Esther Ernst | wo ich war
BULL KATHERINE - MULLINS NIGEL - LÜBER HEINRICH - PRODUCTIONS MARKS - AUDREY ANDERSON

BULL KATHERINE
data capture: a muse
blank projects, Cape Town
data capture: a muse
blank projects, Cape Town
+ In dem einen Raum steht das nackte Model, mit dem Rücken zu den Zuschauern, und eine eigens für dieses Projekt angefertigte Staffelei für Computer und Maus, auf der Katherine Bull sitzt und konzentriert den Blick zwischen Model und Computer wechselt. In dem anderen Raum wird ihre Bildschirmoberfläche an die Wand projiziert und die Sounds (überwiegend Mausgeklicke, ab und zu kurze Wortwechsel, Lachen) werden aus dem unzugänglichen "Akt-Raum" übertragen. Bull arbeitet mit Photoshop, den drei Grundfarben, in einer relativ kleinen Datei und bläst sie bis zu 700 Prozent auf, so dass ein extrem grob verpixelter Träger entsteht. Dann tastet sie sich Quadratweise vor, ganz ähnlich, wie man einen klassischen Akt zeichnerisch herstellt.
Modell stehen vier bekannte männliche südafrikanische Künstler. Ausgedruckt wird der Akt einerseits in Orginaldateigrösse (circa 1cm) und in eben dieser groben, 700 % vergrösserten Rasterung (Lebensgrösse).
Ein schönes Projekt, macht viel Freude beim Entstehen zuzuschauen...
Modell stehen vier bekannte männliche südafrikanische Künstler. Ausgedruckt wird der Akt einerseits in Orginaldateigrösse (circa 1cm) und in eben dieser groben, 700 % vergrösserten Rasterung (Lebensgrösse).
Ein schönes Projekt, macht viel Freude beim Entstehen zuzuschauen...

MULLINS NIGEL
caveman spaceman
Bell-Roberts Gallery, Cape Town
caveman spaceman
Bell-Roberts Gallery, Cape Town
+ Mit Ausnahme von drei grossen Galerien in Südafrika lassen sich die meisten Galeristen die Miete, die Vernissage und die Produktionskosten von ihren Künstlern bezahlen. Es gibt kaum Support, dafür viele verärgerte Künstler. Hartes Pflaster, vielleicht nehmen deshalb so viele Künstler gruselige Arbeitsaufträge an und produzieren am laufenden Meter Deko-Kunst für Restaurants oder Hotels oder die Fusballweltmeisterschaft 2010... Andererseits habe ich nirgends so viele „sold out’s“ in Galerien gesehen wie in Johannesburg und Kapstadt. Es ist anscheinend total angesagt, sich eine kleine Kunst-Kollektion zu leisten, vornehmlich von jungen, schwarzen Künstlern. Und da erstaunt es dann kaum, dass in den Galerien überwiegend Flachware gezeigt wird und in Nigel Mullins Fall sogar überwiegend süffige Malerei. Fotorealistische Blumenbilder mit einem verschwindenden Schriftzug auf dem z.B. „for ever and ever and ever“ steht. Und dies in der Galerie des Verlegers von „art southafrica“, ein sehr gut gemachtes, vierteljährlich erscheinendes Kunstheft. Hm.

LÜBER HEINRICH
Lüber in der Luft
Dokumentarfilm von Anna-Lydia Florin
Lüber in der Luft
Dokumentarfilm von Anna-Lydia Florin
+ Heinrich Lüber ist derjenige, der im öffentlichen Raum schwebt, an irgendwelchen Wänden klebt, Nonsens in überdimensionierte Megaphone spricht oder von Gebäuden herunter zu fallen droht. Statisch verharrt er stundenlang in den unglaublichsten Positionen, manchmal kaum bemerkt, performt er meist in sehr beeindruckenden Architekturen. Er selbst ordnet seine Arbeit als kurzfristige „Kunst am Bau“ ein, was mir sehr sympathisch ist.
Anna-Lydia Florin begleitete Lüber in ihrem Film über Jahre, tat dies sehr zurückhaltend, beobachtend, etwas schweizerisch vielleicht und dabei entstand eine angenehme, ruhige und konzentrierte Dokumentation über sein Schaffen mit einigen für diesen Film entstandene Performances.
Schön, hat mir gut gefallen.
Anna-Lydia Florin begleitete Lüber in ihrem Film über Jahre, tat dies sehr zurückhaltend, beobachtend, etwas schweizerisch vielleicht und dabei entstand eine angenehme, ruhige und konzentrierte Dokumentation über sein Schaffen mit einigen für diesen Film entstandene Performances.
Schön, hat mir gut gefallen.

