Adib Fricke | Sonstiges
Autosalon ohne Autos
Sie galt als Party des Abends und in Zukunft soll es immer die Party des Abends am Eröffnungstag des Artforums in Berlin sein (so lange es dieses noch gibt): Ein Empfang im Showroom von BWM am Kurfürstendamm, zu dem die Freunde der Nationalgalerie eingeladen hatten, um die vier für den Preis der Nationalgalerie für Junge Kunst vorausgewählten Künstler bekannt zu geben. Neidisch würde beäugt, wer eine Karte für den Einlass bekommen hatte. Zunächst experimentierte man ein wenig mit dem spätestens seit den Berlin Biennalen bekannten Disco-Prinzip, draussen erst Mal Schlange stehen lassen, während drinnen genug Platz ist.

Vor ein paar Jahren machten die Freunde der Nationalgalerie mit einer MoMa-in-Berlin-Ausstellung einen dicken Gewinn. Ca. sechs Millionen EUR Überschuss wurden in eine Stiftung überführt. Mit den jährlich anfallenden Zinsen werden zeitgenössische Werke erworben und der Preis gestiftet. So wird seit 2001 alle zwei Jahre der Kunstpreis der Nationalgalerie vergeben, abwechselnd sollen nun zusammen mit dem Autofabrikaten entweder die für die Shortlist nominierten Künstler und Künstlerinnen unter 40 Jahren oder darauf folgend der neu gekürte Preisträger genannt werden.

Für die diesjährige Shortlist ausgewählt wurden Jeanne Faust, Ceal Floyer, Damian Ortega und Tino Sehgal. In Kurzfassuung die Begrüngung der Jury zu ihrer Wahl:
In dem Jeanne Faust in ihren Arbeiten immer wieder gewohnte Strukturen und Umgebungen verlässt relativiert sie fest gefügte Vorstellungen von Nationalitäten und Kulturen.
Minimale Eingriffe und präzise Gesten zielen bei Ceal Floyer auf ein Spiel mit der Wahrnehmung und eine Hinterfragung des Kunstkontextes.
Damian Ortega transferiert Alltagsobjekte samt ihrer sozialen und historischen Bedeutung in den Ausstellungsraum und schafft dadurch formal prägnante Skulpturen.
In einer Welt die so sehr von materiellen Werten geprägt ist, nimmt Tino Sehgal mit seinen sich jeder Objekthaftigkeit entziehenden herausfordernden Situationen eine Gegenposition ein.

Aus einer Vorschlagsliste mit 140 Künstlern wählten Ulrike Gross (Kunsthalle Düsseldorf), Yilmaz Dziewior (Kunstverein Hamburg) und Jens Hoffmann (ICA London) die vier aus. Dass man bei solchen Jury-Runden dann diejenigen auswählt, die man am besten kennt, weil man mit ihnen schon intensiv zusammengearbeitet hat, scheint sich zu bestätigen. Zumindest im Fall von Tino Sehgal ist klar, dass Jens Hoffmann mit dem Werk des Künstlers sehr vertraut zu sein scheint, schließlich macht er mit ihm von 2005 bis 2007 schon drei Einzelausstellungen hintereinander am ICA, um öffentlich die Entwicklung des Künstlers zeigen zu können (»This series of shows is designed to provide audiences with a unique opportunity to follow the development of the artist over a three-year period« - aus eFlux-Ankündigung Anfang d.J.).
Ach ja, die Grafik der Kommunikationsmittel war perfekt durchgestylt. Und neben Angel-Thunfisch (also delfinschonend gefangen) und Bulettchen wurde zu später Stunde »Curry-Wurst in moderner Variation« serviert.
Im Web nach Jeanne Faust, Ceal Floyer, Damian Ortega oder Tino Sehgal mit Google.de suchen.
Adib Fricke, 30.09.06 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor
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