Adib Fricke | Netz

documenta-Webseite gehackt

Ein Film über japanisches Bondage auf der Ausstellungswebseite

Einen kurzen Moment sah es gestern so aus, als sei die documenta-Webseite gehackt worden. Die offizielle Webseite der documenta 12 zeigte nichts weiter als einen kleinen, eher belanglosen Film über Japanese Rope Bondage (Nawa Shibari). Weitere Informationen zum Kasseler-Kunst-Großevent, das im Juni beginnt, waren verschwunden. Junge, nackte Frauen, die »gebunden« und dann von alten Herren fotografiert werden, verdrängten plötzlich die restlichen Artikel und Links zur 100-Tage-Ausstellung. Konnte einfach so ein Web-Video in das Redaktionssystem der documenta eingeschleust werden? Waren die Passwörter so schwach, dass sie zu hacken waren, oder wurde das Passwort gar verraten? Das klang nach einer heißen Story.

Doch der Clip nennt schon zu Anfang die (Dokumentar-)Filmerin Hito Steyerl als Autorin. Ihre zum Teil feministisch engagierten Arbeiten waren auch schon bei anderen großen Ausstellungen zu sehen. Über ihre documenta-Teilnahme wird spekuliert bzw. für manche gilt sie als sicher. Neben den Bondage-Szenen kommen noch ein paar Bilder von Spiderman und seinem Spinnen-Netz hinzu (als doppelte Symbolik für das »Binden« und für das Web gedacht?). Und zum Schluss dreht sich ein Schriftzug mit »coming soon – documenta 12« ins Bild.

Die Webseite wurde kurzfristig zum Mini-Web-Kino umfunktioniert, ob gewollt oder versehentlich bleibt offen. Gezeigt wurde ein »Teaser«, der für die Künstlerin und ihren Film wirbt – und für die Ausstellung, an der sie wohl teilnehmen wird, die documenta 12. Das »Geheimnisspiel« des documenta-Teams geht weiter ...

Das Video wird bei YouTube gehostet.

Adib Fricke, 09.05.07 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor

 

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Kommentare

Also das war garantiert so gewollt. Anders kann ich mir das nicht vorstellen. Bin ja schon total gespannt auf die documenta, nächste Woche fahre ich hin.
übrigens - ein richtig guter netzfund:
www.awo-documenta.de
Ist ein Videoprojekt im Rahmen der Documenta. Demenzkranke Bewohner eines Pflegeheims werden nach ihrem Leben gefragt und dabei gefilmt. Und wie ich das verstanden habe, sollen Künstler aus der ganzen Welt Videobeiträge zu diesen Filmen machen, die dann auf der Seite gezeigt werden. Nettes Projekt, mal ganz fern der ganzen Effekthascherei...
Viele Grüße
Susaaa

Susa [TypeKey Profile Page] | 20.06.07

 

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