von Stephanie Ognar, die sich auf die Darstellung minimaler Handlungen, wie Blinzeln oder Spucken, beschränken.

Miguel Rothschild, "Familie Mustermann"

Miguel Rothschild, "Familie Mustermann"

Stephanie Ognar
Den allergrößten Spaß, den ich bei der Ausstellung hatte, verdanke ich übrigens mit einem Missverständnis. Und zwar hab ich ein flip-book versehentlich in der falschen Richtung durchblättert, so dass die eigentliche Handlung rückwärts zu sehen war, und das war so komisch, dass ich den Vorgang wieder und wieder zur Freude meiner Kinder und diverser Umstehender wiederholen musste. Es wurde übrigens eine Geburt gezeigt.

Ruth Hayes
Christian Wilke, 09.05.05 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor
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