Gastbeitrag | Sonstiges

Der Kaiserring

Klaus Jörres
Video, 9:05 min,
anlässlich der Ausstellung DER HARZ im Kunst- und Kulturverein Aschersleben
17. Juni bis 11. September 2005

Seit nunmehr 29 Jahren verleiht die Stadt Goslar jährlich den “Kaiserring”, eine immaterielle Auszeichnung für bildende Künstler der Gegenwart, deren Werk der Kunst unserer Zeit wesentliche Impulse zu verdanken hat. So steht es im Text der Verleihungsurkunde.

Über 5000 Kulturpreise – von regionaler bis zu hochangesehener internationaler Bedeutung – werden jährlich allein in der Bundesrepublik vergeben. In einer Bilanz ist deshalb die Frage zu stellen, welcher Kategorie der Goslarer Kunstpreis zuzurechen und vor welchem Hintergrund er zu sehen ist. 29 Jahre sind, gemessen an der langen Geschichte Goslars, nur eine kurze Zeitspanne und doch umfasst sie schon eine Tradition.

Mit seiner reichen architektonischen, städtebaulichen und künstlerischen Substanz gibt Goslar Zeugnis von einem Jahrtausend europäischer Kultur. Um an diese historische Dimension – 1992 wurde Goslar von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt – anzuknüpfen und eine Brücke vom einst zum Heute zu schlagen, entstand aus einer privaten Initiative die Idee des Kaiserrings. Heute ist der Kaiserring nicht nur ein fester Bestandteil, sondern unumstritten ein Höhepunkt kultureller Aktivitäten von Stadt und Region.

In seiner Laudatio anlässlich der Kaiserringverleihung an Richard Serra sagte Dieter Honisch, ehemaliger Direktor der Nationalgalerie Berlin und langjähriger Vorsitzender der Kaisering-Jury, programmatisch: “Künstlerische Tätigkeit definiert sich gerade daraus, dass sie Bestehendes nicht hinnehmen kann, weil die vorgefundenen Formen und Materialien nicht unseren Gefühlen und Überzeugungen entsprechen. Nicht in der Bestätigung liegt die Aufgabe des Künstlers, sondern darin Fragen und Probleme aufzuwerfen, neue Tatbestände in die Welt zu setzen.”

Dieter Ronte, Direktor des Kunstmuseums Bonn und seit 1997 Vorsitzender der Kaiserring-Jury, formulierte: “Der Goslarer Kaiserring darf nicht postmoderne Bestätigung sein, er muss einen Aufrufcharackter haben, er ist eine Position, die aufzeigt, dass die ästhetische Innovation zugleich auch eine gesellschaftliche politische Aufgabe ist.”
Eben in diesem Sinne hat der Kunstpreis in Goslar die Dinge in Bewegung gebracht. Eine zunehmende Anzahl von Bürgern nimmt die durch die Kunst geschaffenen “neuen Tatbestände” nicht einfach hin, sondern setzt sich mit ihnen auseinander. Die Anzeichen sind nicht zu übersehen, dass diese durchaus kritische Aufnahmebereitschaft bei immer mehr Menschen allmählich zu einer Identifikation führt.

Über 4000 Mitglieder zählt inzwischen der Goslarer “Verein zur Förderung moderner Kunst e.V.”, der auch das 1978 gegründete Mönchehaus-Museum eigenverantwortlich führt. Sie sind es auch, die nicht nur die Idee des Kaiserrings tragen, sondern Beiträge und Spenden aufbringen. Viele freiwillige Helfer sorgen dafür, dass die Verleihung des Kunstpreises den städtischen Haushalt kaum nennenswert belastet. Zusätzlich verdankt die Stadt Goslar dieser Bürgerinitiative eine große Zahl von Kunstobjekten auf Goslars Strassen und Plätzen wie auch in vielen öffentlichen Gebäuden. Daneben vergibt der Verein zur Förderung moderner Kunst jährlich seit 1984 das “Kaiserring-Stipendium” für junge Künstler.

