Christoph Bannat | Interview
Die vielen Augen der Laura Mars
5 Jahre Galerie Laura Mars Grp., Berlin
Gruppenausstellung mit Bettina Allamoda, Marc Brandenburg, Ursula Döbereiner, Kerstin Drechsel, Sven Flechsenhar, Undine Goldberg, Thomas Hauser, Dorothy Iannone, Rainer Kamlah, Vitek Marcinkiewicz, Eva Maria Ocherbauer, Daniel Pflumm, Katharina Schmidt, Carsten Sievers, Philip Wiegard, Sabina Maria v. d. Linden
bis 17.12.06.
Ein Interview mit Dipl.-Ing. Gundula Schmitz, Laura Mars Grp.

Dipl. Ing. Gundula Schmitz. Objekt, Philip Wiegard
Christoph Bannat: Sie haben einen Dipl.-Ing. und führen diesen auch im Namen, was für ein Ing. ist das?
Gundula Schmitz: Ein Druckerei-Ingenieur. Es gibt eine Ausbildung im Fachbereich 5 an der UdK, ehemals HdK, da kann man so etwas ganz normal lernen. Ich habe aber auch eine Zeit lang Musikwissenschaften und Kunstgeschichte studiert, den Diplom-Ingenieur hab ich aber abgeschlossen.
C.B.: Beantwortet das schon meine nächste Frage, wie sie zur Kunst gekommen sind?
G.S.: Nein, das kam noch früher. Mein Vater war Sammler und hat schon Kunst gesammelt.
C.B.: Was hat er gesammelt?
G.S.: Kunst, Malerei und Grafik.
C.B.: Können Sie mir Namen nennen?
G.S.: Das waren eher unbekannte Künstler. Er hat mehr nach Gefallen gesammelt. Aber ich habe nach seinem Tod zum Beispiel auch einen Siebdruck von Dorothy Iannone gefunden.
C.B.: Was war Ihr Vater von Beruf?
G.S.: Apotheker.
C.B.: Und hat aus Liebhaberei gesammelt?
G.S.: Er hat das schon als Kapitalanlage verstanden und die Top-Ten-Kunstliste in Capital gelesen, sich nicht dran gehalten. Wahrscheinlich wäre es besser gewesen, wenn er sich dran gehalten hätte.
C.B.: Wo sind Sie aufgewachsen?
G.S.: Bad Nauheim, in Hessen.
C.B.: Ich frage dies, denn es ist ja ein Unterschied, ob man in Frankfurt/M. Kunst sammelt oder in der Provinz.
G.S.: Mein Vater ist viel gereist in Sachen Kunst, zum Beispiel auch nach München, um dort Kunst zu kaufen.

Büro, Philip Wiegard, Carsten Sievers
C.B.: Wie kamen Sie auf die Idee, eine Galerie zu gründen?
G.S.: Das war eine Idee von Oliver von Koerner-Gustorf und mir. Die Räume boten sich an, da ich hier nebenan ein Büro hatte, in dem ich Grafik und Internetseiten entworfen bzw. programmiert habe.
C.B.: Wie kam es zu dem Namen, zu Laura Mars?
G.S.: Die Augen der Laura Mars, ist ein Film mit Faye Dunaway und Tommy Lee Jones, Regie Irvin Kershner. Es geht um einen Fotografen, Foto-Shootings auf der Straße im Stil von Helmut Newton und Laura Mars sieht plötzlich alles aus der Perspektive eines Serienkillers.
C.B. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, in Kreuzberg eine Galerie zu gründen? Vor 5 Jahren war das hier ja eher Ödland?
G.S.: Das hatte ganz pragmatische Gründe, denn ich lebe hier in Kreuzberg. Es ist ja so, dass die Leute extra herkommen, um sich Kunst anzusehen. Dann gibt es hier noch die ngbk und das Bethanien, später kam der Kunstraum Loop dazu. Zwischen diesen Stationen pendelten die Besucher anfangs. Heute gibt es noch viele andere Gründe in den Wrangelkiez zu kommen.
C.B.:Wie würden Sie Ihr Galerie-Profil beschreiben?
G.S.: Multiple Choice, zeitgenössisch, viele Berliner. Und nicht festgelegt auf Malerei oder Zeichnung. Wir haben mal mit Zeichnungen angefangen, aber da die Künstler auch viele andere Sachen machten, kam es dann auch zu anderen Arbeiten.

