Christian Wilke | Kritik

Lebe im Verborgenen

Franz Burkhardt
Leopold-Hoesch-Museum Düren
22. Mai - 3. Juli 2005

Was erwartet man, wenn man eine Ausstellung von Franz Burkhardt besucht? Auf jeden Fall drei Dinge, erstens: gut gemachte Zeichnungen mit humorvollen Textfragmenten, zweitens: Skulptur, also eine selbstgebaute Hütte, oder irgendein anderes scheinbar locker hingehauenes Objekt, und drittens: eine lapidare, aber dennoch hochelegante Form der Präsentation.

Auf den ersten Blick war bei der Ausstellung “Lebe im Verborgenen” im Dürener Leopold-Hoesch-Museum dann doch alles wie immer, doch der zweite und dritte Blick, der Teufel steckt halt im Detail, offenbarten einige Veränderungen.

Die obligatorische Hütte präsentiert sich diesmal dezent konstruktivistisch, fast wirkt sie, als wäre sie weniger als Skulptur, denn als Ausstellungsarchitektur gemeint. Fachmännisch gezimmert aus funkelnagelneuen Baumaterial, steht nirgendwo ein Nagel oder eine Schraube heraus, um eventuell eine Jacke aufhängen zu können, wie bei den wunderbaren älteren “Häusern”. Diese hätten in ihrer barocken Materialfülle und Farbigkeit einen herrlichen Kontrast zu der musealen Räumlichkeit darstellen können, und der Gedanke, Sperrmüll und andere Fundsachen im Museum auszustellen, ist natürlich nicht neu, entbehrt aber nicht eines gewissen Reizes.

Bei den Zeichnungen fällt zunächst ins Auge, dass diese, statt in Petersburger oder Pettibon´scher Hängung an der Wand verteilt, fein säuberlich aufgefädelt sind. Obendrein ist jedes Blatt akkurat gerahmt und mit Passepartout versehen.

Als nächstes bemerkt man, dass die Farbigkeit aus den Arbeiten verschwunden ist: wo früher Tuschkasten, Wachsmaler, Eddings undsoweiter am Werke waren, herrscht jetzt eine klassische, graue Strenge vor. Auch sind die Zeichnungen mit einer solchen akademischen, fast peniblen Genauigkeit und Detailversessenheit aufs Papier gesetzt, dass es mich teilweise an Jazz-Rock-Gitarrensoli gemahnte (schau mal, wie schnell ich dudeln kann).

Als Sujets dienen weiterhin vorwiegend gefundene Bilder, nur ist deren Herkunft neuerdings etwas seriöser, die Pornoheftchen, Boulevardzeitschriften und Plattencover scheinen der Vergangenheit anzugehören. Statt dessen werden jetzt Kulturreiseführer, Benimmbücher und Fotobände benutzt. Die in die Zeichnungen eingebetteten Texte sind auch nicht mehr so vordergründig komisch, eher ein wenig literarisch, was den Arbeiten aber keinesfalls schadet.

Was ich nicht beurteilen kann, ist, ob es sich bei der momentanen Ernsthaftigkeit und Strenge nur um ein zeitlich begrenztes Feng-Shui handelt, oder ob ganz langsam, aber bestimmt, das Spätwerk beginnt. Die Arbeiten sind weiterhin sehr gut, ich (und meine Begleiterinnen) hätten jedoch noch mehr Spaß an ein bisschen mehr Material, Farbe und Krach.

"Eier, wir brauchen Eier!" Olli Kahn


Christian Wilke, 24.05.05 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor

 

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