Christian Wilke | Kritik

Eine Ausstellung wie ein Abend mit Fips Asmussen

Rafal Bujnowski
Kunstverein Düsseldorf
7. Mai - 17. Juli 2005

In seiner ersten Einzelausstellung in Deutschland zeigt Rafal Bujnowski (*1974 in Wadowice) eine Auswahl von Arbeiten seit 1999, die der Pressetext als "konzeptuell angelegt" beschreibt, weiterhin berichtet der Pressetext: "Ihr „als ob“, ihre täuschende Echtheit regt uns zum Nachdenken über die Dinge, ihre Erscheinung und Repräsentation an." Und tatsächlich, zum Nachdenken wird hier wahrhaftig angeregt, einer meiner Gedanken war zum Beispiel, ob es denn keine Aufnahmeprüfungen an polnischen Kunsthochschulen gibt. Spätestens im dritten Semester hätte jeder ernstzunehmende Kunstprofessor dieser Kalauerkunst ein verdientes Ende, und den Herrn Bujnowski samt Tuschkasten vor die Tür setzen müssen.

Es ist mir ein Rätsel, wie Bujnovskis Arbeiten, die durchaus einem Didi Hallervorden-Sketch entsprungen sein könnten, die Reputation für eine Einzelausstellung im Düsseldorfer Kunstverein erlangen konnten. Es ist mir ein Rätsel, was dem Texter durch den Kopf ging, als er in den Arbeiten ein Spiel mit "Eigenschaften von Malerei, Erwartungen an Kunst und präsentieren Entwürfe für einen egalitären Umgang mit Kunst" vorfand und empfand. Für ernstgemeinte künstlerische Arbeiten, die aus Bildträgern in VHS-Cassettengröße, die als VHS-Cassetten bemalt sind, sowie Bildträgern in Fernbedienungsgröße, die ebenso als solche bemalt sind, bestehen, welche dann auch noch auf einem Söckelchen in Couchtischhöhe präsentiert werden, fordere ich den Entzug des Kunstführerscheins auf Lebenszeit.

Eine der noch am ehesten erträglichsten Arbeiten bestand darin, für seinen Visumsantrag zur Einreise in die USA die Reproduktion eines gemalten Selbstporträts einzureichen. Diese wurde von den Pass- und Zollbeamten nicht als „Fälschung“ erkannt. Diese Arbeit war wenigstens ein bißchen um die Ecke gedacht, vielleicht sogar mit leichten Anflügen von Subversivität, aber gab es so etwas ähnliches nicht schon mal bei Ha-Ha-Hape Kerkeling?

Ansonsten malt Bujnowski Trompe-l’œil-Stillleben mit Zetteln, die an der Wand hängen, Ziegelsteinbilder, die wie Ziegelsteine aussehen, Bilder, auf denen Bilder zu sehen sind, und am allerschlimmsten Steinzeitwerkzeuge, die als Steinzeitwerkzeuge reliefartig mit Ölfarbe auf die Leinwand gespachtelt sind. Kurz und gut: Eine Ausstellung wie ein Abend mit Fips Asmussen, schlechte Witze, die man obendrein schon tausendmal gehört hat, und dann auch noch grottenschlecht vorgetragen.

Christian Wilke, 10.05.05 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor

 

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