Esther Ernst | wo ich war
WIENER INGRID - BAIRD VANESSA - TRANSMEDIALE 08 - EMIGHOLZ HEINZ - KOUNELLIS JANNIS - ...5 MINUTES LATER

Bedingte Wahrscheinlichkeit
Galerie Barbara Wien, Berlin
Versteh ich nicht. Der Transformationsprozess von zerknülltem Papier zu gewobenen Stoff produziert in den 9 (34 x 50 cm) "Teppichen" zwar eine eindrückliche Materialität mit unglaublicher Tiefe, inhaltlich ist mir die Arbeit und Arbeitsweise aber ganz und gar unklar. Der Vorgang, sich eine komplexe Formel durch abweben zu verinnerlichen, ist mir einigermassen ungeheuer...
An den Webstücken mit hölzernen Küchenbrettchen auf seltsam gemusterten Stoffen, auf denen eine Brille liegt, habe ich Gefallen gefunden. Die sind toll schmuddelig und die verschiedenen Stofflichkeiten in gewebter, dichter Form zu sehen, will nicht ganz so viel wie eine verinnerlichte mathematische Formel...

My father, me – and somewhere else
Galerie c/o - Alte Gerhardsen, Berlin
Eine seltsame Welt von Vanessa Baird. Ein bisschen zu viel Frauenkram und überhaupt, so genau wollte ich es gar nicht wissen.
Handwerklich sind die Aquarellzeichnungen toll gemacht. Die verschiedenen auf einem Blatt verteilten Szenarien verhalten sich ganz locker zu einander, bleiben skizzenhaft, sind aber doch sehr präzise ausgearbeitet.

Haus der Kulturen der Welt, Berlin
Und tatsächlich war da nur blöd ausgedachtes Bastelzeug zu sehen. Schlechte Videos, qualitätslose Bilder, plumpe Konzepte und der Raum sah auch aus wie immer...
Da geh ich nicht mehr hin.

Die Basis des Make-Up
Hamburger Bahnhof, Berlin
Bücher und Hefte sind Materialvorlage für hunderte von Zeichnungen (fototechnische Reproduktionen von Zeichnungen?), in denen sich der gesammelte Wahnsinn in fein säuberlichen schwarz-weiss Grafiken zeigt. Man weiss gar nicht, wo anfangen mit Schauen bei den vielen Geschichten und Informationen die einem da entgegen kommen, man springt hin und her, verliert sich dann doch in einzelne Zeichnungen, muss lange schauen, weil die so dicht sind...
Was macht der denn, der Emigholz, der hat ja einen total tollen Knall.
Bin ganz beduselt nach Hause gekommen, das hat sich angefühlt wie sechs Stunden fernsehen...

Neue Nationalgalerie, Berlin

Kunst-Werke, Berlin
Diesen Prozess allerdings zu erzwingen, kann doch eigentlich nur in die Hose gehen. Und ein bisschen zu verkrampft steht dann auch die Kunst in den Kunstwerken rum. Ein Ikea-Bett von Feldmann, in dem sich ein Pärchen fünf Minuten lang geknutscht(?) hat, will doch keiner sehen. Das ist doch langweiliger Mist. Andere haben ein Projekt, welches sie sowieso machen wollten, einfach auf fünf Minuten runter gebrochen... Nachhaltig sind die Exponate kaum, müssen sie ja auch nicht unbedingt sein, dann wünschte ich mir aber wenigstens ein bisschen mehr Humor.
Clemens Wedemeyers Arbeit hat mir gut gefallen. Auf Tonband aufgenommen liesst er seine Absage an die Kuratorin für dieses Ausstellungsprojekt während eines Spaziergangs vor. Diese begründet er mit nicht kompatiblen Arbeitsverhältnissen und betont, dass dieses Statement keine Kunst sei...
Esther Ernst, 21.03.08 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor
Kunst-Blog.com, Copyright 2005-2012. Alle Rechte vorbehalten.
Soweit nicht anders angegeben liegen die Rechte bei den jeweiligen Autoren und Künstlern, die die Urheber der Beiträge sind, und bei Kunst-Blog.com. Für Webseiten, auf die von dieser Site aus verlinkt wird, sind ausschließlich die Betreiber der jeweiligen Angebote verantwortlich.
Kommentare
Eine Anmerkung zum Unverständnis von Ingried Wieners Beitrag: vielleicht ist das Weben einfach ein Tätigkeit, bei der das mantraartige Wiederholen des Faden durchziehens und das Aufsagen von Formeln erhellend für die Gehirntätigkeit ist. Vielleicht bringt ein Selbstversuch mehr Licht in die Verständlichkeit. - ;)
Beverly
| 26.03.08
Einerseits ist es ja sympathisch, zu lesen: Das verstehe ich nicht. Andererseits wird es Zeit, dass die Kunstrezipienten wieder anfangen zu lernen, einfachste Bilder lesen zu können, das heißt: zu entchiffrieren. Also, Position beziehen. Verstehe ich nicht, kann auch eine blöde Entschuldigung dafür sein, wenn man glaubt, die Welt sei nur noch eine subjektivistische Hölle, in der sich niemand zurechtfinden kann. Sonst besteht die Möglichkeit, dass die Rezensenten irgendwann die ganze Welt unter einem Schleier, "schleierhaft" erleben, wie es zuweilen der Autorin Esther Ernst zu wiederfahren scheint.