Markus Wirthmann | Kritik

Max. Payload

Jeppe Hein
Minimal Overload
Galerie Johann König
06. Mai - 18. Jun 2005

Gern erinnert man sich an die letzte Einzelausstellung von Jeppe Hein bei Johann König – der Roboterball, der interaktiv den schmalen, L-förmigen Galerieraum durchkullerte und dabei den Raum so schön und wohlkalkuliert demolierte, dass am Ende eine horizontale Dellenzeichnung die Wände in Kniehöhe zierte. Minimale Arbeit mit maximalem Effekt (obwohl, wie meist bei Heins Arbeiten, das Innenleben des Rollerballs alles andere als minimal oder trivial sein dürfte).


Würfel, minimal in der Luft schwebend

Diesmal ist das Gegenteil der Fall: Maximale Anzahl der Arbeiten mit minimalem Effekt. Jede Arbeit für sich könnte eine ironische Perle in jedem Ausstellungskabinett sein. Aber mit der Ironie (die in der Kunst der letzten Jahre sowieso schon total überstrapaziert ist) ist das so eine Sache: Sie muss fein sein – hier ist sie es auf jeden Fall nicht.


Würfel, minimal verzerrt

Die Ausstellung ist eine Ansammlung von Gags, ein Kuriositätenkabinett in Sachen Minimal. Die schiere Anzahl der Exponate macht die Sache für den Ausstellungsbesucher kalkulierbar: Ach, eine Reklametafel die ihr Motiv werbelos minimalistisch und weiß wechselt – oh, die kreisrunde Scheibe, die rasend schnell und minimalistisch effektlos rotiert – da, ein Spiegel mit Dellen in Bauchhöhe: very minimal – aha, die Bank, die Anderen den Weg minimalistisch versperrt, wenn man sich draufsetzt! So konditioniert werden die Stücke lediglich auf ihre Effekthaltigkeit abgeklopft und nach kurzem Aha, eventuellem Schmunzeln, beiseite geschoben. Für längeres Sinnieren bleibt keine Zeit: der nächste running gag harrt schon seiner Entdeckung.


Würfel, minimal angeknackst

Derlei Einwände haben Künstler und Galerist warscheinlich vorrausgesehen und den Nörglern die Luft mittels Ausstellungstitel abgedreht: Overload eben! Also irgendwo das Gegenteil von Minimal. Aha, jetzt hab´ ich´s: Hallo Betrachter, hier ist der Hase begraben; Hier liegt die Ironie im Pfeffer! Nicht die einzelnen Objekte sind die intellektuellen Fallen, sondern die Ausstellung, das Konzept selber.


Würfel, minimal rappelnd

Jetzt kann Overload zum einen „Überladung“, zum anderen aber auch „Überlastung“bedeuten – hier tragen die einzelnen Objekte die Selbstreferentialität einer Ausstellung, die das Oeuvre des Künstlers zum Gegenstand macht, nicht. Man muss in diesem Fall leider eine Überlastung diagnostizieren.


Würfel, minimal angekokelt

Andererseits ist man mit einem derart gut gefüllten Warenlager bestens dem am Eröffnungswochenende zu erwartenden Sammler-Ansturm gewappnet. Die 25 Berliner Top-Galerien haben nämlich 25 mal X Sammler einfliegen lassen, um der Langeweile zu entgehen, die sich so zwischen zwei Kunstmessen breitmacht.

Markus Wirthmann, 08.05.05 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor

 

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