Gastbeitrag | Kritik
Der Celeste-Kunstpreis ...
von Bence Fritzsche
... hat in England und Italien bislang überdauert, wohl wahr. Jedoch ist er auch in diesen Ländern völlig bedeutungslos. Das wird er in Deutschland erst recht, falls sich überhaupt 300 - 400 Künstlerinnen und Künstler freiwillig dazu bereit erklären, einen satten Betrag von 60 Euro (!) dafür zu blechen, an einem höchst dubiosen Kunstpreis dieser Sorte teilzunehmen, für den sie selbst das Preisgeld aufbringen. Man darf gespannt sein, was passiert, wenn sich nur etwa 100 Künstler finden sollten. Zahlt Mr. Music dann die fehlenden 14.000 Euro aus eigener Tasche ???
Bei "Celeste" und Mr. Music geht weiter alles drunter und drüber. Erst ne Jury von 2 Mann (!), dann flüchten die Beiden, nachdem sie erkannt haben, auf was für ein merkwürdiges Spiel mit den Nöten der Künstler sie sich eingelassen haben.
Dann ganz schnell ne neue Jury: auch da geht gleich bei Bekanntgabe eine Jurorin raus, offenbar die vernünftigste. Drei bleiben übrig: Stange, Schlaegel, Wulffen. Die drei sind dabei, ihren bislang guten Ruf in der Kunstszene aufs Spiel zu setzen. Wer nämlich dabei behilflich ist, Künstlerinnen und Künstler abzuzocken, der macht sich als Kurator untragbar.
Die Zeitschrift "atelier" hat in ihrer Oktober-Ausgabe ausführlich über die Hintergründe von Celeste recherchiert und berichtet. Und wenn hier andere Kunstpreise angesprochen werden und auch der Hinweis auf eine Art "Kunstpreis-TÜV" gemacht wird, so ist dies längst in "atelier" der Fall: dort werden regelmäßig die sogenannten "Schwarzen Schafe" in der Rubrik "Grauzone" ermittelt.
Für Celeste wird es nur ein Überlebensmodell geben: Besorgt euch Sponsoren, die Interesse haben, Künstler zu fördern. Sollte das nicht gelingen, dann kann man in Deutschland gern auf Celeste verzichten, in einer Kunstpreislandschaft, wie sie in Europa ihres Gleichen sucht.
Früherer Artikel zum Thema: Geisterschiffe und Kunstpreise
Bence Fritzsche ist Chefredakteur der Zeitschrift atelier.
Gastbeitrag, 09.11.07 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor
Kunst-Blog.com, Copyright 2005-08. Alle Rechte vorbehalten.
Soweit nicht anders angegeben liegen die Rechte bei den jeweiligen Autoren und Künstlern, die die Urheber der Beiträge sind, und bei Kunst-Blog.com. Für Webseiten, auf die von dieser Site aus verlinkt wird, sind ausschließlich die Betreiber der jeweiligen Angebote verantwortlich.
Kommentare
Meine Mutter hat immer gesagt: Eigenlob stinkt.
mennoo
| 09.11.07
Danke für den Artikel. Sie haben mir geholfen, Lehrgeld zu sparen von dem ich mir nun die Zeitschrift atelier abonnieren kann.
Liebe Grüße aus Köln
struppel
| 10.12.07
Als teilnehmender Künstler und somit Beteiligter am Celestekunstpreis fühle ich mich genötigt, kurz ein paar Zeilen zu der Kritik der unbeteiligten Miesepeter zu sagen, um nicht denen die Meinungshoheit zu überlassen. Aus meiner Sicht ist es wie folgt:
Die Organisatoren sind super nett, die Atmosphäre offen und vertrauensvoll. Über alles wird man als Beteilgter per Email informiert, Fragen werden umgehend freundlich und ausführlich beantwortet. Es ist alles transparent, die Teilnahmebedingungen sind vorher bekannt gewesen und haben sich nicht geändert. Die Location für die Ausstellung ist echt cool und zeigt das Engagement der Organisatoren - und verspricht eine super Preisverleihungsparty! :) (Fotos gibt es ja dann im Internet) Es ist übrigens falsch, dass der Celesteverein die Preisträgerbilder unentgeltlich bekommt, denn 8000 bzw 12000 Euro Siegerprämie wird wohl kein Künstler als Zumutung betrachten.
