Gastbeitrag | Sonstiges

TESLA in Not

Für alle, die Tesla noch nicht richtig kennen: »tesla ist berlins labor für mediale künste, für die erkundung der beziehung zwischen kunst und wissenschaft, alten und neuen, analogen und digitalen medien, für offene und prozess-orientierte künstlerische und technologische forschung, für den dialog mit aktuellen formen künstlerischer praxis, für die entwicklung von kooperationen und netzwerken«

Weil die Kulturprojekte Berlin GmbH den Vertrag mit dem medien > kunst < labor tesla nicht verlängert, verliert TESLA zum Ende 2007 seine jetzigen Räumlichkeiten und die regelmäßigen Fördermittel. Tesla Berlin ruft dazu auf, der drohenden Schließung zu widersprechen. Kunst-Blog dokumentiert den Aufruf, dem sich hiermit gerne jede/jeder persönlich anschließen kann, und die vorangegangenen Pressemitteilungen des Landes Berlin und des »Rat für die Künste Berlin«.

aufruf

vor dem hintergrund der drohenden schließung des t e s l a rufen wir künstler, publikum und kollegen dazu auf, dem land berlin zu übermitteln, was die stadt mit dieser entscheidung riskiert und verliert. informieren sie sich auf http://www.tesla-berlin.de über die aktuelle situation. schreiben sie einen brief oder eine email an herrn andre schmitz, den staatssekretär für kulturelle angelegenheiten und vergessen sie bitte nicht, für unsere dokumentation auch eine kopie an t e s l a zu schicken. die entsprechenden adressen finden sie am ende dieser mail.

uns liegt ausdrücklich daran, dass es sich dabei nicht um schematische protestschreiben handeln sollte, sondern um qualifizierte aussagen zur bedeutung der medialen künste, zur notwendigkeit von orten der künstlerischen produktion, präsentation und reflektion, zur förderung der medienkunst in berlin, und zur rolle vont e s l aim lokalen und im internationalen kontext. wir werden uns in den kommenden monaten verstärkt um die unterstützung des landes berlin für diesen bereich künstlerischer praxis bemühen und hoffen, dass wir durch diese aktion deutlich machen können, dass hierfür ein echter bedarf und breites interesse existieren.

wir danken für ihre unterstützung und hoffen, mit dieser aktion den kulturpolitisch verantwortlichen deutlich machen zu können, dass berlin dringend ein kompetenzzentrum für kunst und medien braucht.

für rückfragen steht ihnen moritz von rappard (pr und presse) gern unter 030. 247 49 788 oder public [at] tesla-berlin [dot] de zur verfügung.

andreas broeckmann, detlev schneider, carsten seiffarth

Adresse für Ihr Schreiben
Herrn Staatssekretär André Schmitz
beim Regierenden Bürgermeister von Berlin
Senatskanzlei - Kulturelle Angelegenheiten
Brunnenstraße 188 - 190
10119 Berlin
andre.schmitz [at] senwfk.verwalt-berlin [dot] de

Adresse für eine Kopie
t e s l a
media > art < laboratory
podewils’sches palais
klosterstraße 68
10179 berlin
public [at] tesla-berlin [dot] de


Pressemitteilung des Landes Berlin
Neuausrichtung und künstlerischer Wechsel im Podewil

Der Aufsichtrat der Kulturprojekte Berlin GmbH (früher BKV) hat auf seiner gestrigen Sitzung beschlossen, den bis zum 31. 12. 2007 befristeten Vertrag mit TESLA e.V. zur künstlerischen Bespielung des Podewils nicht zu verlängern.

Vielmehr wird sich die landeseigene Kulturprojekte Berlin GmbH zukünftig verstärkt dem von der Regierungskoalition als Schwerpunkt definierten Themenfeld „Kulturelle Bildung“ widmen. Geplant ist demnach ab 2008 auch eine verstärkte Nutzung und Bespielung des Podewils als ein Haus der Kulturellen Bildung in Berlin. Zu diesem Zweck werden die bisher für TESLA veranschlagten Mittel im Etat der Kulturprojekte GmbH verbleiben. In diesem Zusammenhang wird auch geprüft, ob das von der Kulturprojekte Berlin GmbH administrativ betreute Puppen- und Figurentheater SCHAUBUDE ab der Saison 2008/09 seine feste Spielstätte im Podewil finden kann.

