Markus Wirthmann | Kritik
Der Wald-Lehr-Pfad
Smile Machines
Ausstellung zur Transmediale 06*
3. Februar bis 19. März 2006
Akademie der Künste, Hansaviertel, Berlin
Maja Bajevi, Maurice Benayoun, Tamy Ben-Tor, Dara Birnbaum, Ximena Cuevas, Paul DeMarinis, Robert Filliou, Jean-Pierre Gauthier, Stéphane Gilot, Jodi, Kim Beom, Les Levine, George Maciunas, Annette Messager, Agnes Meyer-Brandis, Eva Meyer-Keller, Christian Möller, Antoni Muntadas, Nam June Paik, Valérie Pavia, Simon Penny, Jim Pomeroy, Michael Snow, The Yes Men, Ubermorgen, William Wegman, Norman White

Nam June Paik Der Denker - TV Rodin 1976/78
Closed circuit - der Klassiker.
Die alte Akademie der Künste, also der fünfziger Jahre Altbau der West-Akademie im Hansaviertel, ist voll an diesem Wochenende. Junge und jünger aussehende Menschen drängen sich an Kassen und Akkreditierungs-Countern, außerdem vor und in den Sälen sowie am Tresen des Cafés (das, wie bei solchen Veranstaltungen zu erwarten, total überlastet tut - aber das sei Thema von ungefähr fünf Comedy-Abenden mit Kurt Krömer im Ballhaus Neukölln – konnte ja keiner wissen, das mit den vielen jungen Menschen ...). Wahrscheinlich wird deshalb der Februar ´06 noch lange Thema an den Lagerfeuern des Akademievorstandes sein wo man sich Hände reibend über den Jungbrunnen Transmediale freuen wird.

Christian Möller Cheese 2003
Eine von vielen jungen Schauspielerinnen. Lustigkeitsfaktor bitte am Farbbalken ablesen.
Das Konzept der Kuratorin Anne-Marie Duguet ist ziemlich straightforward und in einem Satz zu erklären: Die Medienkunst ist eine Erfindung, wenn nicht sogar ein Ableger der Fluxus-Bewegung und ihrer Protagonisten.
Allen voran fungieren der leider gerade verstorbene Nam June Paik, Robert Filliou, sowie George Maciunas als Säulenheilige der transmedialen Kunst, letzterer zudem als Namens– und Stichwortgeber der Ausstellung. Was machen da all die anderen Früh-Interaktiven? Oder waren die einfach nicht lustig genug? Immerhin wird in der Pressemitteilung ordentlich mit dem Begriff Humor hantiert – lustig ist das nicht!

Simon Penny Petit Mal 1989-2005
Eine gute Stelle um daran zu erinnern, dass die Produktion von Aibo, dem Roboter-Hund von Sony gerade eingestellt wurde. Der sensorbestückte Roboter von Simon Penny wurde 1995, vier Jahre vor Aibos Markteinführung fertig gestellt.
Im Folgenden wird nicht nur versucht, die alten Fluxer als Gründungsväter sondern auch als Qualitätspegel zu installieren. Keine der gezeigten Arbeiten der jüngeren oder noch lebenden Nicht-Flux-Künstler kann wirklich mit einer Flux Smile Machine von Maciunas oder dem Video-Denker von Paik mithalten. Der Einfachheit und Stringenz dieser Arbeiten stehen mit den Arbeiten der Jungen und Jüngeren unheimlich verkopfte und umständliche Elaborate oder manchmal pure Naivität gegenüber. Na zum Glück lernt man noch, dass diese Kunst zum großen Teil auch irgendwie auf der Achse Quebec-Paris stattfinden muss - auf jeden Fall im Vorlesungs- und Einzugsbereich der Kuratorin - jedenfalls wenn man sich mit den Jungen und Jüngeren beschäftigt.

Stéphane Gilot Video Game - World 2 2004-2006
Closed circuit. Wie fast bei Paik, nur umständlich. Oben im Gehäuse die Kamera bestückte Eisenbahn, unten im Gehäuse der Betrachter mit Joy-Knopf.
Die verkehrsschildgroßen Hinweis- und Erklärungstafeln, die jedes Werk begleiten, lassen in ihrer lehrpfadhaften Deutlichkeit kaum einen Zweifel, dass diese Ausstellung sich in erzieherischem Zweck an ein junges, Basecap tragendes, in Sachen bildender und nicht flimmernder Kunst noch etwas unterbelichtetes Publikum wendet. Tragisch nur, dass die Transmediale nach diesem Wochenende schon wieder vorbei sein wird und die Ausstellung vermutlich noch ein Weilchen ohne passendes Publikum vor sich hin dümpelt.

Jean Pierre Gauthier Remue-ménage 2000-2006
Ausstellungsabbau schon mit eingebaut. Mit Fäden und Motörchen animierte Fundstücke aus dem Akademiegebäude.
*Hier geht es tatsächlich nur um die Ausstellung Smile Machines. Also nur um einen Teil des Transmediale-Festivals. Die Videoarbeit Sieben bis zehn Millionen von Stefan Panhans, zu der es hier auch einen Kunst-Blog-Beitrag gibt, ist trotz geringer räumlicher Distanz nicht Teil der Ausstellung. In den Medien (z.B Spiegel-Online) wir hier meist kein Unterschied gemacht und alle Teile des Festivals inklusive Club Transmediale über einen Kamm geschoren.
Markus Wirthmann, 06.02.06 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor
Kunst-Blog.com, Copyright 2005-08. Alle Rechte vorbehalten.
Soweit nicht anders angegeben liegen die Rechte bei den jeweiligen Autoren und Künstlern, die die Urheber der Beiträge sind, und bei Kunst-Blog.com. Für Webseiten, auf die von dieser Site aus verlinkt wird, sind ausschließlich die Betreiber der jeweiligen Angebote verantwortlich.
Kommentare
Schreiben Sie einen Kommentar zu »Der Wald-Lehr-Pfad«
Danke für Ihre Anmeldung,
.
Sie können jetzt Ihren Kommentar schreiben. | Abmelden