Martin Conrath | Kritik

Brinkmanns Zorn

Brinkmanns Zorn – ein Film von Harald Bergmann
mit Eckhard Rhode, Alexandra Finder und Martin Kurz
Kamera Elfi Mikesch, Ton Volker Zeigermann
Kinostart: 11.01.2007

Er hatte genug von der Literatur, ihrer Betriebsamkeit, ihren Eifrigkeiten und ihrem Realitätsverlust. 1969 beschloss Rolf Dieter Brinkmann, Szene-Star der deutschen Cut-Up-Literatur (=> Wikipedia.org), mit dem Schreiben aufzuhören. Er wollte Realität. Er hängte sich ein Tonbandgerät über die Schulter und begann, zuerst schimpfenderweise, dann geduldiger und vorsichtiger, seine Wahrnehmungen akustisch direkt zu protokollieren. Dokumentarische SW-Fotos, gemacht mit einer Fixfokus-Instamatikkamera, begleiteten sein Projekt bis 1975. Und: Die Ergebnisse sind auch heute noch verblüffend. Direkt, aufdringlich, peinlich, beharrlich und konsequent.

Darüber gibt es nun einen Film, Brinkmanns Zorn von Harald Bergmann. Für die SchauspielerInnen ein Stummfilm, denn der gesamte und exzellente Ton stammt von Brinkmanns Bändern, die szenisch nachgestellt und schnitttechnisch adäquat montiert wurden. Daran ist manches hilfreich, einiges illustrativ und weniges auch klischeehaft. Aber der Versuch, mit die originärsten und originellsten Sprachversuche der deutschen Moderne auch szenisch zu vermitteln, ist spannend, unterhaltsam und erhellend kritisch. Die Sprachlosigkeit von Brinkmanns behindertem Sohn Robert beispielsweise, der Wörter nur in Einzelsilben oder mit ihren Anfangsbuchstaben nachsprechen kann, scheint ein Auslöser gewesen zu sein für Brinkmanns existenzielle Sprachkritik und seinem fundamentalen Zweifel am Funktionieren von Sprache selbst. Bleibt noch das Zeigen: Da!

Der Film ist ein Muss. Und: Einige der Bänder gibt es bereits auf CD zu erwerben.

Webseite zum Film: Brinkmanns Zorn

Rolf Dieter Brinkmanns »Wörter Sex Schnitt« bei Amazon.de
5 CDs mit Booklet (verschiedene Ausgaben)

Martin Conrath, 11.01.07 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor

 

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