Gastbeitrag | Kritik
Anmerkungen zum Kunstwettbewerb Leonardo
Reinhard Franz
über den
Kunstwettbewerb Leonardo und die Kunstpreisvergabe des privaten Augsburger Kunstmuseums Walter zusammen mit der Galerie Noah, die er als eine Farce sieht. Die Jury tagte im März 2008.
als hochschullehrer an einer kunsthochschule freue ich mich immer, wenn es spezielle preise für junge aufstrebende künstlerinnen und künstler zu vergeben gilt. besonders dann, wenn der preis nicht nur eine anerkennung, sondern auch mit einen vernünftigen preisgeld ausgestattet ist. so hat es mich besonders gefreut, im letzten jahr von der auslobung des preises leonardo zu lesen (1. preis: 30.000 €; 2. preis: 15.000 €; 3. preis 5.000 €). selbstverständlich habe ich die ausschreibung auch entsprechend unter meinen ehemaligen studierenden kommuniziert. was sich aber nach der ersten ausschreibung bis zur endgültigen vergabe bzw. nennung der künstlerinnen von seiten des ausschreibenden kunstmuseums getan hat, ist schlicht eine farce.
nach der veröffentlichung der ausschreibung und deren bedingungen wurden diese mehrfach offensichtlich intern nach gutdünken abgeändert, ohne hierüber zu informieren. die ursprüngliche ausschreibung steht bis heute im netz unter:
kunstwettbewerb leonardo 2007/2008 (als PDF)
so wurde nicht nur der abgabetermin verlängert, es wurde auch der kreis der abgabeberechtigten künstler entgegen der ausschreibung beliebig erweitert. an die einschränkung der künstlerischen disziplin mochte man sich nicht mehr halten, neben den ursprünglich genannten fächern malerei und skultur/ plastik ließ man auch fotografie und andere zu. dies mag auf den ersten blick nicht wichtig erscheinen, schloß aber, weil nicht in der ausschreibung ausgewiesen, mit fotografie arbeitende künstlerinnen und künstler aus. bei den teilnehmern aber, die sich an die kriterien gehalten, welche aber der veranstalter selbst nicht einhalten will, verursacht man mehr als unsicherheit und verdruss, zumal wenn sie am anfang ihrer karriere stehen.
letztlich ist dies jedoch nur der anfang einer geschichte voller merkwürdigkeiten, widersprüche und ungereimtheiten. in der april-ausgabe 2008 des »augsburg-journal« erklärt uns holger schmidt, noah-galerie geschäftsführer und leonardo-preis organisator: »namen der künstler darf ich nicht verraten. das auswahlverfahren ist streng, die jury muss ihre punkte anonym vergeben. nur soviel: es sind meisterschüler von renommierten kunst-professoren dabei, auch von norbert tadeusz und max kaminski.« das finde ich toll, herr schmidt, wenn diese meisterschüler dabei sind und deren anonymität gewahrt wird. nur stehen schon wochen zuvor die arbeiten mit nennung der namen der künstlerinnen und künstler auf der website der galerie noah im netz, so daß die anonymität für die letzte runde absolet war. wir dürfen gespannt sein welcher meisterschüler sich nach der preisvergabe freuen darf.
laut öffentlicher ausschreibung sollten 50 junge nachwuchskünstler gekürt werden, von denen 3 die stattlichen preise erhalten sollen. aber auch hier hielt man sich nicht an die eigene ausschreibung. als wenn es keinen was anginge oder interessieren würde, waren es nur noch knapp 30 künstlerinnen und künstler mit dann insgesammt 53 arbeiten. war das teilnehmerfeld etwa so schlecht oder hat man die arbeiten, die nicht in den horizont der jury oder des stifters passten, aussortiert? in dem vertrag, den man den jungen teilnehmern zur unterschrift vorlegte, war allerdings nicht mehr von 50 künstlerinnen und künstlern die rede, sondern von kunstwerken, so daß unter gewissen umständen, auch ein teilnehmer mit drei eingereichten arbeiten die preise 1-3 erhalten kann. so können und dürfen wie mit jungen menschen nicht umgehen, wer regeln aufstellt, soll diese – bitteschön – auch selbst befolgen.
sieht man sich die zusammenstellung der jury an, dann ist der erste umstand, der auffällt, daß keine frau in der jury platz gefunden hat und auch die positionen aktueller kunst nicht vertreten sind – z.b. durch eine/n namhaften kurator/in . hier fanden ein paar ältere herren zusammen, um dem kunstmäzen, offenbar einen gefallen zu tun. der jungen kunst haben diese herren einen bärendienst erwiesen. auch der vertraglich den teilnehmern zugesicherte herr hollein – leiter der frankfurter kunsthalle schirn und des städel museums – als mitglied der jury, der das durchschnittsalter der jury drastisch gesenkt und den sachverstand über die maßen erweitert hätte, war offenbar auf dem weg in die augsburger puppenkiste abhanden gekommen.
diese ganze veranstaltung hat geschmäckle, sie riecht, nein sie stinkt zu himmel. vielleicht hätte man die veranstaltung nicht »gutes amerika – böses amerika« nennen sollen, sondern »gute kunst – verkommener kunstmarkt«
reinhard franz
Gastbeitrag, 28.04.08 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor
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Kommentare
Der Wettbewerb kam mir von Anfang an sehr merkwürdig vor. Es ist wie die meisten Wettbewerbe eine Lotterie für naive Künstler.
"Schift"-Taste war kaputt? Wieso nicht gleich auf die Leerzeichen zu verzichten. Mir reicht schon eine Rechtschreibreform.
Artbit
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