Markus Wirthmann | Kritik
Kunstfasching Berlin - 1. und 2. Tag
Gagosian Gallery in Berlin
„Berlin Beauties“
Dorothy Iannone, Emmett Williams und Dieter Roth
26. September bis 22. Oktober 2005
Kunstfasching begann Montag mit einem kleinen kuratorischen Verwirrspiel um die Eröffnung der Gagosian Gallery in Berlin unweit der Kunst-Werke. Diese, bzw. die Berlin Biennale, sind dann auch Urheber dieses Scherzes. Die Ausstellung Berlin Beauties mit Dorothy Iannone, Emmett Williams und Dieter Roth stellt die erste Veranstaltung der Berlin Biennale 2005 dar. Vielen Besuchern der Eröffnung ist erst so langsam ein Licht aufgegangen (und ich glaube, bei einigen blieb es duster). Die Anwesenheit von Freigetränken und Klaus Biesenbach lies, ungeachtet der hemdsärmeligen Stimmung, die Legende von Gagosian in Berlin noch eine Weile weiter leben.
Preview Berlin - The Emerging Art Fair
28. September bis 2. Oktober 2005

Kunstmesse Preview. Alles schön der Reihe nach - erst mal berappen! Allerdings war die Eröffnung frei und ohne Einladungskarte zugänglich. Sehr angenehm!
Tag zwei wurde durch die Eröffnung der Preview Berlin bestimmt. Durch zellteilungsartige Vorgänge, deren Agens, wie mir gut informierte Quellen zu berichten wussten, ungesunde Geschäftspraktiken gewesen sein sollen, ist Berlin nun nicht nur mit einer ”richtigen”, d.h. auf dem Messegelände stattfindenden Kunst-Messe gesegnet, sondern außerdem noch mit drei Parallelveranstaltungen: Preview Berlin, Berliner-Liste und den Kunst-Salon.

Eyecatcher im Eingangsbereich: Lagerregale mit blindem Hund
Erfahrungsgemäß gibt es in der Abfolge der Messen innerhalb der Stadtgrenzen einen deutlichen Qualitäts-Keil mit dem spitzen Ende in östlicher Richtung. In Charlottenburg (former West-Berlin) mit dem European Art Forum sollte man also die qualitative Spitze erklimmen, über Preview und Liste im Prenzlauer Berg eine sachte Neigung hinunter gleiten um dann in Treptow/Kreuzberg im, zumindest punktuell, völligen Trash zu landen.
Aber wollen wir mal die Woche nicht vor dem Abend des letzten Tages loben. Die meisten Eröffnungen stehen noch aus und wir lassen uns ja alle gern überraschen.

N´bischen wie in der Legebatterie, oder?
Bei der Eröffnung der Preview jedenfalls war die Stimmung angenehm. Wie auch die Getränkepreise - und Gedrängel gab´s auch keins – was allerdings dann vielleicht doch kein ganz so gutes Zeichen war.

Mein Fundstück des Abends: Svätopluk Mikyta bei Emanuel Waldendorff
Wer hier erwartet hatte, ”richtige“ Entdeckungen zu machen wurde enttäuscht. Nichts wirklich shocking, weder in positive noch negative Richtung - eine gewisse Biederkeit korrespondierte sehr gut mit der umgebenden Architektur.
Meine einzige Ausnahme sind die eigenartigen Überzeichnungen von Svätopluk Mikyta. Seltsam verhinderte Sportsmänner und Kraftkerle wie aus einem Stummfilm-Alptraum. Und alles in einem schwarz-weiß-roten Standdesign wie Ozeandampfer, KuK oder anderes...

Zur Eröffnung wird in der Galerie Rekord alle 20 Minuten umgehängt - sportlich!
Ansonsten Normalität – nur ein bisschen kleiner. Der Veranstaltungsort, die Backfabrik im Prenzlauer Berg ist eines der vielen Investoren-Desaster Berlins. Großzügig wurde der Umbau einer ehemaligen DDR-Industrie-Bäckerei angegangen aber die schicken Räume bleiben weitgehend unvermietet und der geplante Neu-Anbau ungebaut. Jetzt also temporäre Kultur-Zwischennutzung in etwas zu engem Gehäuse. Puppenstubenartig mit ihren niedlichen Namensschildchen kommen die Stände der Messe daher. Richtiger Messe-Teppich, richtige Kojenwände und richtige Galeristen – nur alles, wie gesagt, ein bisschen kleiner.

Die Lounge - ganz rotes Licht auf roten Bilder von Bernhard Gabert und angenehm freundlichen Getränkepreisen
Nach einiger Zeit, spätestens in der in rotes Licht getauchten Cafeteria, pardon: Lounge, verfliegt das Gulliver-Gefühl und man kann interessiert seine Runden drehen und mal nachsehen ob hier die Preise auch alle ein bisschen kleiner sind...

Der GROSSE erklärts den KLEINEN - Gerd Harry Lybke im Gespräch mit ein paar emerging gallerists

Jessas Maria! Ost-post-appropriation-Art aus Polen

Songs From The Wood. Kennt das noch jemand? Na, ist ja auch schon mehr als zehn Jahre her, das mit Jethro Tull ...

... und üblicherweise ist das Kurzzeitgedächtnis bei jungen Künstlern schwach ausgebildet. Über Langzeitgedächtnis verfügt er nicht ...

... aber über ein Gespür für´s Merkantile
Markus Wirthmann, 28.09.05 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor
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