Adib Fricke | Kritik

Messestand für Kunstkritik

Auch Bologna hat eine Kunstmesse, und das sogar schon seit dreissig Jahren. Dieses Jahr findet die ARTEFIERA - ART FIRST 2006 vom 27. bis zum 30.1.2006 statt. Dem Slogan nach zu urteilen, ist die mit einer Vorfahrt für die Kunst werbende Fachmesse besonders für die Süchtigen der Kunstwelt geeignet: If you love art, everything comes later. Abgesehen von der albernen Werbeagentur-Rhetorik gibt es neben der üblichen Hallenbespielung und der ergänzenden, im öffentlichen Raum verteilten Kunst heuer ein besonderes Schmankerl. Auch Achille Bonito Oliva hat einen Stand auf der Messe eingerichtet, auf dem er sich unter dem Label ABO critica ad arte als freundlicher Kritiker der Kunst präsentiert. Eine Pressemitteilung beschreibt den zu erwartenden Messestand vorab: »The ‘stand’, equipped with a table and three chairs created by Alberto Garutti, will have seating for the public and photos on the walls of the critic at various moments in his professional life, starting with the famous photo showing him lying naked on a sofa that was published in the late 1970s in ‘Frigidaire’, as well as his famous ‘Aborismi’.

An den drei ersten Messetagen wird »ABO« insgesamt sechs bekannte Künstler als Gäste empfangen: Enzo Cucchi, Braco Dimitrievic, Liliana Moro, Michelangelo Pistoletto, Ettore Spalletti und Sisley Xhafa dürfen um 12 und um 17 Uhr mit ihm am Tisch sitzen und sich unterhalten bzw. berichten. Eine »Art echte Künstlerperformance« soll das werden, wie auf der Webseite zur Messe zu lesen war, wenn die Künstler unter dem Titel Arte: dimenticare a memoria das Publikum in ihre »geheime Welt der Wünsche und unrealiserten Träume« einbeziehen dürfen. Eine Art doppelte Konzeptarbeit also, denn es geht für die Künstler bei dem Einladungskonzept des Kritikers darum, von Konzepten für Arbeiten zu berichten, die nicht realisiert sind, deren »Realisation sie sich aber erträumen«. Dass dabei gleich mehrmals vom Träumen geschrieben wird, lässt die Sache allerding dann doch etwas schmusig wirken.

Am Ende der Veranstaltung soll das ABO-Messelogo, eine große Fotoarbeit von Rocco Dubbini - wie immer diese auch aussehen mag, von Achille Bonito Oliva persönlich versteigert werden. Natürlich kommt der Erlös einem guten Zweck zu. Mit dem Geld sollen Arbeiten junger europäischer Künstler für zeitgenössische Sammlungen in italienischen Museen erworben werden. Meister Oliva, »a western critic and tribal chief of art«, wird entsprechende Empfehlungen für die Auswahl geben.

Dass alles später in einem Buch dokumentiert wird, versteht sich von selbst. Wer würde es anders machen? Die Veranstalter der Messe träumen übrigens davon, die Einrichtung einer Messekoje, die »der Kritik bzw. den Kritikern gewidmet ist, zu einem regelmäßigem Messe-Feature« zu machen.

Adib Fricke, 27.01.06 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor

 

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