Adib Fricke | Kritik
Wenn der Zucker aus dem Einkaufswagen quillt
Thomas Rentmeister
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Haus am Waldsee
02.03.2007 - 29.04.2007
Künstlergespräch: 22.03.2007, 19.30 Uhr
Frage: Was haben eine Holzleiste und eine leere Tüte Kaffee miteinander zu tun? Antwort: Von Thomas Rentmeister über das Holz gestülpt wird es zu einer seiner Spaß-Arbeiten, die aktuell im Haus am Waldsee zu sehen sind. Café Latte heißt das Witzchen, das an die Wand gelehnt steht und sich primär über den Titel konstituiert. Es scheint als wolle Thomas Rentmeister einfallsreich und humorvoll mit seiner Kunst sein. Über das Gagige kommt er in seiner Ausstellung Mehr nicht hinaus.
Auch wenn nicht alle Arbeiten mit einem rhetorisch anspruchsvollen Titel versehen sind und dadurch für einen Mehrwert mit »Pfiff« sorgen, so geht es bei Rentmeister immerhin um einfaches Material. Deshalb reicht zumeist auch eine Materialbeschreibung, um das Pseudolustige einer Arbeit zu konstruieren. »Schmutziger Zucker« als Materialangabe ist eine solche Konstruktion: Ein in der Größe an eine Beuysche Fettecke angelehntes Häufchen Zucker liegt verschmutzt in einer Raumecke und kokettiert beinahe schon mit Paul Celans »Schwarzer Milch«. Schließlich erklärt die Besucherinformation im Haus am Waldsee, bei Rentmeister ginge »es um Leben und Tod, um Angst, Ekel, Genuss und Überfluss«. Vorherrschend bei den für die Ausstellung entstandenen Arbeiten sei »jungfräuliches Weiß«. Was den »Aspekt des Flüchtigen, fast Schwebenden« unterstreiche und »eine Melancholie der Reinheit« ausbreite, »die ganz nach innen gerichtet« sei. Puhhh. Ein schwarzes Ikea-Regal von oben bis unten angefüllt mit präzise gestapelten weißen Papiertaschentüchern lächelt dieser Interpretationsvorgabe entgegen und versucht mehr als ein formalistisches Materialspiel zu sein, was ihm und den Taschentüchern aber leider nicht gelingt. Es verharrt auf der Ebene eines Bildwitzes.
Von oben nach unten:
Café latte, 2007 Holz, Kaffeeverpackung · ohne Titel, 2007 schmutziger Zucker · ohne Titel, 2007 Paketklebeband auf Möbeldecke
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Und so geht es weiter von Raum zu Raum, egal ob ein Keramikgebilde mit Ruß und Klebeband zum Comic-Figürchen oder eine mit Paketklebeband beklebte Möbeldecke als Bild bestimmt wurde. Woher die »Ambivalenz zwischen Ekel und Genuss« kommen soll, auf welche sich die Besucherinfo – im konkreten Fall eine Bratpfanneninstallation mit darin stehenden Betonsäulen – bezieht, ist leider nicht zu verstehen. Allenfalls aha-sagend und ein »Sowas-Aber-Auch« auf den Lippen spürend schleppt man sich durch die Ausstellung.
Schon Jonathan Monks Ausstellung Yesterday today tomorrow etc. hatte teilweise etwas vom schnellen Witz. Möglicherweise durch den kunstgeschichtlichen Rückbezug seiner Arbeiten oder durch den britischen Humorlevel wirkten seine Arbeiten aber doch etwas feiner und mehrschichtiger. Fast scheint es, als wolle sich das Haus am Waldsee steigern. Rentmeister war der erste Schritt, als nächste Ausstellung folgt Full House - Designer in Berlin richten das Haus am Waldsee ein. Na, Servus.
Adib Fricke, 21.03.07 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor
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