Markus Wirthmann | Kritik

Brunnenstraße

www.amerika-berlin.de
www.diskus-berlin.com
www.christianehrentraut.com
www.rekord-berlin.de
www.klarawallner.de
www.janwinkelmann.com

Vom Rosenthaler Platz am westlichen Rand von Berlin-Mitte, nicht weit von den Kunst-Werken und bis vor kurzem noch die Wasserscheide zwischen professionellem Galeriegeschäft und Ateliers, Produzenten- und Projektraumgewimmel, breitet sich die Szene in Richtung Prenzlauer Berg und Wedding aus. Besonders attraktiv für Neugründungen und Verlagerungen scheint die Brunnenstraße zu sein. Einerseits noch richtig "Mitte", andererseits erschwinglich, weil Einfallstraße in den Dönerbuden und Internet-Shop schwangeren Wedding.

Von dem guten Dutzend der mittlerweile an der Brunnenstraße residierenden Galerien eröffneten gestern, am 13. Januar, sechs konzertiert und mit gemeinsamer Einladungskarte das neue Jahr: Amerika, Rekord, Diskus, Klara Wallner, Christian Ehrentraut und Jan Winkelmann. Wie schon die Namen vermuten lassen haben in dreien der Jung-Galerien die Galeristen die Hosen an und bei den anderen noch die Künstler. Bei Rekord ist die Konversion vom genossenschaftlichen Modell zur Galeristen-Galerie allerdings gerade bewältigt: Martin Mertens wird demnächst in neuen Räumen und unter eigenem Namen mit den rekordverdächtigen Leistungssportlern weitermachen.

Diskus firmiert im Untertitel mit "Dresdener Produzentengalerie Berlin". Ist das auch schon ein Qualitätsmerkmal? So wie Leipzig? Oder wie Dresdener Stollen? Na mal sehen. Schon nach dem Klingeln an der Galerietür, die auch prompt summend geöffnet wurde, hatte ich irgendwie ein Déjà-vu-Erlebnis: Die Arbeit kennst du doch irgendwie. Sieht aus wie ein Martin Honert. Noch mal sehn. Mal durch den Katalog blättern. Noch mehr Arbeiten, die aussehen wie von Martin Honert. Andere auch anders. Wie irgendwas. Das Erlebnis hatte ich doch auch schon mal hier. Wieder ein Déjà-vue. Am Ende des Durchblätterns dann endlich die Auflösung: Susanne Starke hat bei Martin Honert studiert.
Mein einfältiges Kichern angesichts der Entdeckung trieb die diensthabende junge Dame zur Nachfrage. "Ja, Martin Honert dachte ich. Und dann hat se ja auch noch bei dem studiert." "Martin Honert – wer ist das?" Und wieder ein Déjà-vue. Beim letzten Mal gings, glaube ich, um Picasso.

Bei Jan Winkelman geht´s nicht um Klamotten. Nicht eigentlich. Obwohl sie da überall rumhängen. Zwei komplette Klamottenständer voller Blusen, Hemden, Sakkos, Jeans und anderem. Auf dem Boden finden sich noch Schuhe und weiteres, was man nicht auf Bügel kriegt. Und alles gehörte mal Kunstmarkthelden wie dem König-Clan oder Isabelle Graw oder dem Frankfurter Galeristen Neff.
Hm. Ist natürlich sau-clever so Kunstmachen mit den Sachen von Kunst-Machern. Ein bisschen wie damals, als Tobias Rehberger im Studium mal alle möglichen Skulpturen von allen möglichen berühmten Künstlern in klein nachgeschnitzt hat. Scheint eine Frankfurter Krankheit zu sein. Dennis Lösch hat auch in Frankfurt studiert.
Trotzem mal hingehen und Jan Winkelmann ins Gespräch verwickeln. Das was Dennis Lösch in der Oskar-von-Miller-Straße in Frankfurt mit seinen Kollegen angezettelt hat, ist es auf jeden Fall Wert erfahren zu werden, und demnächst ist er ja auch vielleicht von seiner Frankfurter Krankheit geheilt.

Für den Rest gibt’s augenblicklich nur Kurzkritik:

Amerika: Déjà-irgendwas: Viktoria Binschtok & Fabian Reimann

Klara Wallner: Heavy Déjà-vue: Antonia Low dekonstruiert Matthew McCaslin.

Rekord: Déjà-vue der Rekordverdächtigen: Solide Gruppenausstellung.

Christian Ehrentraut: normales Déjà-vue: Christoph Ruckhäberle ist mal aus dem Bild gefallen und hat ´ne Installation gemacht.

Markus Wirthmann, 15.01.06 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor

 

Kunst-Blog.com, Copyright 2005-2012. Alle Rechte vorbehalten.

Soweit nicht anders angegeben liegen die Rechte bei den jeweiligen Autoren und Künstlern, die die Urheber der Beiträge sind, und bei Kunst-Blog.com. Für Webseiten, auf die von dieser Site aus verlinkt wird, sind ausschließlich die Betreiber der jeweiligen Angebote verantwortlich.

 

Kommentare

Das ZDF hat auf seiner Web-Seite den heute-Beitrag „Berlin Brunnenstraße - Quelle der Kunst“ in seine Mediathek aufgenommen.

Es werden unter anderem die Galerien Klemm's, Birgit Ostermeier, Achtzig Galerie namentlich erwähnt und im Film gezeigt.

Der Beitrag zeugt von der Bedeutung des Standorts und seiner hohen Attraktivität für Sammler, Künstler und Galeristen.

Diana Achtzig | 28.09.09

 

Schreiben Sie einen Kommentar zu »Brunnenstraße«




Automatisch anmelden?