Martin Conrath | Kritik

Die Macht des Dinglichen – Skulptur heute?

In den Rangeleien um die ersten Plätze im Ausstellungsgeschäft kommen Plastik und Skulptur häufig nicht mehr in die Endrunden, Kontextuelles überwiegt. Wenn also der Fließbandarbeit des Prozesshaften und der darin kategorischen Prospektive des Unfertigen ein wenig Sand ins Getriebe käme, sollte das zumindest interessant sein.

Wer das dann noch am Dinglichen festmachen und damit den legendären Stolperstein Ad Reinhardts beim Bilderbetrachten zum Fokus machen könnte, der wollte damit nicht nur Sympathien wecken: Die Konkurrenz mag gar nicht überwunden werden. Schon deswegen sollte zum wenigsten die Übersicht behalten werden. Wenn die vorschnell mit egalitärer Geste und markigem Bezug zu Macht aber mehr halbseiden als linkerhand vorab einfach diktiert wird, dann ist konzeptionelle Skepsis angesagt.

24 aufstrebende KünstlerInnen waren eingeladen worden, Objekte aus ihrem Fundus ins Georg-Kolbe-Museum zu tragen, damit dort eine den gezeigten Arbeiten innewohnende gemeinsame Kraft potenziert und labortechnisch gleich auch zur Evaluierung gebracht würde. Das ist gebastelt und ist naiv. Kunsttheorie wird heute entweder herbeidiskutiert oder basisdemokratisch zerredet, ergeben tut sie sich aber keinesfalls von alleine. Und aktuelle Kunst auf ihre Dinglichkeit reduzieren zu wollen, ist vergleichbar unangemessen, wie Kaufhaus-Ware in deren Verpackungen subsummieren zu wollen, oder Musik nach CD-Covern zu sortieren. Sicher, darin ist gerne auch ein ästhetischer Faktor zu finden und der befördert auch Umsatz, Durchsatz und Halbwertszeit von allerhand, er hat mit Inhalten aber nur als Aufkleber etwas zu schaffen.

Die ausgestellten Objekte sind einzeln - ohne die ihnen aufgeschwätzte Macht von Dinglichkeit - interessant, die Ausstellung ist es nicht. Sie ist beliebig, unstrukturiert und löst ihre Ansage nicht ein. Abgestellt wird, wo und wie Platz ist. Die Objekte behindern sich gegenseitig und die Raumwirkung ist die eines trist bestückten Lagers. Das wird die Renaissance der Skulptur leider wenig befeuern. Die Konzeption der Ausstellung könnte aber dagegen doch von Interesse sein: Offensichtlichtlich verlockt hier der besitzstandskompatibele Retroschick einer plumpen Gleichsetzung von Bild, Gegenstand und Macht. Er wird hintergründig auch mehr als wohlwollend lanciert. So wird gerangelt. Die dabei in Szene gesetzten Bilder werden hingegen unverhohlen mißbraucht.

Die Macht des Dinglichen – Skulptur heute

Mit Werken von:
Axel Anklam
Angelika Arendt
Bara
Florian Baudrexel
Oliver van den Berg
Stefanie Bühler
Birgit Dieker
Berta Fischer
Harry Hauck
Thomas Helbig
Tony Matelli
Reiner Maria Matysik
Anna-Kavata Mbiti
Jonathan Meese
Anke Mila Menck
Katharina Moessinger
Joel Morrison
Nadine Rennert
Thomas Rentmeister
Anselm Reyle
Iris Schieferstein
Hans Schüle
Matthäus Thoma
Marcus Wittmers

Kurator: Marc Wellmann

11.02.-28.05.2007, Georg-Kolbe-Museum, Sensburger Allee 25, 14055 Berlin
www.skulptur-heute.de
www.die-macht-des-dinglichen.de
www.georg-kolbe-museum.de

Martin Conrath, 12.02.07 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor

 

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