Esther Ernst | wo ich war

SHOWCASE BEAT LE MOT - SIGNER ROMAN - MEYER NANNE - SLOTAWA FLORIAN - GOBER ROBERT

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SHOWCASE BEAT LE MOT
Der Räuber Hotzenplotz
Theater an der Parkaue, Berlin
+ Kindertheater ist normalerweise der potenzierte Debilitätswahnsinn von Theater und deshalb unerträglich. Die vier Jungs von Showcase beweisen das Gegenteil und bestreiten einen tollen und unterhaltsamen zweistündigen Sonntagvormittag. Sie erzählen die Geschichte des Räuber Hotzenplotz unaufgeregt, ohne Pathos, dafür aber mit viel Humor und ohne den für-Kinder-muss-man-extra-übertreiben-Effekt. Sie tragen lustig gebaute Holzkostüme und agieren in einem multifunktionalen Bühnenraum aus ein paar Holzmodulen. In der Pause gibt’s Hot-Dog vom Kasperle persönlich und dann wird wieder weiter gesungen, gezaubert und erzählt. Den Kindern gefällt’s obwohl sich Showcase nicht besonders viel Mühe gibt, ihnen zu gefallen und das ist wahrscheinlich auch der Trick daran. Ihnen macht es Spass und das war angenehm ansteckend.

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SIGNER ROMAN
Werke aus der Flick Collection
Hamburger Bahnhof, Berlin
+ Er ist ein Lustiger, der Herr Signer, und wahrscheinlich macht ihm sein Beruf auch richtig viel Freude. Da gibt’s keine Krämpfe und Produktionsprobleme und Zweifel und so weiter, da wird einfach gemacht und gemacht und weitergemacht. So kommt es einem zumindest vor.
Die schlichten Videodokumentationen zu seinen Aktionen funktionieren gut, da schaut man gerne hin und freut sich, schmunzelt oder lacht laut heraus, dann geht man weiter zum nächsten Filmchen, bis man die ganze Ausstellung gesehen hat.
Und was bleibt übrig?
Vielleicht die Lust, beim nächsten Silvester statt einer Tischbombe den geschmückten Lametta-Weihnachtsbaum in die Luft zu sprengen... Auf jeden Fall die beeindruckende Leichtigkeit, mit der Signers Schaffen verbunden ist und die Freude beim Zuschauen.

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MEYER NANNE
Verpasse ich den Rest der Welt?
Galerie Barbara Wien
+ich war sehr gespannt, wie Nanne Meyer ihre 18 Zeichnungsbücher (Bildbände) mit tausenden von Seiten, die sie in den letzten zwanzig Jahren gefüllt hat, präsentieren wird. Und ich war sehr enttäuscht, dass die Bücher in einer Vitrine, nicht einsehbar, verschlossen lagerten. Dafür wurden Seiten um Seiten auf DVD gespeichert. Ein Tisch mit einem Computer lädt zum Schauen ein, oder eben auch nicht. Mir wird zuviel dadurch vorgegeben, ein längeres Verharren, das Blättern und mein eigenes Tempo bleiben mir verwehrt. Zu gross ist die Diskrepanz zwischen den sehr persönlichen täglichen Aufzeichnungen in den Jahrbüchern und der Computeroberfläche mit seiner blöden iPhoto Diashow. Ein "Forschen" und "Einsteigen" in die Welt von Nanne Meyer wird mir dadurch ziemlich erschwert, was für die grandiose Arbeit sehr, sehr schade ist.

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SLOTAWA FLORIAN
Schätze aus zwei Jahrtausenden, 2001
Berlinische Galerie
+Bin etwas teilnahmslos durch die Ausstellung "Neue Heimat" geschlendert und blieb vor diesen Fotos, die eine liebevoll eingerichtete Altbauwohnung mit Kunst an den Wänden oder ganz nebensächlich in Mitten von Alltagszenarien zeigen, stehen und dachte: man, hier hat sich ein Kunstliebhaber oder Sammelfreak ganz schön tolle Flohmarktstücke zusammengesucht.
Mit dem Info-Text an der Wand löst sich dann alles auf: Slotawa wurde von dem Museum Abteiberg in Mönchengladbach eingeladen, sich mit dem Sammlungsbestand auseinanderzusetzten und ihn zu präsentieren. Circa 60 Werke hat er sich nach Hause transportieren lassen und sie dort in Szene gesetzt und mit ihnen gewohnt. Das stell ich mir toll vor, allein schon das Auspacken muss doch total viel Spass machen. In Basel und in Solothurn hab ich im September zwei Arbeiten von Slotowa gesehen. Schön, wenn einem die Kunst ganz unerwartet wiederbegegnet.

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GOBER ROBERT
Work 1976-2007
Schaulager, Münchenstein
+ Habe mich sehr gefreut auf die Ausstellung, auch weil ich dachte, das ich Gobert’s Arbeiten mag. Falsch gedacht oder wenigstens halbfalsch. Die Zeichnungen sind grossartig und lustigerweise in den unterschiedlichsten Stilen gefertigt (von grob-kindlich gekritzelt bis sehr fein und reduziert ausgearbeitet). Und schmunzeln musste ich sowieso über einige Dinge. Nur darüber nachdenken will ich lieber nicht. Weil Kinderbeine in einem poplig nachgeahmten lodernden Kaminfeuer einfach nur doof sind. Und wieso steht da Katzenfutter, Rattengift oder Gin in jeder zweiten Ecke?
Zu viele Künstlerkomplexe oder Psychoprobleme. Und zu viel Theater dazu.
Aber toll behaarte Beine, wenn da dann nicht schon wieder irgendwelche Kerzen drin stecken würden.

Esther Ernst, 09.11.07 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor

 

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