Markus Wirthmann | Kritik

Ötzi im Flick-Gletscher entdeckt

Richard Jackson
Werke aus der Friedrich Christian Flick Collection im Hamburger Bahnhof
Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart - Berlin
19. Mai bis 13. August 2006


Big Ordeals, eines der beiden begehbaren Gemälde Richard Jacksons von Außen ...

Wenn Kunstvermittler allzu oft das Wort Entdeckung im Zusammenhang mit einem Künstler der Flick-Kollektion in den Mund nehmen, schleicht sich leicht der Verdacht ein, dass hier mehr oder weniger durchschaubares Marketing gemacht wird: Die Galeristen und Fast-Alleinausstatter von F. C. Flick stehen im Verdacht einen Künstler, der in den USA seinen Zenit schon überschritten hat, auf den heißen Kunstmarkt Germany zu drücken, F. C. selbst macht sich verdächtig seine Sammlung der hottesten Shots auch noch mit prophetischer Weisheit zu adeln und die Zugbegleiter vom Bahnhof müssen Dienst tun und die Signale richtig stellen.


... und von Innen.

Aber egal, die Kunst ist edel und die Szene hat ein kurzes Gedächtnis: So kann man hinter vorgehaltenen Signalkellen hören, dass F. C. F. sich selbst schon über die kurze Halbwertzeit der anfänglichen Anti-Flick-Proteste gewundert habe.
Auch egal, der Zug rollt weiter und mit der jetzigen Ausstellung wird ein Künstler Jahrgang ´39 entdeckt, der wie auch möglichst oft wiederholt wird ja schon anno dunnemals bei der Lyon-Biennale und irgendwann in Venedig aufgefallen sei. Warum er es nicht ins Langzeitgedächtnis der europäischen Kunstszene geschafft hat lässt sich bei Nicola Kuhn im Tagesspiegel vom 19.05.2006 nachlesen:

„Richard Jackson ist ein Phänomen. Seine Hirsch-Installation erinnert an Bruce Nauman, die Farbspritzerei an Paul McCarthy, die schiere Größe seiner Wandgemälde wiederum an Jackson Pollock, dessen dripping-painting er ebenfalls zitiert, die Methode des Leinwandabdrucks könnte dagegen von Yves Klein stammen, die farbigen Streifen seiner zweiten großen Installation im Hamburger Bahnhof erinnern an Daniel Buren, die klare Ordnung der gedrehten Leinwände an den Minimalisten Sol LeWitt. Jacksons Werk speist sich aus zahllosen Quellen und ist doch eine genuin eigene Position. Diese merkwürdige Zwitterstellung erklärt auch seine späte Entdeckung. Vielleicht stößt er mit seiner programmatischen Abwendung vom Gemälde die nächste Gegenbewegung zum Malereiboom an: Der späte Jackson wäre dann einer der Ersten.“

Flick behüte! Bitte keinen Anti-Malereiboom mit Farbgedöns!
Aber vielleicht ist das ja die finstere Verschwörung hinter all dem. Amerikaner zumindest mögen conspiracy theories!


Von Außen ...


... immer noch ...


... und von Innen.

Markus Wirthmann, 20.05.06 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor

 

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