Verena Lehmbrock | Sonstiges
"... dem gleich von einer Reichen Pfründe träumt ..."*
Der Tagesspiegel setzt auf Berliner Kunstszene

Der Stadt, der es an Industrie mangelt, mangelt es bekanntlich nicht an Kunst. Im vierten Teil seiner Serie „Chancen für Berlin“ widmet sich der Tagesspiegel nun nach Ausflügen in den Berliner Technologiepark Adlershof und in die Musikbranche der Berliner Kunstszene. Glaubt man dem Blatt, so besticht in Berlin nicht nur die Mannigfaltigkeit der Szene, sondern auch der durch den Kunstmarkt verkörperte wirtschaftliche Aspekt ...
... mit einem jährlichen Umsatz von 1,3 Milliarden Euro (nach einer großzügig angelegten Definition, die sowohl Mode als auch Design und Antiquitäten einbezieht). Während um die 50.000 Personen im Bereich Wissenschaft und Forschung angestellt sind, erfasst das statistische Landesamt ganze 92.313 selbstständig bildende Künstler und 400 Galerien in der Hauptstadt. Wie viel von der genannten Umsatzsumme als volkswirtschaftlich relevante Größe übrigbleibt, wurde - möglicherweise in weiser Absicht - verschwiegen.
Berlin mit seinen künstlerischen Akteuren, gefolgt von Sammlern und Kritikern, wird ein ähnlich kreatives Klima wie dem New York der 70er Jahre zugeschrieben. Nach wie vor ungeschlagenes Argument für Berlin sind die sensationellen Mietpreise, die selbst für diejenigen, die weder über Kapital noch Kontakte verfügen, Studios und Galerien im "Kingsize-Format" ermöglichen. Zweitens wird die Berlin-typische "Unhast" erwähnt, die darin besteht, dass man die Zeit, die anderswo zur Erwirtschaftung der Existenz draufgeht, hier zur freien, kreativen Verfügung hat, also etwa zum Schlafen oder zum Denken verwenden kann. Am Beispiel der Kunstszene wirft der Tagesspiegel einen Blick auf die utopisch anmutende Lebensform – freie Zeit und fast freier Raum –, die sich in Berlin zur Zeit der wirtschaftlichen Flaute erfolgreich realisiert. Ob die Logik der Depression sich mit einer Logik des unterschwellig erhofften Aufschwungs, spätestens bei steigenden Mietpreisen, verbinden lässt, sei dahingestellt.
Generation Goldgräber: Die Berliner Kunstszene
Die Animateure: 400 Galerien wetteifern um die Gunst der Sammler
Kurator: "Das ist wie im New York der Siebziger"
Kunstmarkt in Zahlen: Schneller als jede Statistik
* Shakespeare - Romeo und Julia
Verena Lehmbrock, 24.04.07 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor
Kunst-Blog.com, Copyright 2005-08. Alle Rechte vorbehalten.
Soweit nicht anders angegeben liegen die Rechte bei den jeweiligen Autoren und Künstlern, die die Urheber der Beiträge sind, und bei Kunst-Blog.com. Für Webseiten, auf die von dieser Site aus verlinkt wird, sind ausschließlich die Betreiber der jeweiligen Angebote verantwortlich.
Kommentare
Schreiben Sie einen Kommentar zu »"... dem gleich von einer Reichen Pfründe träumt ..."*«
Danke für Ihre Anmeldung,
.
Sie können jetzt Ihren Kommentar schreiben. | Abmelden