Gastbeitrag | Kritik
Kunst und Gestaltung (Teil 2)
von Andreas Koch
Pash Buzari »Plan of the Planet«
COMA, Centre for Opinions in Music and Art, Berlin
17.6 - 22.7.2006

»Heute scheint Zukunft nur noch als etwas Vergangenes wahrgenommen zu werden, anstatt sie wieder zeitgenössischer zu denken...«. Dieser Satz stammt aus der Pressemitteilung zur ersten Ausstellung des COMA-Raums und zitiert den Künstler Pash Buzari selbst. Der Künstler spielt damit offensichtlich auf den Utopieverlust der letzten Jahre an, der sich mittlerweile auch in großen Feldern der bildenden Kunst fortsetzt und uns in einer ewig währenden Postmoderne dahintreiben lässt. Zwar werden jetzt in den »Nullern« ehemalige Utopisten wie Konstruktivisten, Bauhäusler oder Futuristen fleißig zitiert und wiederverwertet, doch bewegen sich die Künstler nur an deren Oberfläche. Sie gestalten schicke Bilder und Oberflächen, ohne jedoch den Antrieb, Veränderungswillen und Fortschrittsglauben der damaligen Zeit inne zu haben. Die Sprache der Utopie wird genutzt ohne Utopisches auszusagen, sie wird reines Gestaltungsmaterial (dazu mehr in »Kunst und Gestaltung (Teil 1)«).

Schaut man sich jetzt Buzaris Ausstellung an und hofft hier einen Fortschritt zu finden, wird man enttäuscht. Als Post-Post-Konzeptkünstler bewegt er sich nur noch in einer hohlen Konzeptblase. Er nimmt zum Beispiel die Geodome-Waben von Buckminster Fuller und zeigt sie fragmentarisch als Skulptur. Er ist damit die dritte oder vierte Generation von Künstlern, die sich auf den Visionär der fünfziger und sechziger Jahre stürzt. Olafur Eliasson zeigte die Konstruktion in etlichen Abwandlungen und Fortentwicklungen, so dass man auch unweigerlich an seine Arbeiten denkt. Buzari ist eben schon wieder eine Generation nach Liam Gillick, Pierre Huyge, Rirkrit Tiravanija oder Olafur Eliasson und fährt lediglich in deren Gewässern. Wobei diese Künstler, die für die neunziger Jahre stehen, origineller ihre Bezugs- und Verweissysteme installierten und zusätzlich etwas Neues einführten, wie zum Beispiel Tiravanija den sozialen Aspekt einer Küche mit situationistischen Statements der Sechziger verknüpft. Oder Eliasson mit Hilfe von Architekten- und Ingenieurbataillonen die utopischen Ideen aufgreift, aber auch weiterentwickelt und -denkt und so von der Buckminsterschen Fivefold-Geometrie ausgehend, bei Tetra-Spiralen und Doppelsphären landet. Buzari dagegen illustriert mit seiner Skulptur den möglichen Arbeitstitel »Reconstructing the future« direkt und eindimensional.

Bei Buzari ist alles Post-Neunziger und das macht seine Arbeit fast noch schaler, als die am Anfang beschriebenen »Nuller«-Künstler, deren Erfindung es wenigstens ist, ohne Hemmungen in den satten Napf der Moderne zu fassen. Auch die formale Sprache mit der Buzari arbeitet, also das Material, wirkt bereits historisch. Er kombiniert rohe Holzlatten und umreißt damit zum Beispiel eine auf Paul Thek basierende Camp-Idee. Diese trockene Displayästhetik setzt sich in seiner Kataloggestaltung fort. "Rainbows in Curved Air" heißt eine Publikation, die im Rahmen der Utopia-Station auf der 50. Venedigbiennale erschien. Konzeptionell aussehende Zeichnungen wechseln sich mit zufällig wirkendem Bildmaterial ab, die Erklärungen muss man sich zu den einzelnen Bildern schon selber denken. Da hilft auch das obligatorische Obrist-Interview nicht. Darin findet Buzari es spannend, dass die Bauhaus-Idee einer kulturellen Schönheit für jedermann, nun in Baumärkten namens »Bauhaus« eine utopische Do-it-yourself Erweiterung bekommt. Wenn »Obi« ein tibetanischer Zen-Guru gewesen wäre, würde das vielleicht zu anderen Schlüssen führen. Erklärend hierzu gibt es doch noch ein Bild im Katalog – eine Makroaufnahme eines Bauhaus-Maßbandes. Damit landet auch bei Buzari das Utopische im Keller, im Hobbykeller und er konterkariert seinen programmatischen Satz des Anfangs, den man schließlich wohl umgedreht formulieren muss: »Heute scheint nur noch das Vergangene als Zukunft möglich« – als Wandschmuck zum Selbertapezieren.


Pash Buzari »Plan of the Planet«
COMA, Cetre for Opinions in Music and Art
Leipziger Straße 36 / Ecke Charlottenstraße
10117 Berlin
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