Markus Wirthmann | Sonstiges

Kunsthalle bleibt!

Temporäre Kunsthalle Berlin
Pressegespräch zur Präsentation des Entwurfes von Prof. Adolf Krischanitz
1. März 2007
Konzept: White Cube Berlin GmbH, Coco Kühn, Constanze Kleiner
Ort: Architektur Galerie Berlin - Ulrich Müller

Mit: Mark Gisbourne, Dr. Volker Hassemer, Prof. Adolf Krischanitz, Prof. Dr. Peter Raue, Coco Kühn, Constanze Kleiner



01.04.2012, 14:00 (MEZ): Ausschreitungen bei Demonstration gegen den Abriss der Kunsthalle
Prophetische Montage: Kunst-Blog.com

Kunsthalle bleibt! Dieser aktionistische Schlachtruf klingt den Gegnern der temporären Kunsthalle schon grausig vorm inneren Ohr. Besonders wenn man an den, von verschiedenen Initiativen und Interessengruppen angestrebten, idealen Standplatz des Temporariums denkt: den Berliner Schlossplatz. Bald ehemaliger Standort des Palastes der Republik und zukünftiger Bauplatz des Humboldt-Forums in Stadtschlosshülle. Anderswo hätte ein Provisorium ja auch überhaupt keinen Sinn, denn überall sonst kann man ja auch richtig bauen.

Das würde natürlich erheblich mehr Zeit, Organisation und vor allem Geld benötigen und so will man auf jeden Fall erst mal einen Fuß in den Türspalt kriegen, der jetzt gerade, durch wohlwollende Äußerungen des Berliner Senats, ein klein wenig aufgesperrt wurde. Die Sache mit dem Rollrasen als Platzhalter zwischen zwei Idiotien, nämlich dem Abriss des Palasts und dem Neubau des Schlosses, ist einfach zu dämlich – und das merkt auch wirklich jeder. Deshalb nutzt man die Gunst der Stunde und quetscht und rüttelt publikumswirksam an der Tür.


Gar lieblich würde sich die Kunsthalle in das historische Ensemble am Lustgarten einfügen.
Temporäre Kunsthalle Berlin, Entwurf: Krischanitz & Frank ZT GmbH, 2007
Foto: Adolf Krischanitz

Blöd nur, dass die Kunsthallenbauer sich anscheinend nicht ganz einig sind und gleich ein paar alternative Konzepte in die Welt gesetzt haben. Leute, lasst Euch gesagt sein, das ist ganz ganz schlecht für's Karma und führt am Ende noch dazu, dass überhaupt nichts gebaut wird – jedenfalls keine Kunsthalle.
Dies wäre vielleicht ja auch nicht die schlechteste aller Möglichkeiten. Wie Marc Gisbourne, der einzige Bedenkenträger auf dem Podium, anmerkte, ist eine Kunsthalle ja eigentlich eine Institution, also was überaus Bürokratisches, per se schon langsam, unheimlich teuer und sehr unflexibel. Mithin also genau das Gegenteil dessen was da in eine temporäre Hülle, von welchen Architekten auch immer gestaltet, so hineinvisioniert wird. Das wollte natürlich bei dieser Veranstaltung jetzt niemand hören - aber zum Glück spricht Gisbourne nur Englisch und da fällt das Weghören ein bisschen leichter. Vielleicht hätte man ihn im Vorfeld mal zu seiner Kunsthallenloyalität befragen sollen anstatt ihn im Blindflug zu einer Promotion-Veranstaltung einzuladen.

Rolf Lautenschläger von der taz zeigt sich ob der unpräzisen PR auch im Vorfeld schon deutlich verwirrt und spricht im Artikel vom 23.02. davon, dass das „Kunsthallenprojekt am Schlossplatz“ Konkurrenz bekäme - wo doch die „White Cube Berlin GmbH“ zuerst dran war am Schlossplatz, und Monopol und der Regierende Bürgermeister, die sich für einen Entwurf von graftlab, den Architekten von Brad Pitts Badezimmer, stark machen, die Trittbrettfahrer sind.
„White Cube Berlin GmbH“ aka Coco Kühn und Constanze Kleiner sind immerhin Kunsthallenverfechter der ersten Stunde und waren schon in die Organisation der, mittlerweile bereits legendären (so schnell kann´s heutzutage also gehen), Ausstellung im Palast der Republik involviert.


Und so könnte es dann innen wieder aussehen.
36x27x10 Ausstellung im White Cube Berlin
Foto: Rainer Maria Rother, 2005

Aber eigentlich sind die Damen vom WCB auch schon Wiedergänger, denn von 1998 bis 2000 gab es in der Chauseestraße in einem ehemaligen HO-Geschäft die von Karola Grässlin, Christian Nagel und Alexander Schröder gegründete „INIT Kunsthalle“. Dort wurde vor allem die von Gerwald Rockenschaub gestaltete Bar zur Legende, wo sich schon damals die Helden der, noch nicht ganz so durchgedrehten, Berliner Kunstszene die Klinke in die Hand gaben.
Und noch viel früher gab´s die Staatliche Kunsthalle Berlin in der Budapester Straße - aber das ist jetzt schon richtige Vergangenheit - also vor der Wende.

Mehr zum Thema fliegende Bauten*:

White Cube Berlin GmbH: "Die Kunst sendet das Signal, nicht die Architektur."

Taz Berlin: "Vorgesehen ist für die Kunsthalle eine Fläche von rund 1.200 Quadratmetern. Der Ausstellungsraum im Innern - der so genannte White Cube - wird umrahmt von Räumen für das Café, den Museumsshop und anderen Nebenräumen. Die Außenwände hat Krischanitz aus wetterfesten Gewebemembranen entworfen. Kunst könne im Innern und an der Gewebefassade gezeigt werden. "So bietet die Kunsthalle gleichzeitig eine innere und äußere Bespielbarkeit" ... "

Neues Deutschland: "Sogar die Kostenfrage in Höhe von 950 000 Euro ist gelöst. Für die erst 2006 gegründete private Stiftung Zukunft Berlin sagte deren Vorstandsvorsitzender, Volker Hassemer: »Wir halten uns für zuständig, das Projekt zu sichern.« Es sei »fabelhaft für den Ort«. Und: »Das Geld wird organisiert.« Auch einen anderen prominenten Ort könne er sich vorstellen, sogar zwei oder drei solche Kunsthallen, denn »die Attraktivität der bildenden Kunst muss für Berlin ausgebeutet werden«."

*§ 69 Landesbauordnung: Fliegende Bauten
(1) Fliegende Bauten sind bauliche Anlagen, die geeignet und bestimmt sind, wiederholt aufgestellt und abgebaut zu werden. Baustelleneinrichtungen und Baugerüste gelten nicht als Fliegende Bauten.

Markus Wirthmann, 04.03.07 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor

 

Kunst-Blog.com, Copyright 2005-08. Alle Rechte vorbehalten.

Soweit nicht anders angegeben liegen die Rechte bei den jeweiligen Autoren und Künstlern, die die Urheber der Beiträge sind, und bei Kunst-Blog.com. Für Webseiten, auf die von dieser Site aus verlinkt wird, sind ausschließlich die Betreiber der jeweiligen Angebote verantwortlich.

 

Kommentare

Schreiben Sie einen Kommentar zu »Kunsthalle bleibt!«

Danke für Ihre Anmeldung, .
Sie können jetzt Ihren Kommentar schreiben. | Abmelden



Automatisch anmelden?