Michael Reuter | Kritik

Garten Eden – Der Garten in der Kunst seit 1900


Luzia Simons, Stockage 45 (Triptyche), 2006, Ultrachrome auf Aludibond © VG Bild-Kunst, Bonn 2008

Die Sehnsucht nach ein wenig grünem Glück scheint groß zu sein. Nach der Ausstellung „Gärten – Ordnung, Inspiration, Glück“ Ende 2006 im Frankfurter Städel Museum schob die frisch umgebaute und erweiterte Kunsthalle Emden gleich ein Jahr später die nächste Pflichtveranstaltung für Kleingartenfreunde hinterher: „Garten Eden – Der Garten in der Kunst seit 1900“. Zurzeit und noch bis zum 06. Juli ist die Ausstellung nun in einer etwas veränderten und abgespeckten Version in der Städtischen Galerie Bietigheim-Bissingen bei Stuttgart zu bewundern.

Während das Städel seinen Überblick bereits im Mittelalter startete, mit dem um 1410 entstandenen Andachtsbild „Paradiesgärtlein“, konzentriert sich „Garten Eden“ auf die letzten 108 Jahre und bringt dabei erfreulich viel junge Kunst in den Blick.
Von einer chronologischen Ordnung wurde abgesehen und so hängt eine Urwaldlandschaft von Henri Rousseau neben frivolen Bildern unseres Zeitgenossen Johannes Hüppi. Die junge, 1976 geborene Stefanie Bühler präsentiert ihre Skulptur „Urwald“ neben einem Foto der etablierten Australierin Rosemary Laing. Die Mischung macht´s. Isabell Schenk-Weininger und Oliver Kornhoff haben sich in Bietigheim nicht allzu sklavisch an die Vorgaben aus Emden gehalten. Die Ausstellung wurde an die Gegebenheiten und Möglichkeiten der Galerie angepasst. Einige der großen Namen wie Monet, Cézanne, Klee oder auch David Hockney fehlen zwar in Bietigheim, dafür ist der Rousseau eine Leihgabe aus dem Museum Charlotte Zander im Schloss Bönnigheim und war in Emden nicht zu sehen. Durch die Sachzwänge tritt die zeitgenössische Kunst verstärkt in den Fokus. Pünktlich zum Beginn der Gartensaison werden über 100 Werke aus den Bereichen Malerei, Skulptur, Fotografie, Videokunst und Installation präsentiert, geordnet in sieben Kapiteln, beginnend mit „Vom Dschungel zum Paradies“ über „Archiv und Ordnung“ bis „Der Zaubergarten“.


Peter Fischli / David Weiss, Projektion 3 (F) Flowers, 1998, Kunsthalle Bielefeld

Es fällt auf, dass der Blick heutiger Künstler eher wohlgefällig auf der vom Menschen gestalteten Natur ruht. Die Arbeit von Peter Fischli/David Weiss „Projektion 3 (F) Flowers“ von 1998 besteht aus 162 Farbdias von Pflanzen- und Landschaftsimpressionen und wirkt ebenso verspielt wie die liebevoll gebastelte Arbeit „Im Geräteschuppen“ von Gerda Steiner & Jörg Lenzlinger (Namen merken und zur nächsten Ausstellung gehen) oder die Installation „Laboratorium/Wintergarten“ von Klaus Fritze. Die Bedrohung des Garten Eden durch Klimawandel und Umweltverschmutzung wird von den Künstlern allenfalls mittelbar angesprochen. Nur Luis Vidals Skulptur „Dangerous Garden I“ und das Video „Oasis“ von Ene-Liis Semper wagen sich einige Schritte aus dem Paradies heraus. Randi & Katrine aus Dänemark zeigen eine Skulptur, die auf den ersten Blick wie ein aus Buchs geschnittener Torbogen aussieht – bei näherer Betrachtung handelt es sich um grüne Styroporkügelchen.


Ene-Liis Semper, Oasis, 1998, Video auf DVD, 3:18 Minuten

Michael Reuter, 29.04.08 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor

 

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