Esther Ernst | wo ich war
FELDMAN MORTON - SHE SHE POP - DARBOVEN HANNE - BOZZINI QUARTET

FELDMAN MORTON
Maerz Musik, Festival für aktuelle Musik
Hamburger Bahnhof, Berlin
Maerz Musik, Festival für aktuelle Musik
Hamburger Bahnhof, Berlin
+Marc Sabàt (Violine), Rohan de Saram (Cello) und Aki Takahashi (Klavier) spielten das von Feldman 1980 komponierte Trio "...closer to the noise..." in den dafür ungeeigneten Räumen der Flick-Ausstellung. Denn abgesehen von der schlechten Akustik wurde das Konzert durch wummernden Sound irgendwelcher Installationen durchgehend gestört. Die unglaublich toll spielenden Musiker (Aki Takahashi ist einfach eine Wucht...) haben sich erstaunlicherweise nicht aus der Ruhe bringen lassen und benötigten für das Stück nicht wie angekündigt 75 sondern 110 Minuten (ich glaube, darüber waren die selbst erstaunt...). Ob das an Feldman liegt, habe ich mich gefragt, denn eine ähnliche "Zeitverschiebung" ergab sich, als das Pellegrini Quartett mit Ib Hausmann das "Clarinet and String Quartet" von Feldman bei der LOSE COMBO 2004 spielte. Und irgendwie, ohne den Vergleich gehört zu haben, glaube ich, dass die Verlangsamungen des Tempos die Musik nicht besser machten.
+j
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SHE SHE POP
Für Alle
Hau 2, Berlin
Für Alle
Hau 2, Berlin
+eigentlich wollte ich eine kleine She She Pop Pause einlegen, denn "Warum tanzt ihr nicht?" (Hau 2, 2004) fand ich ernüchternd und bevor der Spass am Zuschauen verloren geht, tut eine Runde Aussetzen ganz gut. Die Pause, ohne dass mir das so klar war, war aber schon zu Ende, denn in zwei Jahren passiert ja so einiges. – Nicht so bei She She Pop. Das gewählte Thema (wer ist mit was, warum, wie glücklich) erstaunt kaum, die selbst erfundenen und auferlegten Spielregeln, die She She Pop jeweils auch in vergangenen Performances eingesetzt hat, werden schwächer und beliebiger. Ihr Potential (improvisierte Geschichten erzählen, mit Requisiten um sich werfen und lustige Spiele spielen), läuft ins Leere, damit passiert nichts mehr.
Schade, dennoch besser als glotzen.
+j
Schade, dennoch besser als glotzen.
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DARBOVEN HANNE
Hommage à Picasso
Deutsche Guggenheim, Berlin
Hommage à Picasso
Deutsche Guggenheim, Berlin
+im Eingangsbereich der Guggenheim hängt eine gerahmte Lithografie von Picassos Gemälde "Sitzende Frau in türkischer Tracht" (1955). Darboven hat den Druck irgendwann gekauft, genau untersucht und die polnischen Kunsthandwerker, die diesen Rahmen hergestellt hatten (ist das eine Kopie des Originalrahmens oder eine polnische Eigenkreation?), ausfindig gemacht. Diese wurden dann beauftragt, 270 Rahmen für ihre 9.720 handgeschriebenen numerischen Notationen herzustellen. Zwischen diesen, bis unter die Decke gehängten Schrifttafeln, die das letzte Jahrzehnt des 20. Jahrhundert verzeichnen, stehen eine in römischem Stil gehaltene Büste von Picasso, eine bronzene Ziege und drei aus Birkenzweigen gebundene Esel. Alles kunsthandwerklich neu erstellte Objekte, die Darboven in Auftrag gegeben hat. Mit ihren Schrifttafeln kann ich als davor stehende Betrachterin wenig anfangen, die Kombination mit diesen kuriosen Objekten gefällt mir aber sehr.
+j
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BOZZINI QUARTETT
Jo Kondo, Chiyoko Szlavnics, James Tenney
HfM Hans Eisler, Maerz Musik, Berlin
Jo Kondo, Chiyoko Szlavnics, James Tenney
HfM Hans Eisler, Maerz Musik, Berlin
+Seit fünf Jahren bietet das Festival für aktuelle Musik Raum für unterschiedlichste Strömungen und Positionen zeitgenössischer Musik. - Interessant bei diesem Konzert war die Stückauswahl und das Verhältnis zwischen der Musik von Tenney und seiner ehemaligen Schülerin Szlavnics. In Tenneys Stück (1984 komponiert) gleitet ein Bogen geführtes Tremolo der ersten Geige schrittweise in mikrotonalen Intervallen vom tiefsten zum höchsten Register. Die anderen Streicher stellen, ebenfalls durch mikrotonale Intervalle, jedoch mit einfach gestrichenen Bögen, zusätzlich einen harmonischen Kontext her. - In dem 2005 eigens für Quatuor Bozzini komponierten Stück von Szlavnics entfaltet sich die Musik allmählich in langen auf- und abschwellenden Konturen. Auch hier sind kleinste Differenztöne Ausgangspunkt und Grundlage des Klanggebildes. Die extrem langsamen Tempi ermöglichen einem, die Aufmerksamkeit auf die Details der Klänge zu legen. Toll war das.
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Esther Ernst, 07.04.06 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor
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