Adib Fricke | Kritik

Für wen? Für was?

Für wen? Für was?
Diese Fragen an den Künstler stellen - auf Antwort bestehen!

Text aus einem Immendorf-Bild von 1972, das Dieter Hacker in seiner Serie Dumme Bilder (1978) zitierte. In dieser Serie kritisierte Hacker neun Künstlerkollegen und -kolleginnen, bevor er dann Anfang der 80er Jahre im Schlepptau der Neuen Wilden selbst zu einem galeriekompatiblen Maler wurde. Auf Tafel III schrieb Hacker als Kompaktkritik über Immendorf:

Voll integriert in den nationalen Kunstbetrieb pinkelt Jörg Immendorf diesem unermüdlich ans Bein.
Doch dieser Angriff trifft niemand. Radikalität wie die seine gibt dem Salon erst sein haut gout. Die Fragen, die er stellt, sind an ihn selbst so gut zu richten wie an die Künstler, an denen er sich reibt. Seine Arbeit demonstriert die Verstrickung in das Dilemma, daß es auch für den politischen Künstler eine andere als die bürgerliche Kunstvermittlung nicht gibt.
Nur über sie läuft der Prozeß der öffentlichen Beachtung.

Dümmlich werden Immendorfs Bilder, weil sie diese Verstrickung nicht zugeben, um von da aus beharrlich an ihrer Auflösung zu arbeiten.

aus: Die politische Arbeit des Künstlers beginnt bei seiner Arbeit ..., Ausstellungskatalog daadgalerie, Berlin 1981

Mehr über die Retrospektive des (Noch-)Kanzlers Lieblingsmalers in der Neuen Nationalgalerie folgt.

Adib Fricke, 26.09.05 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor

 

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