Das Medien-Kunst-Labor TESLA hat im April 2005 im Podewil den Betrieb eines Genre-Grenzen überschreitendes Medienkunstzentrums aufgenommen und ein weit gefächertes Programm präsentiert. Die Schwerpunkte liegen auf der Produktion (vor allem im Rahmen von Projektresidenzen für Künstler), der Reflexion (im Rahmen von regelmäßigen Salonveranstaltungen) und der Präsentation herausragender künstlerischer Werke (vor allem performances, Konzerte und Installationen).

Bereits im Rahmen der Fusion des Museumspädagogischen Dienstes (MD Berlin) und der Berliner Kulturveranstaltungs-GmbH (BKV), aus der die Kulturprojekte Berlin GmbH Mitte des Jahres 2006 hervorgegangen war, wurde Kulturelle Bildung als eines der wesentlichen Geschäftsfelder der GmbH benannt.

Mitteilung vom: 25.07.2007, für Rückfragen: Dr. Torsten Wöhlert, Pressemeldung des Landes Berlin


Rat für die Künste Berlin
Pressemitteilung zur Kündigung des Medienkunst-Labors TESLA

Der Rat für die Künste kritisiert die Nichtverlängerung des Vertrags mit dem Medienkunst- Labors TESLA und fordert den Kultursenator auf, in Gesprächen mit TESLA und anderen Beteiligten eine Zukunftsperspektive für ein Kompetenzzentrum für Medienkunst in Berlin zu entwickeln.

Die Medienkunst spielt in Berlin seit langem eine wichtige Rolle, sie wird jedoch vom Senat in unzureichender Weise unterstützt. Seit die 'transmediale' in die Obhut der Kulturstiftung des Bundes übergeben wurde, ist das Medienkunst-Labor TESLA das einzige größere, öffentlich geförderte Projekt in diesem Bereich gewesen. TESLA erfüllt eine für Berlin einmalige Aufgabe, indem es sich in seinem Programm konzentriert um die Produktion, Präsentation und Reflexion von Kunst mit neuen Technologien und Medien kümmert. Zahlreiche Künstler haben im Rahmen des Residenzprogramms neue interaktive und multi-mediale Arbeiten entwickeln können. TESLA spielt schon nach zwei Jahren eine wichtige Rolle im Berliner Kulturleben und hat internationales Ansehen erlangt. Diese wichtige Position muss auch weiterhin durch eine angemessen ausgestattete Institution besetzt werden, die als Kompetenzzentrum in die Stadt und über sie hinaus wirken kann.

Die vom Senat genannten Begründungen für die Schließung von TESLA sind problematisch. Eine kulturelle Einrichtung mit deutlichem Alleinstellungsmerkmal und innovativem Auftrag sollte nicht vorrangig aufgrund von Auslastungszahlen beurteilt werden. Wenn finanzielle Mittel, die bislang der Unterstützung von künstlerischer Produktion dienen, in den Bereich der kulturellen Vermittlung verschoben werden, wird Berlin als Ort der innovativen zeitgenössischen Kunst in empfindlichem Maße geschwächt. Wir warnen in dieser Hinsicht dringend vor dem Schaffen von Präzedenzfällen. Der Rat für die Künste begrüßt gleichwohl das Bemühen des Kultursenators, die vom Rat initiierte 'Initiative Kulturelle Bildung' bei der Kulturprojekte Berlin GmbH anzusiedeln und mit einem eigenen Budget für die Förderung von Projekten der Kulturellen Bildung in Berlin auszustatten.

Berlin, den 28.08.2007 Sprecher: Matthias Lilienthal, Cathy Milliken, Kontakt: Katharina Gelhaar, Gelhaar [at] hkw [dot] de, Rat für die Künste Berlin

Gastbeitrag, 18.09.07 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor

 

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