Gastbeitrag | Kritik
Put Your Foot Down
von Tina Schmücker
William Hunt
Put Your Foot Down
IBID PROJECTS, London
17. November bis 22. Dezember 2006

Performance William Hunt, Ibid Projects Donnerstag 16.11 8pm.
Die Galerie Ibid Projekts ist im September von der Cambridge Heath Road in die Vyner Street umgezogen und die neuen Räume sind so schick und neu wie eine verkleinerte Version der Gagosian Gallery. Vyner Street fühlt sich mehr und mehr wie eine Kulisse an, von dessen Eastend Grind die weißen Galerieräume der hinter den schweren Metalltüren mit jedem Monat mehr strahlen. Fragt sich was nun realer ist, die Galerieräume oder die Strasse. You decide.
Im weißen Ausstellungsraum steht ein schwarzer BMW in einer schwarzen Plastikwanne. Das Auto ist bis zum Dach mit Wasser gefüllt, an undichten Stellen am den Türen plätschert es leise in die schwarze Wanne. das innere des Autos ist durch eine schwache Lampe erleuchtet, das Wasser schimmert grünlich. Eine Pumpe summt leise und füllt das Auto durch das offene Dach kontinuierlich wieder auf. Es sind sehr viele Leute gekommen, die Galerie ist bis in die letzte Ecke gefüllt.
Gespanntes Warten auf den Anfang der Performance. William betritt den Raum, steigt schwarz gekleidet durch das Dach ins schwarze Auto und lässt sich auf dem Fahrersitz nieder. Das Wasser schwappt über, beruhigt sich wieder, William sitzt am Steuer und nimmt tiefe Züge aus dem Sauerstoffschlauch. Nach einer Minute steigt er wieder aus und setzt sich aufs Dach da die Musik im Auto nicht zu hören ist. Ein paar bange Augenblicke später wieder zurück ins kalte Wasser, jetzt funktioniert die Technik. William sitzt unter Wasser am Steuer und sing leise zur Musik, nur unterbrochen durch das Blubbern der Sauerstoffarmatur, die er zum Luftholen zwischendurch benötigt.
Die Musik ist zu Ende, der Künstler entsteigt dem Auto durch das Dach und verschwindet tropfend in die hinteren Räume der Galerie.

Für alle anderen heißt es raus auf die Strasse, Vynerstreet ist voll mit Leuten da modern art und Ibid zur gleichen Zeit eröffnet haben. Die Mehrzahl der Leute ist sicherlich bei ibid projects zu finden um sich William unter Wasser anzusehen.
Was ist in den 7 Minuten Performance eigentlich passiert? Leider war der Sound sehr leise, so dass von Williams Gesang keine einzelnen Worte zu verstehen waren. Das ganze hatte einen sehr ruhigen, einsamen, melancholischen Klang. Das Licht im Auto sehr im Kontrast zur grellweiß erleuchteten Galerie tat ein Übriges um zum Eindruck "einsam am Steuer spät nachts" beizutragen.
Was bleibt übrig von der Performance wenn’s vorbei ist? Ein Bild im Kopf und ein Gefühl im Bauch. Das Bild ist klar, gut beeinflussbar von Photos und den gegenseitigen Beschreibungen die jetzt auf der Strasse stattfinden. Das Gefühl dazu ist weniger klar: der unmittelbare Eindruck einer Performance, die "auf der kippe steht" (kurze Aufregung das es nicht funktioniert, bitte bitte mach das es geht) verwischt sich schnell. good intentions? ja, klar. Gute Bilder sind auch.
Aber ist es gelungen, ist der Funke übergesprungen - is "something else" happening? For 10 seconds maybe. Für einen Bruchteil der Zeit hatte ich den schönen Eindruck, das Glück etwas sehen zu dürfen was ich gerne länger festhalten würde. Ich weiß nicht ob das reicht.
Alle anderen Assoziationen kommen später und sind überdeckt durch die wiederholte Beschreibung des Ereignisses, formen sich in der Erinnerung zu einer anderen Version der Performance, zur erinnerten Version, die schon allein durch die Diskussion auf dem Weg zum Pub zur Legende wird. Wann hat man entdeckt dass die menschliche Erinnerung in der Wiedererzählung nie akkurat das wirklich Geschehene wiedergeben kann? Das ist noch gar nicht so lange her.
Soweit so gut, Performance wird immer in der Erinnerung der Zuschauer leben, und ist somit abhängig davon wie sich die Bilder zusammen mit den Emotionen in den Köpfen weiterentwickeln. Schade nur, dass man davon noch keine Abzüge machen kann. Es wäre spannend zu sehen was aus dieser Performance in der erinnerten Version geworden ist.
Tina Schmücker ist Künstlerin und lebt seit einigen Jahren in London.
Gastbeitrag, 29.11.06 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor
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