Markus Wirthmann | Kritik

Digital auf Kuschelkurs ...

... mit analog

Transmediale.07 Ausstellung
Akademie der Künste, Hansaviertel, Berlin
31. Januar bis 4. Februar 2007

Christoph Korn, Antoine Schmitt, Roman Kirschner, David Rokeby, Taylor Deupree & Richard Chartier, Herwig Weiser, Kurt d’Haeseleer, Herman Asselberghs, Herwig Turk & Günter Stöger, Moon Na, Aram Bartholl


Death Before Disko, Herwig Weiser
Spacige Inszenierung einer Macho-HiFi-Anlage

Die Ausstellung der Transmediale.07 ist duster. Und zwar buchsäblich: die Beleuchtung ist auf ein Mindestmaß reduziert, damit die schönen Lichteffekte, die Projektionen, das geheimnisvolle Glimmen oder pulsierend Energetisches zur Geltung kommen. Einige wenige Exponate haben darunter zu leiden, aber die tageslichtauglichen Kunstwerke sind ja sowieso die Ausnahme. Und damit hat sich´s auch schon mit den Alleinstellungsmerkmalen der Digi-Show.


Roots, Roman Kirschner
Kunst-Elektrolyse

Jedes einzelne dieser Werke hätte man auch in eine normale Kunstausstellung einpassen können - und das macht die ganze Angelegenheit auch so arm. Keinesfalls liegt das unbedingt an den Exponaten und den Künstlern. Den Vorwurf muß man den Kuratoren der Ausstellung machen: statt mal die Muskeln der digitalen Möglichkeiten spielen zu lassen und das hochverehrte Publikum mit den, sehr wohl existierenden, Nerd-Resourcen zu konfrontieren, hat man sich für den braven Digital-Spitzweg entschieden. Obwohl, so brav und akademisch wie einige der ausgestellten Arbeiten war ja der alte Spitzweg nicht ...


Against God by Waterpistol, Moon Na
... den Beelzebub austreiben mit Wasserpistole

Gerade weil draußen, am Kunstmarkt, der überdrehte Analoghype herrscht und jedes Handgebastele potenziell den nächsten Jackpot sprengt, ist diese zu einer Demutsbezeugung geronnene Ausstellung eher peinlich. „Wir haben uns deshalb entschlossen, den Untertitel des Festivals umzubenennen: die transmediale heißt nicht mehr 'international media art festival', sondern 'festival for art and digital culture'. Diese Bezeichnung soll den Schritt heraus aus der Nische 'Medienkunst' demonstrieren, gleichzeitig aber auf das Spannungsfeld von Kultur und digitalen Technologien hinweisen, das weiterhin die Haupttriebfeder des Festivals darstellt.“ so zu lesen auf der Homepage der Transmediale.


Random Screen, Aram Bartholl
Hübsche Parodie auf Angela Bullocks Parodie aufs Fernsehn

Ist denn die sogenannte Medienkunst nicht längst in der Mitte angekommen? Wird sie nicht von unzähligen Künstlern bei noch unzähligeren Ausstellungen, Biennalen und Regionalen vorgeführt und behauptet? Von Nischenexistenz kann hier keine Rede mehr sein. Nur weil den meisten die Anerkennung der Hochprominenz ("ej, isch hab´ auf der Messe in Miami mit Miki Gurke gesoffen") vielleicht noch nicht zu Teil geworden ist, muss man an dieser Stelle nicht den Schwanz einziehen.


Still Living, Antoine Schmitt
Kunst in Powerpoint

Wenn die Ausstellung der Transmediale.08 nicht ebenso in die Gesichtslosigkeit des internationalen Ausstellungsbetriebs fallen soll wie die diesjährige, sei dringend eine Besinnung auf die schon erwähnten Nerd-Resourcen oder ein öffentliches Casting bei Elektronik-Conrad empfohlen. Mainstream will dann doch anders präsentiert sein - nicht so duster halt.


Taken, David Rockeby
... wie auf dem Flughafen: Gesichtserkennung als Kunst

Markus Wirthmann, 04.02.07 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor

 

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