Markus Wirthmann | Kritik

Der Style Store

Bird´s Eye View
Deborah Ligorio
Büro Friedrich, Berlin
21. Januar - 25. Februar 2006

Wie so viele junge Künstler unserer Tage hat Deborah Ligorio laut vorliegender Pressemitteilung ”eingehende und schlüssige Untersuchungen zu den Möglichkeiten und Formen des menschlichen Habitats” unternommen. Diese Untersuchungen und Forschungen haben zu Collagen auf Spanplatte geführt die, very stylish, die Wände des S-Bahnbogens Nummer 53, Sitz des Büro Friedrich, in lockerer Unordnung gestalten.

Mit sicherem Blick auf eine zeitgenössisch unterkühlte Ästhetik sind Architekturfotos und -grafiken der aktuell total angesagten Bauhaus, Eames und Panton-Jahrzehnte mit Struktur-Ornamenten und Mustern á la Zaha Hadid oder Frank Gehry verschnitten. Die fundamentale Forschung am Habitat muss doch auch irgendwo ihren Niederschlag finden – und wenn´s letztendlich nur zu einem, mit viel Gespür für aktuelles grafisches Gestalten, inszenierten Pattern- und Name-Dropping führt.

Um auch gar keinen Zweifel daran zu lassen, dass es hier nur um künstlerisches Gestalten von Untersuchung und Forschung, keinesfalls aber um Kunst an und für sich geht, sind die meisten Collagen auch schön beschriftet. Immer an der Spanplatte lang: zu viel menschliches Habitat macht kaputt oder doch zumindest doof.
Alles ungefähr so wie der olle Öko-Indianer-Spruch von Mutter Erde, die sich irgendwann mal für alles rächen wird – nur unglaublich schicker gestaltet.

Den didaktischen Möglichkeiten des Multimediums angepasst wird die Botschaft in den Videoarbeiten von Deborah Ligorio deutlich penetranter. In ihrer Videoinstallation ”Irregular Configuration“ erfährt man beispielsweise linksseitig einige Details über frühzeitiges Laichen von Fröschen und Kröten in Großbritannien sowie den irregulären frühzeitigen Vogelzug während rechtsseitig zur gleichen Zeit Idyllisches vorbeiplätschert. Für alle die´s dann immer noch nicht geschnallt haben marschiert dann von links unten noch ein kleines Geschwader Windkraftanlagen ein: Mutter Erde böse.

Auch wenn der oben schon ein Mal erwähnte Infotext mit krampfigen Wissens-Vokabeln auf uns herumhackt und erbittert den geführten Dialog zwischen Künstlerin und Fachleuten verschiedenster Fakultäten behauptet (schlimm genug wenn man das muss) und schließlich auch noch die Poesie ihrer Methode ins Feld führt – es bleibt nichts außer einer coolen Hülle für ziemlich schmalbrüstige Parolen. Camp verfehlt, im Kitsch gelandet - vielleicht hätte man´s mit ein bisschen Humor versuchen sollen.

Markus Wirthmann, 22.01.06 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor

 

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