Warum die Angst + Kritik vor allem Neuen? Gebt doch dem Neuen eine Chance! Die Künstler die ich kenne sowie ich selbst machen das!
Dies von einem Beteiligten. Keep cool! K. Hertel
K. hertel
| 26.03.08
Um das gleich vorweg zu nehmen: ja, ich bin beleidigt! Ich habe ein Bild eingereicht, groß und bunt und schön, finde ich jedenfalls. Nicht mal für den Katalog hat es gereicht. Nicht jeder mag Alles und „Kunst“ ist ein großes Wort. Tatsächlich traue ich mich kaum, es für meine Arbeiten in Anspruch zu nehmen. Aufgewachsen mit einem durchschnittlichen Maß bürgerlicher Bildung, Reisen und Museumsbesuchen habe ich atemberaubende Bilder vor Augen, wenn ich das Wort „Kunst“ höre.
Vielleicht habe ich ja was verpasst in der Zwischenzeit. Wollen mir doch die Herren Kuratoren (vermutlich bekifft oder sturzbetrunken bei der Auswahl dessen, was sie als einen Querschnitt zeitgenössischer deutscher Kunst präsentieren) weis machen, dass dazu mittelmäßig gemalte Katzenköpfe mit mäßig „origineller“ Überschrift gehören, in einem Format welches bei Karstadt in der Geschenkabteilung bei Sonderangebotsaktionen vielleicht gern gekauft würde. Oder dieser Lappen mit einem blassen Reiter im Wald, die Oberfläche weiss befleckt. Und so ein Kinderfarbenkleckerbild ist auch dabei. Ich habe ähnliches gerade als Dekoration für Dreharbeiten gemietet. Der Künstler ist acht. Hübsch gerahmt kommt so was super. Aber möglicherweise ist die Deklaration zur „Kunst“ die einzige Chance und Daseinsberechtigung dieser Werke, wozu sonst sollten sie taugen?
Traurig finde ich, dass die Kuratoren mit ihrer konfusen Zusammenstellung all die ausgewählten Werke diskriminieren, die tatsächlich interessant sind, schön, bemerkenswert und wert, dass man über sie nachdenkt, und sich an sie erinnert. Ja, die sind durchaus dabei, die Herren scheinen lichte Momente gehabt zu haben, ehe da etwas abglitt in Überdruss, Zynismus, Verzweiflung oder was immer zu Entscheidungen geführt haben mag, die ich nicht nachvollziehen kann, nicht mal wenn ich gerade nicht an verletzter Eitelkeit leiden würde. Schade.
regineinberlin
| 15.04.08
Sollen wir regine in Berlin wirklich ernst nehmen? Aber wahrscheinlich ist regine ja nur die ghostwriterin von Bence Fritsch. Ein verabredete gespräch einer der Juroren mit Bence Fritsch kam nicht zustande, weil atelier dann doch eher den Schwarzen Peter behalten, um damit jede und jeden zu erschrecken, der am Celeste Kunstpreis teilnehmen wollte und teilgenommen hat.
Das Niveau der ausgestellten Arbeiten ist jedenfalls als die Polemiken von Regine und Konsorten. Und regine weiß natürlich, welche Werke die richtigen sind.
Edle Einfalt, nur die Größe fehlt....
Mit besten Grüßen
Thomas Wulffen
Juror für Celeste Kunstpreis 2008
thw
| 21.04.08
Zur Klarstellung
Ein verabredetes Gespräch einer der Juroren mit Bence Fritzsche kam nicht zustande, weil atelier dann doch eher den Schwarzen Peter behalten wollte, um damit jede und jeden zu erschrecken, der am Celeste Kunstpreis teilnehmen wollte und teilgenommen hat.
Das Niveau der ausgestellten Arbeiten ist jedenfalls besser als die Polemiken von Regine und Konsorten. Und regine weiß natürlich, welche Werke die richtigen sind.
Schreiben Sie einen Kommentar zu »Der Celeste-Kunstpreis ...«
Danke für Ihre Anmeldung,
.
Sie können jetzt Ihren Kommentar schreiben. | Abmelden