Martin Conrath | Kritik

Der Glaube an die Kunst

"Vergessen wir nicht, dass es einen unaufgebbaren Zusammenhang zwischen Kultur und Kult gibt. Dort, wo die Kultur vom Kultus, von der Gottesverehrung abgekoppelt wird, erstarrt der Kult im Ritualismus und die Kultur entartet. Sie verliert ihre Mitte." Joachim Kardinal Meisner, 14.09.2007

Dass er von zeitgenössischer Kunst nichts versteht, hat Herr Meisner – von Beruf Gläubiger – schon häufig kund getan.

Dass, als seinesgleichen die Erde noch als Scheibe im Mittelpunkt des Universums mit Folter, Mord und Intrigen normativ wie repressiv in Szene setzten, Unwissen – schön bunt angemalt – deswegen hoch im Kurs gehalten wurde, hat er nun erneut bekräftigt. Dass eine nicht Gott-gerichtete Kunst alleine deswegen auch gleich "entartet" ist, ist dem Strippenzieher also nicht einfach nur so rausgerutscht: Er weiß es nicht besser, also muss er halt daran glauben.
Politiker müssten nach einer solchen Äußerung zurück treten, Herr Meisner verreist nach der Exegese seiner Zumutung: "Ich wollte nur ganz schlicht damit sagen, wenn man Kunst und Kultur auseinanderbringt, dann leidet beides Schaden. Das war die schlichte Aussage dieser Passage." Schlicht ist diese Aussage durchaus, die Vokabel "entartet" entschärft sie aber nicht im Geringsten.
taz
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Meisner bedauert Mißverständnis

Martin Conrath, 15.09.07 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor

 

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Kommentare

So unrecht hat er aber nicht:

Wenn nämlich die Kunst alles jenseits intelektueller und kultureller Konstruktion ist, dann ist es auch nicht verkehrt,
sie göttlich zu nennen.

Womit aber klar wird, das der gute Meisner von anfang an
vom GLAUBEN nichts versteht, auch wenn er den ganzen
langen Tag sein Mundwerk zu diesem Thema rauf und
runter bewegt.

F.

ongpasswo [TypeKey Profile Page] | 17.09.07

 

Glaube an die Kunst
Als Glaube bezeichnet man eine Grundhaltung des Vertrauens und der vorbehaltlosen Bejahung gegenüber Wesen, Werten und/oder Zielen. Dies schließt normalerweise die Bejahung bestimmter religiöser oder auch ideologischer Aussagen ein. Gruppe Edvard Kunzt
sichert der Kunst freies Geleit. Wir halten ihr den Weg frei. Selbst in Sackgassen. Nötigenfalls durch Freisprengungen.

edvard kunzt [TypeKey Profile Page] | 10.10.07

 

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