Marc-Brandenburg
C.B.: Welches Verhältnis pflegen Sie zu den Künstlern? Wie stellen Sie eine gute Mischung zusammen?
G.S.: Es kommen immer wieder neue Künstler dazu, aber die meisten hab ich schon die letzten 5 Jahre mitgenommen. Es gibt manche, die ganz gut abgehen, und andere, bei denen es langsamer geht. Deshalb ist die Kunst ja nicht schlechter.
C.B.: Was hat sich in den letzten 5 Jahren geändert?
G.S.: Es ist langsam besser geworden. Nicht exponentiell, aber langsam steigend.
C.B.: Wie ist Ihr Verhältnis zu Messebeteiligungen?
G.S.: Ich würde gern mehr machen, aber es ist eben auch eine Kostenfrage.
C.B.: Vielleicht auch eine logistische, denn Sie sind ja oft hier?
G.S.: Ich habe hier oft Erasmus-Stipendiaten. Da können Unternehmen mit europäischen Studienabgängern arbeiten, die das vom jeweiligen Staat finanziert bekommen. Ich hatte schon Menschen aus Frankreich und Spanien in der Galerie. Es ist dann schon ganz gut, wenn ich auf Messen fahre und einer italienisch oder spanisch spricht.
C.B.: Ist die Galerie das Abbild einer bestimmten Szene?
G.S.: Szene finde ich hat immer etwas mit Abgrenzung oder einem kleinen Kreis zu tun. Bei mir gibt es je nach Künstler eine andere Gruppe. Es ist also eher ein gemischtes Publikum.

Wolfgang Schlegel
C.B.: Müssen die Künstler Voraussetzungen mitbringen, dass Sie sie zeigen?
G.S.: Ich lege wert auf die Arbeiten, die sie machen. Egal, wie viel Ausstellungen oder welche Ausbildung sie haben.
C.B.: Welche Bedeutung hat die Galerie für Sie ganz persönlich?
G.S.: Ich bin ja nicht Galeristin, die eigentlich Künstlerin werden wollte. Ich verstehe mich eher als Agentur für die Künstler.
C.B.: Arbeiten Sie noch als Webdesignerin?
G.S.: Ja, mach’ ich auch noch, wenn auch nicht mehr so viel.
C.B.: Was planen Sie in für die Zukunft?
G.S.: Ich mach ja auch noch eine Verlagsreihe zusammen mit Mario Mentrup, einem Schauspieler und Texter. Seit 2001 gestalten wir die Verlagsreihe Maas Media, ehemals Erich Maas Verlag (www.Maasmedia.net). Kleinere Auflagen, Print-on-Demand. Unser momentanes Anliegen ist es, eher in Richtung Künstlermonografien zu gehen und Medienwissenschaftliche Bücher, wie Helikopter-Historie von Heinrich Dubel, oder Bücher von Ursula Döbereiner und Marc Brandenburg zu verlegen. Was auch nahe liegt.
C.B.: Interessiert Sie dabei der Synergieeffekt von Galerie und Verlag?
G.S.: Auch. Für mich wird die Sache immer runder, das was ich vorher gemacht habe, meine abgeschlossene Ausbildung und jetzt die Galerie. Plötzlich passt es zusammen.
C.B.: Sie legen auch noch Musik auf?
G.S.: Ich leg gern mit jemanden zusammen auf. Jetzt mit Harald Fricke, oder früher mit Claudia Basrawi, eine Bekannte von Mario Mentrup.

Büro-Bank: Piotr Nathan
C.B.: Was hören sie momentan für Musik?
G.S.: Die letzte Zeit viel alte elektronische, also analog elektronische Musik von Throbbing Gristle, Ryuichi Sakamoto, Yello Magic Orchestra.
C.B.: Woher kommt das mit dem Musik auflegen?
G.S.: Wir haben früher, immer Mittwochs, zusammen den Club Friseur gemacht, oder ganz früher, Anfang der 90er, das „Dutschke“ im „90 Grad“. Da gab es ein Hinterzimmer, da haben wir schon aufgelegt. Daher kenne ich auch Daniel Pflumm. Und ich hab auch mal im Kumpelnest aufgelegt, man sollte die alten Zeit aber nicht so betonen. Dass man Leute von früher kennt und sich etwas daraus entwickelt hat, ist doch klar. Ich finde wichtig, was man jetzt macht.
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Christoph Bannat, 15.12.06 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor
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Kommentare
Schöner Beitrag. Davon wollen wir mehr haben...
Thomas Wulffen
thw
| 20.12.06
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