Die Glaubwürdigkeit dieser vielfachen Bemühungen ist zweifellos einer der Hauptgründe dafür, dass sich Fachleute von internationalem Rang ehrenamtlich als Mitglieder der Jury zur Verfügung stellen. Ihre Autorität und Kompetenz haben maßgeblich dazu beigetragen, den Ruf des Goslarer Kaiserrings zu festigen.

Bei der Verleihung des Preises an Joseph Beuys sagte Wiland Schmied: “Mit dieser Ehrung hat sich die Stadt selbst ausgezeichnet.”
Im Selbstverständnis seiner Initiatoren gilt diese Feststellung für alle Träger des Goslarer Kunstpreises seit Henry Moore. Er sprach aus, was viele der international bekannten Künstler empfinden, wenn sie den Kaiserring annehmen: “It´s a great honour to me”.

“Kunst ist für alle da”, formulierte Victor Vasarely 1978 und dies ist seitdem das Motto in dieser Stadt und soll es auch bleiben.

Die Verleihung des Kaiserrings bliebe ein bloßes Zeremoniell, wäre damit nicht zugleich für Bürger und Gäste der Stadt die Gelegenheit verbunden, das Werk des jeweiligen Kunstpreisträgers kennen zu lernen. Deshalb schließt sich an die offizielle Ehrung des Künstlers in der Kaiserpfalz stets die Eröffnung einer Ausstellung seines Werkes im Mönchehaus-Museum an.

Hier erweist sich auf das Glücklichste, wie harmonisch sich die Moderne in einen historischen Rahmen fügt. Das Mönchehaus, ein 1528 errichteter dreistöckiger Fachwerkbau, ist eines der schönsten Patrizierhäuser der Stadt. Nach grundlegender Renovierung wurde es 1966 als Museum hergerichtet. Seit 1978 wird es vom Verein zur Förderung moderner Kunst geführt. Alles andere als ein leblosehrwürdiger Kunsttempel, zählt er Jahr für Jahr viele Tausende Besucher.

Das Museum und der einzigartige, idyllische Skulpturengarten, der sich bei sommerlichen Festivitäten als lebendiger Veranstaltungsort zeigt, beherbergen u.a. Werke von Kaiserringträgern, so z.B. Max Ernsts “Microbe”, die Environments von Günther Uecker und Anselm Kiefer, Joseph Beuys “Documenta-Eichen”, Bilder von Baselitz, Serra, Gertsch und Chillida und die Videoskulptur “Einstein” von Nam June Paik.

Die Förderung junger Künstler ist ein besonderes Anliegen des Vereins zur Förderung moderner Kunst. Dies wird – neben dem Ausstellungsprogramm – besonders durch die (seit 1984) jährliche Vergabe des Kaiserringstipendiums deutlich. Es beinhaltet eine Einzelausstellung im Mönchehaus-Museum und eine Ankaufsgarantie. Die Jury setzt sich aus den Vorstandsmitgliedern der Vereins zur Förderung moderner Kunst zusammen. Die Preisträger sind international.

Der Text und die Abbildungen stammen aus dem Video von Klaus Jörres.

Gastbeitrag, 24.06.05 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor

 

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Kommentare

"Über 5000 Kulturpreise – von regionaler bis zu hochangesehener internationaler Bedeutung – werden jährlich allein in der Bundesrepublik vergeben. In einer Bilanz ist deshalb die Frage zu stellen, welcher Kategorie der Goslarer Kunstpreis zuzurechen und vor welchem Hintergrund er zu sehen ist. 30 Jahre sind, gemessen an der langen Geschichte Goslars, nur eine kurze Zeitspanne und doch umfasst sie schon eine Tradition."

Sehr geehrte Damen und Herren,

seit nunmehr dreißig Jahren wird in der Kleinstadt Goslar, im ehemaligen Zonenrandgebiet, einer der bedeutenden und schönsten Preise für moderne Kunst vergeben.

