Esther Ernst | wo ich war

MUSTAFA WOYZECK - SCHMERZ - SCHNYDER JEAN-FRÉDÉRIC - KUHN HANS PETER - KNÖFEL JÖRG

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MUSTAFA WOYZECK
Interkültürelles Musiktheaterpröjekt
Theaterdiscounter, Berlin
+ Leider hatte dieser Theaterabend das Niveau einer mittelmässigen Schüleraufführung und war desshalb einigermassen enttäuschend bis peinlich. Weder Tim Staffels Texteinsprengsel zu Georg Büchners Woyzeck, in denen Woyzeck Mustafa heisst und im Jahre 2099 lebt (und auch diese Zukunftsdarstellung bleibt eher armselig), noch die grob geschnitzten Regieeinfälle von Alexandra Holtsch, bei denen die Zuschauer zum Beispiel miteinbezogen werden und per Abstimmung über den weiteren Verlauf des Stücks bestimmen (siehe "She She Pop" und zwar um einiges besser), haben mich überzeugt.
Nur die Musikstücke dazwischen liessen mich angenehm in Ruhe, auch wenn die Boxen grundlos brummten wie die Hölle.

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SCHMERZ
Hamburger Bahnhof, Berlin
Berliner Medizinhistorisches Museum der Charité
+ Dass sie dann so belanglos wird, die gross angekündigte Schmerz-Ausstellung, hat mich schon ein wenig erstaunt. Und ärgerlich finde ich es, wenn man einfach mal ganz locker diverse komplexe Themen unter dem sehr grossen Begriff Schmerz unsorgfältig und grob zusammenfügt. Ein bisschen Jesus, viele Präparate, Ausschnitte aus Bachs Mathäus-Passion als Hörbeispiele, dann natürlich Kunst (ganz plakativ), vereinfachte medizinische Aufzeichnungen... Viele Exponate erscheinen ziemlich kontextlos und kommen übers Aufzählen nicht hinaus.
Und dann diese unangenehm pädagogische ich-nehm-dich-an-die-Hand-Ausstellungsarchitektur und Gestaltung, die so verständlich und entgegenkommend sein will, dass sie einem gleich jede Lust am Betrachten irgendwelcher schlecht ausgeleuchteter Vitrinen oder Objekte nimmt.

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SCHNYDER JEAN-FRÉDÉRIC
Museum für Gegenwartskunst, Basel
+ In dem L-förmigen Obergeschoss des Gegenwartsmuseum steht man plötzlich mitten im Wahnsinn. Schnyder hat beinahe jeden Quadratmeter Wand und Boden mit seinen Arbeiten belegt. Die wunderbaren kleinformatigen Ölbilder-Serien (Sonnenuntergang am Zuger See, Schweizer Bahnhöfe, kleine Hündchen, Bauernhäuser und Landschaften, Autobahnabschnitte...) werden im Raum durch übergrosse Wandbehänge, Objekte, Vitrinen und Modelle geschnitten. Hier arbeitet jemand an der Schmergrenze, knapp am Kitsch vorbei aber ganz ohne Trash. Und gerade diese Ernsthaftigkeit, abgesehen von der Ausdauer, mit der Schnyder seine Interessen verfolgt, bringt einen um den Verstand und das ist natürlich supertoll. Angewidert, erstaunt und erfreut dachte ich: ja, so kann mann die gestörte Welt in der Kunst verwurschteln, ohne dass es polemisch, altklug, naiv oder sonst irgend nervig ist.

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KUHN HANS PETER
Landschaft (in Arbeit)
Tesla, Berlin
+ 45 Lautsprecher (ohne Resonanzboxen) hängen in regelmässigen Abständen bis auf 3 Meter über dem Boden im Raum verteilt. Und finzelig klirrende Sounds, die nicht besonders laut, dafür aber sehr präzis kommen, füllen den Kubus im Tesla mit erstaunlichem Volumen. Die verschiedenen Klänge sind toll aufeinander abgestimmt, vor allem die sehr kurzen Einführungszeiten eines neuen Klangs fand ich überzeugend und die einzelnen Parts waren aufgrund ihrer feinen Dynamik auch sehr stimmig.
Nur dass man irgendwann dann doch die basslastigen Klänge vermisst, die man natürlich nicht durch die vorhandenen Lautsprecher jagen kann, die aber für mehr Abwechslung respektive für einen komplexeren Raumklang gesorgt hätten.

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KNÖFEL JÖRG, YORK DER KNOEFEL
WYSIWYG 2007
Galerie Kuttner Siebert
+da war ich einigermassen erstaunt, dass in dem Galerieraum gar keine Video- oder Fotoarbeit sondern Malerei zu sehen war. Ist ja nicht so gewöhnlich, dass man eben mal das Medium wechselt und anfängt, grossformatige Bilder zu malen. Alleine schon über diese Geste musste ich schmunzeln, obwohl dann im Katalog (und auch darüber war ich erstaunt) sein langjähriges zeichnerisches Schaffen reproduziert wurde.
Man könnte meinen, es lagern verschieden grosse Farbschichten übereinander in Knoefels Bildern. Um eine grössere, an den Rändern ausgerissene farbige Fläche ordnen sich mehrere schmale, andersfarbige Streifen. Bei näherer Betrachtung sieht man jedoch, dass die Farben nicht übereinander geschichtet sondern nebeneinander gemalt sind. Eine schöne Irritation, die auch die Bilder sehr leicht erscheinen lassen und angenehmerweise nichts anderes als Farbe auf Leinwand sein wollen.

Esther Ernst, 03.06.07 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor

 

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Kommentare

Richtigstellung zu Mustafa Woyzeck!
Die Produktion ist in der Reihe Rohstoffe erschienen. Was ist ein Rohstoff? Im Falle einer Theaterproduktion sicherlich ein gewisser Probenstand, eine öffentliche Probe etwa, um unausgegorene Vorgänge zu überprüfen. Ich glaube nicht, dass man Mustafa Woyzeck mit einer Produktion von She She Pop vergleichen kann. Liebe Esther, schlecht aufgepasst oder recherchiert.
Es.

ES [TypeKey Profile Page] | 25.06.07

 

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