Christoph Bannat | Interview

Michael Zink, Marcel van Eeden


Marcel van Eeden, aus "celia", Hatje Cantz Verlag.

Die Galerie Zink eröffnete vor zwei Monaten eine Zweitgalerie, nach München, in Berlin - Schlesische Strasse in Kreuzberg, und bietet sofort ein Austauschprogramm auf privater Basis mit New York-Harlem an.
Nach einer erfolgreichen und sehenswerten Ausstellung von Yoshimoto Nara & Graf, folgt jetzt mit Marcel van Eeden das nächste Highlight (Kritik am Ende des Interviews).

Marcel van Eeden
Cecilia
29.4.-16.6.2007
Schlesische Strasse 27
www.galeriezink.de


Michael Zink, Installation Yoshimoto Nara & Graf.

Christoph Bannat: Können Sie mir kurz sagen, wie sie zum Galeristen wurden?

Michael Zink: Zur Galerie bin ich wie die Jungfrau zum Kinde gekommen und das im katholischen Bayern. Ich war immer schon ein Galerie- und Museumsgänger, jedoch ohne Interesse am Sammeln. Es gab in Regensburg, also echte Provinz, einen Menschen, der mit Künstlerfreunden eine Art Selbsthilfegalerie gemacht hat. Die mit dilettantischem Charme angefangen hat. Als der Galerist aufgehört hat, habe ich die Galerie, zuerst zu dritt, weitergemacht und bin gescheitert. Im Januar 1994 hab ich mich dann entschlossen, eine Galerie alleine zu machen. Und ich hatte Glück, dass ich Künstler getroffen habe, die das Projekt unterstützt haben.

C.B.: Welche Künstler ?

M.Z.: German Stegmaier (kommende Ausstellung in der Galerie Zink- München), über den ich einen amerikanischen Bildhauer kennen gelernt habe, Charles Worthen, der wiederum hat sich das Atelier mit Yoshitomo Nara geteilt, so habe ich meine Künstler gefunden.

C.B.: Wie ist es zu der Galerie in der Schlesischen Strasse, nicht gerade ein Ort, den man mit Kunst assoziiert, gekommen?

M.Z.: Der Entschluss nach Berlin zu gehen, war ein Entschluss für meine Künstler. Natürlich ist es so, also man kann heute keinem Künstler erklären, dass er heute keine Galerie in Berlin braucht, das wäre grandios gelogen. Da hab ich mir gedacht, dass ich das lieber selber mache, ehe ich es jemand anderem überlasse. Zur Schlesischen Strasse ist es so gekommen, dass ich mich auf mein Radl gesetzt habe und eine halbe Woche durch Berlin gefahren bin und für mich festgestellt habe, dass ich dieses Kreuzberg, so krude es auch ist, sehr gerne mag. Ich fand es gegenüber den anderen Stadtteilen irgendwie angenehm, entspannt und spannend zur gleichen Zeit. Zudem kam, wenn ich mich als Bayer schon nach Berlin wage, dass ich auch ans Wasser wollte, und von der Galerie aus blicke ich direkt auf die Spree.

C.B.: Haben Sie, als Sie nach Berlin kamen auch an mögliche Sammler gedacht?

M.Z.: Berlin ist in Deutschland wahrscheinlich die einzige Stadt mit einer gewissen urbanen Struktur, die ein internationales Potential hat. Die Sammler, die ich kenne, kommen vielleicht 1 bis 2 Mal im Jahr nach Berlin, aber vielleicht nur einmal in ihrem Leben nach München. Es ist, ganz allgemein, erst einmal ein Schritt auf die Kunstinteressierten zu.
Dazu kommt, dass die Leute die hierher, in die Schlesische Strasse, kommen sehr konzentriert und ausdauernd hier sind und auch hinsehen. Hier gibt es eben kein Galerie-hopping.

C.B.: Können sie etwas zu ihrem Artist in Residence Programm sagen ?

M.Z.: Das Artist in Residence Programm, oder Projekt, habe ich mir für 1 bis 1.1/2 Jahre vorgenommen. Zuerst hatte ich ein Büro in New York, im Stadtteil Harlem, dann wurde das Apartment darunter frei und ich hatte die Möglichkeit, dies noch anzumieten. Das ist groß genug, um dort zu leben und zu arbeiten. Für New Yorker Verhältnisse mit 80 qm sogar recht günstig.

C.B.: Wie sieht die künstlerische Infrastruktur in Harlem aus?

