Esther Ernst | wo ich war

LE ROY XAVIER - VIRUAL ÉLECTRONIC POÉM - JULIUS ROLF - UDK BERLIN - KENTRIDGE WILLIAM

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XAVIER LE ROY
Mouvements für Lachenmann
HAU 2, Berlin
+Zwei Gitarristen spielen "Salut für Caudwell" von Lachenmann und werden von zwei weiteren Gitarristen hinter schwarzen Wänden verdeckt. Diese setzten sich davor und "spielen" das gleiche Stück nur ohne Gitarre. Die Funktion der Geste wird eliminiert und durch die hohe Konzentration und Ernsthaftigkeit der Musiker wirkt es erstaunlicherweise nicht pantomimisch oder lächerlich. Alle dazu erfundenen und choreographierten Bewegungen fallen jedoch deutlich ab. Bei dem Stück für Ensemble wird gar nicht mehr gespielt und nur noch bewegt. Und ich finde, dass dieses sehr einfache Konzept da überhaupt nicht mehr funktioniert. Für bestimmte Klänge werden bestimmte Bewegungen gesucht. Die Musiker verhalten sich unnatürlich und aufgesetzt. Und die Qualität des Abends, dass man nämlich ohne dieses Hör-Erlebnis nach Hause geht, wird dann doch gebrochen, weil das KNM Berlin das Stück nach der Pause konzertant aufführt. Fand ich ne harte Nummer, spielen aber toll.
+j

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VIRTUAL ÉLECTRONIC POÈME
Poème électronic (1958)
Edgard Varèse, Iannis Xenakis, Le Corbusier
tesla im podewils’schen palais, Berlin
+tesla präsentiert im Rahmen des Festivals Ultraschall eine virtuelle Rekonstruktion des 1958 zur Weltausstellung gezeigten Pavillons. Dieser kann als erstes multimediales Gesamtkunstwerk gelten.
Von Corbusiers entworfener Gesamtkonzeption und Xenakis’ gebauter Architektur ist nichts mehr übrig, dafür fertigte Kees Tazelaar auf Grundlage der originalen Tonbänder eine 6-Kanal-Fassung an. Auf einer Doppelvideoprojektion flimmert das originale Filmmaterial. Das ist eine ziemlich beeindruckende Zeitreise, dennoch wäre zusätzliches Dokumentationsmaterial zu dem originalen Pavillon spannend gewesen.
Dazu das unterhaltende Gespräch mit einer ziemlich klaren Christina Kubisch und dem super schwachen und mit Unsinn beladenen Medientheoretiker Wolfgang Ernst zu dem Thema "Medienkunst im kulturellen Gedächtnis"
+j

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JULIUS ROLF
Musik weit entfernt (Hannah-Höch-Preis 2005)
Berlinische Galerie
+"Rolf Julius hat in den letzten 30 Jahren für seine Klanginstallationen und Klangobjekte akustische und skulpturale Elemente zu raumbezogenen Arbeiten verbunden." Ich empfand diese Arbeit (und vor allem ihre Präsentation) nicht besonders raumbezogen, frage mich aber gleichzeitig, ob sich Klangkunst nicht grundlegend mit Raum auseinandersetzt (allein schon die exakte Positionierung der Lautsprecher fordert doch eine Auseinandersetzung mit der jeweils spezifischen Akustik eines Raumes...).
In Julius’ Arbeit geht es aber gar nicht so sehr darum. Seine Materialien (Lautsprecher gefüllt mit Farbpigmenten, Flachbildschirme und Technikkram) sind in Gruppen auf dem Boden verteilt, die Klänge der unzähligen Lautsprecher mischen sich zu einem sehr feinen Klangteppich, der sich "ungerichtet" im Raum verteilt. Das Verhältnis zwischen Video und Klang war mir unklar, und ein bisschen war ich an Wolfgang Laib erinnert.
+j

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UDK Berlin
Professorinnen und Professoren der Fakultät Bildenden Kunst
Berlinische Galerie
+"32 künstlerisch Lehrende präsentieren Arbeiten, von denen viele nie zuvor öffentlich zu sehen waren oder speziell für diese Schau entwickelt wurden." Aha, und das ist doch jetzt nichts Spezielles, oder? Ich war erstaunt, dass diese 32 Positionen ein ziemlich homogenes Bild abgeben. Super etablierte Kunst. Wo sind denn eigentlich die jungen Künstler abgeblieben? Oder kriegen die speziell an der UdK keine Professur?
Die wehenden Kleider von Ursula Neugebauer fand ich hart an der Grenze. Und muss denn damit auch noch so oft für die Ausstellung geworben werden?
Über die zwei Arbeiten von der Möbus hab ich mich sehr gefreut. - Landkarten studieren ist eine tolle Beschäftigung.
+j

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KENTRIDGE WILLIAM
Black Box/Chambre Noir
Deutsche Guggenheim, Berlin
+Sogar als gelernte Bühnenbildnerin(!) habe ich noch nie von William Kentridge gehört... Black Box/Chambre Noir konzipierte er speziell für die Reihe der Auftragsarbeiten des Deutsche Guggenheim. In einen Bühnenbildmodellkasten (klassischer Guckkasten), welcher sehr aufwendig gebaut wurde, projiziert Kentridge von zwei Seiten seine animierten Kohlezeichnungen. Aus Gassen treten computergesteuert Figuren (Sprechrohr, Zirkel, Mann, Frau...) auf und gelegentlich werden Soufitten hoch oder runter gelassen. Die Zuschauer sitzen (ein bisschen wie im Kindertheater) auf hoch gebauten Stühlen vor dem Miniatur-Theater. Kentridge erforscht anhand deutscher Filme die Geschichte des deutschen Kolonialismus in Afrika. Textauszüge aus handschriftlichen Vorlesungsaufzeichnungen eines deutschen Jurastudenten von 1911, einem französischen Lehrbuch von 1868 oder einen Stadtplan von Johannesburg von 1940 nimmt er als Grundlage für seine Zeichnungen.
+j

Esther Ernst, 04.02.06 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor

 

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