Christoph Bannat | Kritik
Frank Hesse. Neue Arbeit von Duchamp entdeckt!

Foto: Frank Hesse.
Frank Hesse, SUPPLEMENT, 10. Juli — 24 August 2008
www.kunstvereinleipzig.de
www.frankhesse.com
Neuer Duchamp entdeckt. Um seinen Lieblingsort im Garten seines Geburtshauses zu markieren, ritzte Marcel Duchamp im Alter von 12 Jahren in eine Buche seinen Namen und die Jahreszahl ein: Duchamp Marcel 1901. Der derzeitige Besitzer des Anwesens musste den Baum 1993 fällen, da er umzustürzen drohte. Der Teil mit der Inschrift wurde jedoch aufbewahrt und befindet sich seitdem in seiner Garage.
"Mein Leben?!: ist kein Kontinuum! (nicht bloß durch Tag und Nacht in weiße und schwarze Stücke zerbrochen! Denn auch bei Tage ist bei mir der ein Anderer, der zur Bahn geht; im Amt sitzt; büchert; durch Haine stelzt; begattet; schwatzt; schreibt; Tausendsdenker; auseinanderfallender Fächer; der rennt; raucht; kotet; radiohört; 'Herr Landrat' sagt: That´s me!): ein Tableau voll glitzernder snapshots."
Frank Hesse sucht nach solchen snapshots. Er gehört mit Volko Kamensky, Alexander Rischer, Peter Piller und Heinz Emigholz zu einer neuen Hamburger Schule von künstlerischen Dokumentaristen. Ihre Kunst zeigt neue Wege der künstlerischen Recherche. In liebevoller, oft langjähriger Recherche widmen sie sich ihren Ob- und Subjekten. Bei Frank Hesse fängt die Recherche oft bei großen Namen wie Aby Warburg, Stendhal, Marcel Duchamp, oder Jean-Jacques Rousseau an und mäandert sich anekdotisch zur Randnotiz hin. Randnotiz, betrachtet man seine Findungen im Verhältnis zum Gesamtwerk der genannten Größen. Mit seinen Arbeiten bewegt er sich in der Falte zwischen Geschichte und Geschichten. Liebevoll, da er seine Objekte nicht diffamiert, sondern ihnen etwas hinzufügt, was im allgemeinen Bewusstsein mit seinen (akademischen) Verwertungsmechanismen keinen Platz findet. Das eben kann Kunst: Geschichte aus der Lücke oder der Falte heraus erzählen. Liebevoll auch weil es Frank Hesse nicht um eine kneipenkompatible Lachnummer sondern um Hingabe geht. Eine Hingabe, die sich auch an seiner formalen Herangehensweise, der Wahl der Mittel und der feinen Aufarbeitung zeigt. Ob Dia- oder Videoprojektion, Fotografie oder Soundinstallationen, immer ist das Medium präzise gewählt und geduldig, der Geschichte entsprechend, bearbeitet. Diese Geduld, die Zeit der Hingabe und die richtige Wahl der Medien hat sich in seine Werke eingeschrieben und arbeiten ihrer inhaltlichen Ausrichtung zu. Man kann auch sagen: er meint es ernst mit den Menschen und ihren Schrullen. So, wenn er Rousseaus auf der Insel
Christoph Bannat, 08.07.08 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor
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