Der Goslarer Kaiserring. Der Preisträger 2005 ist Robert Longo.

http://www.moenchehaus.de/traeger/longo/longo.html
http://www.moenchehaus.de/stipendi/welz/welz.html

Was entscheidet darüber, ob eine Stadt oder eine Region eine Kulturmetropole ist? Ich bin der Meinung es sind die Menschen, die in dieser Stadt leben und das Klima gegenseitiger Toleranz, welches diese Menschen geschaffen haben, oder aber nicht.
Dieses Klima der Toleranz macht es möglich Kunst, jeglicher Art, zu machen und im öffentlichen Raum zu platzieren, oder aber nicht.

Die Freiheit, ist die Freiheit des anders Denkenden, des Andersartigen, des anders Aussehenden, der andersartigen Kultur, der andersartigen Religion.

Nur wenn diese Phrasen mit Leben gefüllt werden ist es möglich in einer Kleinstadt, wie Goslar, Kunst auf dem Niveau des Goslarer Kaiserringes zu veranstalten. Die Menschen Goslars haben sich, in den letzten dreißig Jahren, dazu entschlossen diese Sätze mit Leben zu füllen und hier, in dieser Region, ein Beispiel vorgelebter Demokratie zu schaffen. Dafür gebührt ihnen Dank und dies hat Vorbildcharakter, in einer Zeit in der Künstler, wie Markus Lüpertz in Augsburg, vom Pöbel aus der Stadt geprügelt werden.

Daran zu arbeiten, dass dies auch in Zukunft so bleibt, ist ein lohnenswertes Ziel.

Christian Meßer

mac [TypeKey Profile Page] | 13.09.05

 

Sehr geehrter Herr Meßer,

eigentlich müsste man Ihren Beitrag natürlich wegen Kommentar-Spamming sofort löschen. Und das wissen Sie, der Sie für den medialen Auftritt des Mönchehaus-Museums verantwortlich sind und über Marketingtechniken im Internet Bescheid wissen sicherlich.

Ihr Beitrag ist reines Marketing-Phrasen-Gedresche und deshalb verzichtbar.

Statt Ihren Kommentar zu löschen möchte ich an dieser Stelle lieber anmerken, dass Klaus Jörres in seinem Textbeitrag, der der o.g. Videoarbeit zugrunde liegt, den Pressetext des Museums fast 1 zu 1 übernommen hat um ihn mit medialen Techniken zu verzerren und zu ironisieren. Auf diese Weise hat er unter anderem solche Worthülsen und hohle Phrasen wie sie sie jetzt auch in Ihrem Kommentar bemühen als das entlarvt was sie sind, eben hohl.

Markus Wirthmann [TypeKey Profile Page] | 13.09.05

 

Sehr geehrter Herr Wirthmann,

danke für Ihren Kommentar.
Der Link gibt dem Betrachter die Möglichkeit sich zu informieren, was hier hohl ist.
Lassen wir den Betrachter selbst entscheiden,
ob es sich beim Kaiserring um ein zweifelhaftes
Angebot handelt.

christian meßer

Anbei ein Auszug aus der Computerwoche Online.

Kommentar-Spamming auf dem Vormarsch
Das Platzieren nicht bestellter Werbebotschaften in Weblogs, Webforen und virtuellen Gästebüchern greift derzeit um sich und wird von Betreibern und Nutzern schlicht als neue "Seuche" des Spamming bezeichnet.
Hintergrund des Kommentar-Spammings ist neben der Kenntnisnahme der Reklame durch die Benutzer eine höhere Bewertung bei gängigen Suchmaschinen in der Trefferanzeige, da diese auch die Verlinkungen einer Website mitberücksichtigen (c't 2/2005, 41). Technisch basiert das Kommentar-Spamming auf sog. Spambots, die auf die fremde Homepage "geschickt" werden und dort Hyperlinks zu zweifelhaften Internetangeboten wie Webkasinos, Erotikangeboten oder Viagra-Online-Shops eintragen ("Computerwoche Online - c't 2/2005, 41").

