Adib Fricke | Sonstiges
Biene malt Bienen
Berlin-Tokio/Tokio-Berlin. Die Kunst zweier Städte.
Neue Nationalgalerie Berlin
Potsdamer Straße 50, 10785 Berlin
7. Juni - 3. Oktober 2006

Als Biene verkleidet in den Waben der Ausstellungsarchitektur sitzend vorgedruckte Bienen ausmalen ... eine Performance für drei Tage
Spätestens seit Ende des 18. Jahrhunderts ist das Interesse Japans an Europa und andersherum das Europas an Japan groß, nachdem sich das Land mit Beginn der Meji-Zeit 1868 wieder öffnete und ein wirtschaftlicher und auch kultureller Austausch möglich wurde. Davor war Japan fast 200 Jahre lang abgeschottet, nur einmal im Jahr durfte ein holländisches Handelsschiff an einer künstlich errichteten Insel anlegen. So wundert es auch nicht, dass die Ausstellung Berlin-Tokio/Tokio-Berlin, die die Kunst der beiden Städte zeigen will, erst um 1900 beginnt.
»Als übergreifender Bildweltenvergleich konzipiert«, so der Pressetext, soll in 24 Ausstellungsabschnitten die kulturelle und kunsthistorische Verbindung zwischen Berlin und Tokio gezeigt werden. Fast 500 Ausstellungsstücke wurden zusammengestellt, einiges davon sind allerdings kleine Fotos, Zeichnungen und frühe (Künstler)Publikationen, was die groß wirkende Gesamtzahl glücklicherweise etwas relativiert. Auf jeden Fall ist die Ausstellung voll gepackt, einiges davon stammt aus öffentlichen Berliner Sammlungsbeständen.

Die Ausstellungsarchitektur im Obergeschoss der Neuen Nationalgalerie, wo die zeitgenössische Kunst hauptsächlich präsentiert wird, wurde von dem Architekten Toyo Ito entwickelt: ein hügeliges Ausstellungsgelände als Kontrast zur sonst strengen Erscheinung des Mies van der Rohe-Baus.
Die Ausstellung hat von allem etwas dabei, z.B. »1. Japonismus in Berlin und westliche Malerei in Tokyo«, »7. Berlin-Tokyo und zurück: Beziehungen im Bereich der Architektur vor 1945«, »9.
Japan und das Bauhaus«, »17. Körper im Raum: Fotografien aus Tokyo und Berlin«, »23. Zeitgenössische Videoarbeiten: Interventionen und Dokumentationen« sowie die ewige Faszination des Westens am Manga-Konsum des Ostens. Über hundert Jahre im historischen Überblick - der ist gelungen, auch wenn die chronologische Abfolge wie meistens bei solchen Ausstellungen irgendwann ein bisschen langweilig wird. Es wird vieles angerissen, über die Epochen und die Mediengattungen hinweg ein Zusammenspiel und eine Verbundenheit skizziert und ein großes Gesamtbild geschaffen. Manche Ausschnitte daraus in vertiefenderer Form zu sehen wäre interessant gewesen, was ein solches Ausstellungskonzept natürlich nicht leisten kann. Entstanden ist die Ausstellung im Rahmen der Jahresveranstaltung »Deutschlandjahr in Japan 2005-2006« und war zuvor bis Anfang Mai im Mori Art Museum in Tokio zu sehen, das an der Zusammenstellung der Ausstellung mitgewirkt hat.

Die große Luftballoninstallation mit weissen Punkten der 76jährigen Yayoi Kusama (Dots Obsession, 2004) ist die Ikone der Ausstellung und schmückte die Einladungskarte - leicht zu bewegende Objekte in einem begehbaren, farbigen Raum, der sich mit Spiegelflächen zu den Seiten und nach oben hin optisch erweitert
Der abschließende Teil widmet sich unter dem Titel Urbane Bildwelten dem Zeitgenössischen in der Kunst. Mit dabei sind Franz Ackermann, Candice Breitz, Annika Eriksson, Nina Fischer/Maroan el Sani, Katharina Grosse, Manfred Pernice, Daniel Richter, Corinne Wasmuht und Sayaka Akiyama, Atelier Bow-Wow, Leiko Ikemura, Yoshiaki Kaihatsu, Takehito Koganezawa, Naofumi Maruyama, Shintaro Miyake, Tsuyoshi Ozawa, Saki Satom, Shimabuku, Chiharu Shiota. Gabriele Knapstein schreibt als Ko-Kuratorin im Katalog: »Für das letzte Kapitel der Ausstellung, das sich den urbanen Welten und dem Leben in der Metropole heute widmet, wurden Künstler ausgewählt, die in Tokio und Berlin leben. Viele von Ihnen kennen beide Städte, haben hier und dort gearbeitet, das Pendeln zwischen den Kulturen ist für sie Normalität«.
Nachtrag (30.6.06): Eine Kritik der Ausstellung von Max Glauner bei Kunst-Blog
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Adib Fricke, 08.06.06 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor
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