Christoph Bannat | Bücher
David Hockney - zur Documenta!
David Hockney
Geheimes Wissen
Broschiert, 328 Seiten
Knesebeck Verlag
ISBN: 3896604058

Dies Buch ist ein großartiger Kunstkrimi. Mit detektivischer Akribie und handwerklichem Geschick recherchiert David Hockney Verdachtsmomente für eine lang zurückliegende Wirklichkeit. Das ausgerechnet der genial duftige Maler David Hockney, den in den letzten Jahren zuviel amerikanische Sonne in die Nähe Weltentrückter Harmlosigkeit gebracht zu haben schien, so ein scharfsinniges Buch macht ist um so erstaunlicher. David Hockney zeigt sich hier als Kritiker, Aufklärer und bekennender Rechercheur und es ist eine Freude ihn so zu erleben.
Wenn Kritik heißt; sich so nicht beherrschen lassen zu wollen, so will Hockney sich nicht von dem Mythos des unerreichbaren Einzelkünstlers beherrschen lassen. In „Geheimes Wissen“ behauptet Hockney, dass bereits Anfang des 15. Jahrhunderts optische Hilfsmittel in der Malerei benutzt wurden. Er bleibt aber nicht in dieser Zeit stehen, sondern zieht eine Linie bis ins Computerzeitalter.

Und er bezieht Stellung, ohne die Könnerschaft der Heroen der Malerei klein zu reden. Hockneys Arbeit könnte als spinnerte Liebhaberei abgetan werden, doch er weiß das Bilder Macht besitzen und der Ausübung von Kontrolle dienen. So zieht er eine Linie von der Macht der Kirche, die lange Zeit die Bilderwelt kontrollierte, bis zum Anfang der Fotografie und den absolutistischen Diktatoren Hitler, Stalin und Mao. Dabei knüpft Hockney eine enge Verbindung, zwischen dem Wissen um die technische Herstellung von Bildern und deren Inhalten. Oft führt er nur einen Indizienprozess (dabei dienen ihm fehlende Vorzeichnungen, Perspektivwechsel, Licht und Schattenführung), in dem die Werke seine wichtigsten Zeugen sind. Da die Geheimnisse, und nicht nur die alchemistischen, zur Herrstellung hyperrealistischer Gemälde sondern auch die zur Hilfenahme optischer Hilfsmittel, als gutgehütetes Werksgeheimnis galten, ist der Leser oft gezwungen Hockneys Blick zu folgen - und das bereichert. Gerade diese Hyper-Bilder prägen unsere Vorstellung von Wirklichkeit, das ist ihre Macht. So beschäftigt Hockney sich auch mit den Machtverhältnissen und kratzt nicht nur am Künstlermythos. Hockney ist für dieses Buch angefeindet worden, auch weil er den europäischen, Renaissance geprägten, Künstlermythos hinterfragt hat - was bei genauerem Hinsehen den Blick auf deren Findungs - und Erfindungsgabe, sowie deren künstlerische Intelligenz nicht im geringsten schmälert. Nur lenkt dies Buch den Blick aufs grundsätzlich Menschliche, weg vom unerreichbaren Mythos als feststehend kulturellen Wert. David Hockney traut dem Menschen die Wahrheit zu. Gleichzeitig erzählt er, dass auch die Kunstgeschichte immer eine der zeitgenössischen Techniken ist. Und dann nennt er die Heute vorherrschenden Ideologien; Foto und Film, Collage und Montage, mit seinen Worten und bezieht Stellung als Künstler: „Die optische Projektion beherrscht die Welt, aber sie ist nur eine Art und Weise des Sehens - noch dazu eine, die uns von der Welt ausschließt. Vor 600 Jahren war das vielleicht kein Problem, heute ist es ein riesiges Problem“.
Daraus resultiert ein Stück weit moderne Einsamkeit. So hat David Hockney auch ein zeitgenössisches (Bilder-) Buch geschrieben und es ist eines der schönsten, aufschlussreichsten und spannendsten Kunstbücher die man besitzen kann. Nach Gerhard Richters Bilderatlas, muß Hockney mit diesem Buch auf die Documenta.

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Christoph Bannat, 06.02.07 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor
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Kommentare
Wir werden auf der Documenta mal genauer nachfragen.
www.galleryy.net
brando99
| 08.02.07
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