mac [TypeKey Profile Page] | 17.09.05

 

meine lieben diskutierenden,

um etwas ärger aus der runde zu nehmen: es ist in der tat fakt, wie herr wirthmann dies bereits beinahe richtig angedeutet hat, dass der im video verwandte text und zwar nicht nur fast, sondern komplett 1 zu 1 den vom mönchehaus museum herausgegebenen informationsbroschüren entstammt.

bei der diskutierten videoarbeit handelt es sich um einen beitrag zu der ausstellung "der harz". da ich der kaiserringstipendiat des moenchehaus museums im jahre 2oo4 war, wurde ich von dem die "der harz"-ausstellung betreffenden kurator zwecks eines beitrages in bezug auf den kaiserring angefragt. dies eben weil der kaiserring ein bedeutender kunstpreis ist und weil goslar im harz lokalisiert ist!

ich bin nicht der meinung mich mit dieser arbeit negativ in bezug auf den kaiserring geäussert zu haben. es handelt sich vielmehr um eine persönliche reflektion, welche bei der diskutierten arbeit doch wohl äusserst sachlich ausgefallen ist. dies kann nicht anstössig sein, deshalb verstehe ich die "rechfertigungen", oder was auch immer das sein mag, des herrn meßer auch nicht. jene äusserungen sind hier auch meiner meinung nach deplaziert.
was die aussage von herrn wirthmann betrifft ("...Pressetext des Museums fast 1 zu 1 übernommen hat um ihn mit medialen Techniken zu verzerren und zu ironisieren. Auf diese Weise hat er unter anderem solche Worthülsen und hohle Phrasen wie sie sie jetzt auch in Ihrem Kommentar bemühen als das entlarvt was sie sind..."), so würde ich dies so auch nicht wirklich unterschreiben wollen.

zugegebener maaßen spielt die arbeit mit dem text und das auch nicht zufällig. desweiteren möchte und muss ich mich hier zu meiner künstlerischen praxis aber nicht äussern.

was den fall markus lüpertz und den augsburger "pöbel" betrifft so verweise ich auf ein interview mit gerhard richter im spiegel vom 15. August 2005: gerhard richter, teure kunst.

gerhardt richter wurde der kaiserrings im jahre 1988 verliehen
verliehen)

Klau Jörres [TypeKey Profile Page] | 06.10.05

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

in der Fußzeile dieser Site steht die Aufforderung:

„Schreiben Sie einen Kommentar zu »Der Kaiserring«

Genau das habe ich gemacht.
Ich habe einen Kommentar zum Kaiserring abgegeben und nicht zum Video von Klaus Jörres.
Ich habe die künstlerische Arbeit von
Klaus Jörres nicht kommentiert.
Ich habe keine Rechtfertigung abgegeben.

Lesen Sie die Texte richtig.

Die künstlerische Arbeit von Klaus Jörres
steht hier nicht zur Diskussion.
Er hat sich nicht zu rechtfertigen,
oder Erklärungen abzugeben.
Wie er selbst sagt hat er seine Eindrücke des
Goslarer Kaiserringes, des Kaiserring-Stipendiums
und von Kunstpreisen generell, künstlerisch verarbeitet.

Meine Persönliche Meinung ist, es ist wünschenswert, dass Künstler dies machen. Ich möchte die Besucher dieser Site dazu auffordern, sich die Arbeit Klaus Jörres anzuschauen und sich selbst ein Bild zu machen.

Darüber hinaus habe ich den Besuchern dieser Site
eine Web - Adresse angeboten, um ihnen die Möglichkeit zu geben, sich weitergehende
Informationen zugänglich zu machen,
die für dieses Thema relevant sind.

Mit freundlichen Grüßen
Christian Meßer

mac [TypeKey Profile Page] | 07.10.05

 

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