Markus Wirthmann | Kritik

Links, rechtsgestrickt

Josephine Meckseper
Kunstmuseum Stuttgart
14. Juli – 28. Oktober 2007

„Ich bin eher links“, so lautet das politische Selbstbekenntnis der Josephine Meckseper, das man sich im Originalton als Teil einer museumspädagogischen Hörspiel-Inszenierung per Audio-Guide reinziehen kann. Das Audio-Doku-Drama ist produziert von „Crumpled Paper“, dem “Klub für Jugendliche und junge Erwachsene, die sich intensiv mit Kunst, Architektur und Design beschäftigen wollen“. Im Kunstunterricht der Mittelstufe ist diese didaktische Handreichung bestimmt von großem Nutzen, der gemeine Ausstellungsbesucher sollte sich allerdings vor dieser Indoktrination hüten denn sie lässt keine Fragen offen und erklärt die Ausstellung, deren Interpretationsspielraum ohnehin schon sehr eng ist, ohne wenn und aber zu Ende.

Von gleicher Qualität ist übrigens der Kurzführer zu Ausstellung.

Andererseits blieben ohne die Museumspädagogik einige wenige von Mecksepers verschlungenen Metaphernpfaden im Dunkeln. Andere, wie die reichlich eingesetzten zerschlagenen Spiegel, sind von verblüffender Banalität. Eine gewisse Affinität zu Hans Haakes Fingerzeig-Arbeiten ist nicht von der Hand zu weisen - wie er lebt und arbeitet Meckseper seit Jahren in New York.

Im weiteren heisst „Eher links“ dann anscheinend, die Ikonographie der Macht in Form von Angela-Merkel-Wahlplakaten mit verhalten provokanten Zutaten zu kombinieren oder achtziger Jahre Softporno-Models mit CDU/CSU-Halskettchen vor kitschig mondäner Kulisse abzulichten und aus der Standbein/Spielbein-Anordnung politische Konstellationen abzuleiten.
Wer sich von den Halskettchen „irritieren“ lässt, wie im Kurzführer gefordert, der lässt sich dann auch vom „Dienstmädchen in Highheels und provozierend nackter Schulter“ ins Bockshorn jagen. Ein Palästinensertuch als Perserteppich - von links oder von rechts zu begehen - huch! Manchmal ist es mir wirklich ein Rätsel mit welcher Art von Besuchernaivität Künstler und Inhaber der Musentempel zeitgenössischer Kunst allen ernstes rechnen.

Aber allem Anschein nach tappt das Publikum lustig und mental gedimmt in dem spiegelnden Shopping-Ambiente aus Revoluzzer-Kitsch und mittlerweile altbackener Tagespolitik mit seinen großen Kinderaugen herum und spielt Erstaunen. Allerdings nicht über die Anhäufung einer derartigen Anzahl von Plattheiten: „Als »Zeitgeist-Rebellin« tituliert der ›Spiegel‹ die Konzeptkünstlerin Josephine Meckseper, als anspielungsreiche Anhängerin Jean Baudrillards charakterisiert sie ›Die Zeit‹. ...


Markus Wirthmann, 27.08.07 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor

 

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Kommentare

Schöne Kritik. So kommt die politische Kunst auf den Hund, wenn die Ökonomie die Oberhand behält.

thw [TypeKey Profile Page] | 29.08.07

 

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