Markus Wirthmann | Sonstiges

Kunst kommt von Pils

Pilsner Urquell Kunstperformance
Ausführender Künstler: Nicolai Heymann
Berlin, Hamburg, Köln, Dresden, Leipzig.


"Einmalzwei" in Berlin auf 4343,5 qm, 2555 Handtücher. (Quelle: obs/Pilsner Urquell)

Das sieht man diesen beiden Gesellen ja schon an, das mit dem Bier! Wie sie da so leicht verkatert um die Ecke geschlichen kommen.

Nach Beck´s und Absolut Wodka ist nun auch Pilsner Urquell auf die Kunst gekommen. Passt doch eigentlich gar nicht zum Image, dachte ich heute früh, als mir die etwas ungelenk und deutlich szenefremd formulierte Pressemitteilung auf den Computer-Schreibtisch flatterte.

Aber da hatte die Globalisierung wohl schon enige Jahre früher zugeschlagen. Seit 1999 gehört die tschechische Marke zum südafrikanischen SABMiller-Konzern und kloppt sich seit geraumer Zeit mit einigen anderen osteuropäischen Biersorten um den deutschen Markt.
Irgend jemand in der Marketingabteilung des weltweit operierenden Konzerns hat sich da vielleicht gesagt: Machen wir mal ´ne Kunstperformance und zeigen den Bewohnern der hippen Metropolen im Land der Künstler und Denker wo der Bartel den Most das Pils holt!

Und sagen keinem Bescheid! Und dann sind alle total überrascht weil sich das Stadtbild, laut Presseinfo, geändert hat! Mittlerweile dürfte sich die Überraschung in den Metropolen wieder gelegt haben, die Handtücher durften ab neun Uhr am gestrigen Tag von Passanten mitgenommen werden.

PS.: Wenn mir mal jemand sagt wo, hol ich mir vielleicht auch noch eins!


Hier der original Pressetext für alle Überraschten:

Heute früh, am Sonntag, den 28.08.2005, änderte sich innerhalb weniger Stunden das Stadtbild in 5 deutschen Metropolen - Berlin, Hamburg, Köln, Dresden und Leipzig. Pilsner Urquell, das erste Pils der Welt, setzte Akzente für eine sommerliche Kunstperformance. Im Rahmen eines Wettbewerbs sollten Gebrauchsgegenstände in ein Gesamtkunstobjekt verwandelt werden. Diese Aufgabenstellung hatte der Künstler Nicolai Heymann am innovativsten verarbeitet. Er schuf aus vielen Gebrauchsgegenständen - hunderten von Strandtüchern - jeweils ein weitläufiges, grün-weißes Piktogramm, das sich zu einem Gesamtkunstwerk zusammenfügte.

Auf Flächen, die normalerweise zum Entspannen, Ausruhen oder Spazierengehen einladen, fanden die Bürger heute früh, zwischen 9 und 10 Uhr, riesige Kunstwerke vor.

Die Idee aller Kunstwerke lässt sich einfach zusammenfassen: So wie manche eine Aneinanderreihung von Strandtüchern sahen, sahen andere das große Bild und damit das Besondere. Die Wahrnehmung war entscheidend: Gelerntes wurde plötzlich in einen anderen Zusammenhang gebracht und es entstand dadurch etwas Neues - etwas Neues entstehen zu lassen, bedeutet Mut.

Die Fertigstellung der Kunstwerke war um 9:00 Uhr. Im Anschluss verwandelten sich die Kunstwerke wieder zurück in Strandtücher. Jeder Besucher hatte die Möglichkeit, ein Strandtuch als Sitzunterlage zu benutzen oder zur Erinnerung an die Kunstperformance als Gebrauchsgegenstand mit nach Hause zu nehmen.

Markus Wirthmann, 29.08.05 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor

 

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