Christoph Bannat | Kritik

Kunst ist etwas anderes


Luigi Lineri,Italien 2005.Foto: Mario Del Curto.

"Genre sind etwas für Soziologen", so Pierre Bourdieu. Regelmäßig stossen wir an unsere Grenzen wenn wir Kunst von „Verrückten“ gegenüber stehen, allenfalls retten wir uns indem wir sie zur Art Brut addieren, oder andere Bezeichnungen suchen. Und wenn ich wir sage, meine ich jene die im Kunstbetrieb involviert sind.

Stiftung Schloss Neuhardenberg, Schinkelplatz, 15320 Neuhardenberg
»Kunst ist etwas anderes« kuratiert von Werner Jeker und Mario Del Curto Di. bis So. 11 – 19 Uhr
www.schlossneuhardenberg.de


Marcello Cami, Italien 1995.Foto: Mario Del Curto.

Was also lässt uns kalt und was berührt uns ? Uns berührt die Energie, also die Lebenszeit, die in die Arbeiten fließt und aus ihnen entströmt und es lässt uns kalt da diese keine „Fragen der Zeit“ , und damit meine ich zeitgenössische Fragen stellen. Dies „verrückte System“ verschließt sich uns und berührt uns gleichzeitig grundsätzlich, menschlich. Mit der Kritik, das diese Künstler doch immer das Gleiche machen und es uns keine Entwicklung zeigt, beugen wir uns dem Diktat des Neuen und wissen doch, dass eine Werkimmanent Vielschichtigkeit nicht auch immer das Kriterium des „ewig Neuen“ erfüllen muss. Unser soziales System der Kunst versagt hier und zeitgleich lässt es uns dieses spüren. Wir nennen diese Arbeiten naive und bestätigen damit unser System als bewusst. Dabei produziert nicht das System Bewusstsein, sondern die fortwährende Kommunikation innerhalb dieses Systems. Was bleibt ist der Genuss am Fremden und der Neid auf die klösterliche Abgeschiedenheit aus der diese Produktion entsteht und dem ein Erlösungsgedanke innewohnt, erlöst von den Ansprüchen des Kunstsystems. Ein System welches das „ ewig Neue“ verlangt, wobei dies „ewig Neue“( am Zyklus der Warenproduktion wird dies deutlich) auch mit Langeweile übersetzt werden kann. Arbeiten von Henry Darger und demnächst Joe Coleman haben uns dies bereits gelehrt. Ersterer war in den Kunstwerken- Berlin zu sehen, letzterer wird ab dem 26.5. dort zu sehen sein, wobei Colmans Weltabgewandtheit, im Gegensatz zu der von Darger, rein formaler Art ist, sind seine Bildgegenstände doch ganz in der Jetztzeit verankert. www.kw-berlin.de
Im Schloss Hardenberg werden Fotos von Mario des Curto von Acht Outsider- Künstlern, aus verschiedenen Ländern, gezeigt. Seine Fotos wahren auf angenehme Weise Distanz, ohne die Nähe zu den Künstlern zu leugnen. Sie sind dokumentarisch, lassen dem Betrachten Raum für Entdeckungen und doch zeigt er Nähe und Faszination für Kunstwerke und Porträtierten. Einzig wenn die Objekte ihre Umgebung verlassen, , hier die des Finnen Alpo Koivumäki, um im Schlosspark der Stiftung Schloss Hardenberg ausgestellt zu werden entsteht wieder jene unangenehme Fremdheit, die auf unser soziales System Kunst verweist.

Alpo Koivumäki,Finland. Foto: Schlosspark Hardenberg.

Christoph Bannat, 21.05.07 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor

 

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