Esther Ernst | wo ich war

KEISER DANIELA - ILLUSTRATIVE 07 - WASHBURN PHOEBE - FELDMAN MORTON

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KEISER DANIELA
Land Logo Löwe
Kunstmuseum Solothurn
+Was mich in dieser grossen Übersichtsausstellung von Daniela Keiser am meisten beschäftigte, war die Qualität ihrer Fotografien. Die sind nämlich gar nicht besonders toll, eigentlich recht unprätentiös, alltäglich und technisch oftmals ein bisschen lausig gemacht. Darum scheint es in Keisers Werk offensichtlich nicht zu gehen. Viel eher gelingt es ihr mit der Kamera eine Art Skizzenbuch zu führen. Orte und Szenerien werden gesammelt, abgeglichen, geordnet und in eine (meist ganz einfache) Form gebracht. In Serien aufbereitet hängen dort farblich abgestimmte Landschaften, teils abfotografierte Geohefte (?), durchsetzt mit eigenen Landschaftsbildern unter Glas. Eine weitere Sammlung zeigt Aufnahmen aus Kulissenstädten von Filmindustrien. Die Serien ermöglichen Einblick in Keisers Sichtweise und Denkvorgänge, es scheint einem so klar, mit was sie sich beschäftigt. Hm.

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ILLUSTRATIVE 07
Villa Elisabeth, Berlin
+Ein bisschen fühlt sich das Unterfangen "Illustrative 07" nach einem Schrei nach Aufmerksamkeit und Eigenständigkeit des Bereichs Illustration an. Kleinteilige Serien von 6 – 10 Bildern (freie Arbeiten) von Illustratoren und Grafikern werden in der Villa Elisabeth in unerträglichen Kojen gezeigt (und ich frage mich einmal mehr, wieso beauftragt man nicht lieber eine Architekturklasse mit einem Raum-Ausstellungskonzept, anstatt diese schlimmen Arzt-Praxen-Stellwändchen zu benutzen?).
In jeder Koje wird ein Künstler präsentiert, so einfach ist das. Und dauernd hab ich das Gefühl, dass die gezeigten Exponate eben nicht auf eigenen Beinen stehen. Zwar weisen die Arbeiten Nähen zur Malerei, Zeichnung und Fotografie auf, können aber kaum deutlich machen, mit was sich die Künstler ernsthaft und grundsätzlich auseinandersetzten. Ein bisschen zu viel "Bildchen" und zu wenig Substanz. Und das ganz pauschal.

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WASHBURN PHOEBE
Regulated Fool’s Milk Meadow
Deutsche Guggenheim
+Phoebe Washburn hat eine kleine Fabrik in die Guggenheim gebaut. Produziert wird Gras am Fliesband, gesät und betreut von ein paar Gärtnern, die drei Vormittage wöchentlich vor Ort arbeiten. Als ich kam, waren keine Gärtner da. Dafür eine Kunsthistorikerin, die mich ganz exklusiv durch den "Betrieb" führte.
In einem kleinen Treibhaus-Hüttchen werden Holzkisten mit Samen bestückt, etikettiert, beschriftet, gehegt und gepflegt. Später gelangen die Kisten auf das Förderband in der aus Fundholz (altes Ausstellungsmaterial der Guggenheim) gezimmerten Fabrik, wo sie bewässert und beleuchtet werden. Hat das Gras die richtige Länge und Dichte, werden die Matten auf dem Dach der Fabrik ausgelegt, und dort verdorrt es dann. Die Aktion, die mit soviel Liebe zum Detail durchgeführt wird, will dann leider, wenn auch sehr zurückgenommen, doch auch eine kleine Konsumkritik loswerden.
An Christine Hill habe ich gedacht.

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FELDMAN MORTON
String Quartet (II), gespielt vom Pellegrini-Quartett
Radialsystem V, Berlin
+"it’s too fuckin’ loud, and it’s too fuckin’ fast" brüllte einmal Morton Feldman und erarbeitete eine Komposition für Streichquartett mit einer Dauer von fünfeinhalb Stunden, die stellenweise so leise ist, dass sie unter divers schlurfenden Publikumsschuhen begraben wurde.
Erstaunlich schnell verliere ich jegliches Zeitgefühl, weil’s dauernd so unspektakulär weiterläuft. Wiederholung um Wiederholung und dann wieder eine winzige Verschiebung. Der kleine Tonumfang der vier Streicher lässt sie mich oftmals kaum voneinander unterscheiden. Und die viele Luft und die minimalen Tonabweichungen in den leisen und extrem langsam gestrichenen Tönen erzeugen diesen fantastisch verstimmten Akkordeon-Klang. Irgendwann lässt dann die Konzentration nach und ich denke an die Milben in der alten Matratze und dass mich der Verkäufer bei Ikea gar nicht geduzt hat, obwohl...
Dann bin ich wieder mitten in der Musik. Toll.

Esther Ernst, 11.10.07 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor

 

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edvard kunzt [TypeKey Profile Page] | 15.10.07

 

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