Peter Lang | Kritik
Hans Haacke, der Vorgänger von Olafur Eliasson?
Akademie der Künste, Pariser Platz
18. November 2006 bis 14. Januar 2007
Kuratoren: Robert Fleck und Matthias Flügge
Überraschend wirken die ältesten abstrakten Arbeiten Hans Haackes wie aus einer Welt die uns unvermittelt nahe ist. Das sieht bei manchem Objekt so aus wie eine partielle Vorwegnahme der Arbeiten Olafur Eliassons. Absolut modern und zeitlos. Die politischen Arbeiten hingegen voll ihrer Zeit verbunden, obwohl formal immer noch besser als das meiste was heute politisch sein will. Aber damit auch alternd. Das ist Zeitgeschichte die man in Büchern gelesen hat. Vielleicht zeigt sich hier unfreiwillig die Halbwertzeit auf Politik basierender Arbeiten und deren Wirkung.

Zur Eröffnung alles in Grau, Braun, Schwarz - Altersdurchschnitt entsprechend der Bevölkerungspyramide nach unten verzogen.

Alle sind da: die Aufrechten und Treuen des künstlerisch ambitionierten Sozialstaates, die Streiter der Kunst für alle, die abgeschnittenen Bärte für die Zukunft. Herr Tierse, sähen sie doch jetzt noch wie Bakunin aus! Wir würden ihnen Drastisches im Parlament zutrauen. Jetzt beugen Sie die Nase über Kunstmodelle.

Haacke läßt jetzt unrund hängen - weil ja die Welt etwas aus der geraden Linie geraten ist, so Haake selbst zur Eröffnung. Herr Haake, die Welt setzt gerade zum Sprung in die Tiefe an!

Aber unbenommen, hier wird politische Absolution erteilt. Wenn es in einer hegemonialen kapitalistischen Welt das richtige Künstlerleben (Die Hand... die beißt man nicht.) im falschen System gibt, dann Hans Haacke. Nur hätte er den Pavillon in Venedig gleich abreißen lassen oder nicht Germania an die Wand schreiben sollen.

Ansonsten gewinnt wieder der Führer im Bild, dieser Untote der deutschen Geschichte. Wieviele Abbildungen des F. gibt es eigentlich innerhalb eines Jahres im Spiegel und was wird aus den Tantiemen?

Und nichts gegen die Nase Herrn Tierses über Modellen. Da langweit eher das gehobene Betroffenenpublikum. Haacke gemahnte am Schluss seiner Rede zum wiederholten Male der unverzichtbaren staatlichen Förderung der Kunst - die heren Ideen der französischen Revolution und eine breite Kunstvermittlung für alle.

Aber halten zu Gnaden, für alle reicht es nicht und der einzige soziale Realismus ist die sozialistische Revolution. Tschuldigung H.H. für den Rotz, aber er läuft aus einer ehemals soz. verorteten Nase.
Sehen sie sich diese Ausstellung dringend an, es ist das beste und ehrlichste, was Berlin im Moment zu bieten hat. Geschichte, Kunst, Reflexion und deren unfreiwillige Zukunft überlagern sich stringent und beispielhaft.

P.S.: An was erinnert nur die Umschlaggestaltung des lesenswerten Kataloges?
Kataloge/Bücher von Hans Haacke bei Amazon.de suchen.
Peter Lang, 18.11.06 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor
Kunst-Blog.com, Copyright 2005-08. Alle Rechte vorbehalten.
Soweit nicht anders angegeben liegen die Rechte bei den jeweiligen Autoren und Künstlern, die die Urheber der Beiträge sind, und bei Kunst-Blog.com. Für Webseiten, auf die von dieser Site aus verlinkt wird, sind ausschließlich die Betreiber der jeweiligen Angebote verantwortlich.
Kommentare
Schreiben Sie einen Kommentar zu »Hans Haacke, der Vorgänger von Olafur Eliasson?«
Danke für Ihre Anmeldung,
.
Sie können jetzt Ihren Kommentar schreiben. | Abmelden