Michael Reuter | Region Stuttgart
Jüngstes Gericht
Hörzeichnungen von Dorothea Schulz

»Das Große Band II«, 2006, Aquarell auf Bütten, 1000 x 150 cm (Ausschnitt)
Telefonzeichnungen entstehen, wenn nervöse Hände mit einem Bleistift Eckiges, Schraffiertes oder Figuratives auf einem Blatt Papier entstehen lassen. Die »Hörzeichnungen« der 1962 geborenen Dorothea Schulz gehen da ein deutliches Stück weiter. Die Künstlerin fertigt ihre Zeichnungen parallel zu aufgeschnappten Gesprächen aus den Medien oder aus eigenen Unterhaltungen an und immer entstehen dabei wild verschlungene Suchbilder voller Wortfetzen, Kommunikationshäppchen und cartoonhafter Gesichter, die zwar alle die gleiche Sprache benutzen aber trotzdem in babylonischer Verwirrung selten miteinander, aber häufig gegeneinander und aneinander vorbei disputieren. In Zeiten der fortschreitenden »Ill Communication« könnten die Bilder als kritischer Kommentar zu den schwindenden rhetorischen und zwischenmenschlichen Fähigkeiten einer »It´s all 4 U-Generation« gesehen werden.

»Das Große Band II«, 2006, Aquarell auf Bütten, 1000 x 150 cm, präsentiert von Galerist Michael Sturm
Doch gar so ernst kommen die humorigen Werke nicht daher. Sie changieren zwischen sanftem Spott und belustigter Distanz mit einem Schuss dadaistischer Absurdität. Von den kleineren Arbeiten, die sich einzelnen Worthülsen widmen, steigert sich Dorothea Schulz über die komplexen Wimmelbilder »Funnel of Hell«, die an das Bild »Das Gerücht« von A. Paul Weber denken lassen, bis zu dem größten Werk der Ausstellung, der zehn Meter langen Thora »Das Große Band II«.

»Das Große Band II«, 2006, Aquarell auf Bütten, 1000 x 150 cm
Und ist man sich des eigenen Wortschrottes bewusst geworden und möchte nur Abbitte leisten für verschwendete, weil mit Leerkommunikation angefüllter Lebensjahre, so besteht die Möglichkeit des Erwerbs von kleinen Ablassbriefchen. Für 6 €, zahlbar nur in Münzen, erhält man neben der Absolution eine kleine Originalzeichnung nebst Umschlag und wird zeitgleich Teil der Installation »Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt«.

»Funnel of Hell«, 2007. Tusche auf Papier (Ausschnitt)
Ich habe jetzt drei Stück und brauche sicherlich bald Nachschub.

»Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt«, 2007, Objektinstallation bestehend aus: Tisch, Filzüberzug, Geldkasten (Stahl), Geldmünzen und 200 nummerierten Handzeichnungen (Tusche auf Bibeldruckpapier), 95 x 75 x 50 cm
Galerie Michael Sturm, Stuttgart
Noch bis zum 10. November 2007
Michael Reuter, 25.10.07 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor
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