Adib Fricke | Sonstiges

Ein schönes Leben noch ...

Unter dem Titel Kunst ist das, was das Leben schön macht hat die Süddeutsche Zeitung eine Reihe von Interviews mit Kunstsammlerinnen und -sammlern veröffentlicht – und zitiert damit zugleich die Leiterin der Sammlung der Schweizer Bank UBS als Beispiel für die Unbeholfenheit von Unternehmen, ihre Sammeltätigkeit zu begründen (oder vielleicht auch einzuschätzen). Nicht im Feuilleton, im Wirtschaftsteil stehen die Gespräche mit den Kunstliebhabern. Die Reihe erscheint anlässlich der 2. Ausschreibung des Deutschen Kulturförderpreises, der im Herbst diesen Jahres durch den »Kulturkreis der deutschen Wirtschaft im Bundesverband der Deutschen Industrie e.V.« vergeben wird. Unternehmer dürfen über ihre Leidenschaft und ihre Liebe zur Kunst erzählen – die SZ befragt »Wirtschaftsvertreter zu ihrer privaten Sammlung und ihrem Verhältnis zur Kunst«.

Grundtenor aller Gespräche ist, dass die Sammelnden über das Geld für die Kunst nicht reden, sie haben es einfach. Während sonst die Einordnung von »Dingen« über ihren Geldwert durchaus öffentlich ist (und auch eine Art Erfolgsmaßstab definiert), scheint es in Sachen Kunst einen Freiraum zu geben. Die Leidenschaft des Sammelns geht demnach mit einer Lust an der Verschwiegenheit über die Höhe des Anschaffungspreises einher. »Über Preise und Geld rede ich grundsätzlich nicht«, sagt Sammlerin Julia Stoschek, deren Interview das in der SZ zueletzt veröffentlichte ist.

Auch scheint es, als sei manch »wahrer« Sammler schon von früher Kindheit an der Kunst interessiert gewesen, dass es ein ähnliches Genie wie bei manchem Künstler geben müsse, der oder die als Kind schon gemalt oder immer nur gezeichnet habe: »Schon seit seiner Kindheit sammelt er Bilder und führt damit die Familientradition fort ...« schreibt die SZ über den Herrenausstatter Thomas Rusche. Und über den Unternehmensberater Roland Berger ist zu lesen »Schon als Jugendlicher begann [er] sich ... für Kunst zu interessieren.« Ob er Unternehmer wurde, damit er sich eine Kunstsammlung aufbauen konnte? Immerhin kaufte er sich die ersten Arbeiten als Student, »da ich neben meinem Studium schon erfolgreich eine Wäscherei betrieben habe, hatte ich das nötige Geld dafür«.

Aber jenseits solcher Fragen ist es gut zu sehen, dass nicht alle kunstsammelnden Unternehmer der Kunst eine Funktion für das Unternehmen zuschreiben und die Kunstwerke in Analogie zu »schöpferischen Geist« und zur Mitarbeiterkreativität setzen wollen. Da wird das Sammeln spannender und auch die Hinwendung glaubwürdiger. »Sammeln ist Teil meines Lebensgefühls« um nochmals den Sammler Rusche zu zitieren.

Süddeutsche Zeitung, Kultur und Wirtschaft

Adib Fricke, 29.04.07 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor

 

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