M.Z.: Von einer künstlerischen Infrastruktur zu sprechen wäre vielleicht übertrieben, allerdings ist Harlem innerhalb der New Yorker Kunstszene kein unbeschriebenes Blatt. Es gibt auf der 125. Strasse ein hervorragendes Museum, dass sich der afroamerikanischen Kunst verschrieben, das Harlem-Studiomuseum, wo sie jedes Jahr 5 Stipendiaten ein Atelier zur Verfügung stellen, das auch in Harlem liegt. Und es gibt auf der 126 Strasse einen Off-Space. Der heißt Tripple Candy. Also Harlem entwickelt sich so ähnlich wie hier Kreuzberg, es machen immer mehr Boutiquen und Cafes auf, es wird immer internationaler und es ist noch erschwinglich.

C.B.: Wie sieht es mit der Gentrifizierung des Stadtteils aus?

M.Z.: Es gibt keine Anfeindungen. Manhattan ist ja eine Insel und die Szene verschiebt sich immer mehr nach Norden, dabei herrscht hier ein gemischtes, angenehmes Miteinander.

C.B.: Wer darf ihr Programm nutzen?

M.Z.: Wir haben hauptsächlich Künstler aus unserem Programm, Fumie Sasabuchi, Marcel von Eden, Rosilene Luduvico und der zweite Künstler ist Jan Steen, der über eine befreundete Galeristin in München, Stefanie Bender, kommt. Er kommt mit seiner ganzen Familie nach New York, das war immer sein Wunsch.

C.B.: Wie sehen die Konditionen für Künstler aus?

M.Z.: Wir übernehmen die Miete und versuchen mit Partnern zusammenzuarbeiten. So dass durch den Verkauf der Aufenthalt finanziert wird, und da ist es den Sammlern freigestellt, ob sie mehr oder weniger zahlen möchten. Aber die erste Idee ist, so etwas überhaupt möglich zu machen.

C.B: Wird es dort Ausstellungen geben?

M.Z.: Grundsätzlich ist es schon für mich die Entscheidung, ob man sich da wirklich einen Showroom macht, aber das will ich erst einmal nicht. Trotzdem lassen wir es uns nicht nehmen, dort Künstler zu präsentieren. Der Ursprung der New York-Programmgeschichte entsprang keinem geschäftlichen Interesse, oder Expansionsplänen. Es war eher der Plan, etwas länger im Ausland zu leben, und da ich nicht nichts tun kann, musste es ein Ort sein, an dem ich auch etwas für die Galerie machen konnte, und New York ist da einfach prädestiniert für. Ich habe für den Ort und die Stadt einfach eine Begeisterung und möchte diese auch teilen. Es gibt wohl keinen Ort mit so vielen Kunstinteressierten wie New York, und wir haben dort annähernd so viele Sammler wie in Europa. Doch der erste Impuls war ein persönlicher.


Marcel van Eeden, aus "Celia"

Seit 1993 fertigt der niederländische Künstler Marcel van Eeden (*1965) tagtäglich eine Zeichnung an. Dabei interpretiert er Fotografien und Texte aus der Zeit vor 1965, die ihm auf seinen Streifzügen durch Antiquariate, Archive und Bibliotheken zufällig ins Auge fallen.


Marcel van Eeden, auc "Celia"

Mit der fiktiven Biografie K. M. Wiegand wurde er auf der Berlin Biennale 2006 einem größerem Publikum vorgestellt und sofort als neue, feste Größe im Kunstbetrieb gehandelt. Seine Arbeiten faszinieren auf den ersten Blick und machen skeptisch auf den zweiten. Weder Text noch Bilder funktionieren für sich gesehen, gemeinsam jedoch steigern sie sich ins Ungefähre. Dieses Ungefähre ist jedoch sehr uneigentlich erzeugt. Unklare, old- fashioned Schwarzweiß-Bilder, deren Schatten zulaufen, evozieren das Ungefähre und leben in den Sphären des Geheimnisvollen, wie wir es von Flohmarktentdeckungen kennen. Marcel van Eeden wiederholt diese Bilder, er holt sie für uns wieder und lässt uns an seinem gekonnt retroschicken Geheimnis teilhaben, ohne dass man versteht, warum er eigentlich nur Bilder von vor 1965 nimmt. Seine Arbeiten zeigen, wie schwierig es heute ist, sich der Welt gegenüber zu stellen - als Künstler der Welt gegenüber eine Haltung einzunehmen. Der Zeichner Marc Brandenburg, bis 19.5. bei Ropac in Salzburg, und bis 30.6. in der U2-Alexanderplatz-Berlin, zeigt diesbezüglich die Möglichkeit einer Haltung und beweist dabei mehr Mut.


Marcel van Eeden, aus "Celia"

Christoph Bannat, 12.04.07 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor

 

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