PRODUCTIONS MARKS
Gruppenausstellung
Goethe-Institut, Johannesburg
Gruppenausstellung
Goethe-Institut, Johannesburg
+ Weil das Goethe-Institut keinen wirklichen Ausstellungsraum hat, wurden die Arbeiten der sieben südafrikanischen Künstler in Fluren und Räumchen und Empfangshalle verteilt und dafür, dass das eigentlich ein Unding ist, hat die Kuratorin die Ausstellung sogar noch ganz gut hingekriegt.
Es ging an dem Eröffnungsabend, wie sonst (?), natürlich nicht um die Kunst (und wie man schon den parkenden Autos vor der Hütte ablesen konnte, war die Klientel hauptsächlich reich und weiss), sondern es wurde gefeiert, teuren Wein getrunken, Häppchen wie ich sie noch nie gesehen habe, und Apfelstrudel gereicht, schlechte Live Musik gespielt und Bla, Bla gemacht. Traurig und abgründig dabei ist, dass in diesem exklusiven Rahmen gefeiert wird, während zum Beispiel die Goethe-Bibliothek so dermassen lausig geführt wird, und man etwas verdutzt und vergebens nach Kafka, Hölderlin oder Celan sucht. Seltsam dieser Kulturbegriff.
Es ging an dem Eröffnungsabend, wie sonst (?), natürlich nicht um die Kunst (und wie man schon den parkenden Autos vor der Hütte ablesen konnte, war die Klientel hauptsächlich reich und weiss), sondern es wurde gefeiert, teuren Wein getrunken, Häppchen wie ich sie noch nie gesehen habe, und Apfelstrudel gereicht, schlechte Live Musik gespielt und Bla, Bla gemacht. Traurig und abgründig dabei ist, dass in diesem exklusiven Rahmen gefeiert wird, während zum Beispiel die Goethe-Bibliothek so dermassen lausig geführt wird, und man etwas verdutzt und vergebens nach Kafka, Hölderlin oder Celan sucht. Seltsam dieser Kulturbegriff.

AUDREY ANDERSON
Zamalek
Rainforest Project Room, Gordart Gallery, Johannesburg
Zamalek
Rainforest Project Room, Gordart Gallery, Johannesburg
+ Der "Rainforest Project Room" ist ein 4qm kleiner Whitecube im Garten der Gordart Gallery. Das Schöne an diesem engen Raum ist, dass man mitten in der Kunst steht und mit ihr sehr direkt konfrontiert wird.
Audrey Anderson installierte verschiedene Zeichnungstechniken über- und nebeneinander, so dass ein dichter, vielschichtiger Raum entsteht. Zeichnungen gehen in Wandarbeiten oder Scherenschnitte über, tagebuchartige Geschichten kreisen an der Wand entlang. Eine schöne Installation für diesen engen Raum, wenn (für meinen Geschmack) auch ein bisschen zu naiv, zu romantisch... Und schade natürlich, dass die Zeichnungen einzeln verkauft werden (ich bin mir sicher, dass sie nur als Zeichnungsserie funktionieren) und hart, dass die knallig roten Punkte mitten in die Installation geklebt werden. Aber so ist das mit dem Galerienmarkt...
Audrey Anderson installierte verschiedene Zeichnungstechniken über- und nebeneinander, so dass ein dichter, vielschichtiger Raum entsteht. Zeichnungen gehen in Wandarbeiten oder Scherenschnitte über, tagebuchartige Geschichten kreisen an der Wand entlang. Eine schöne Installation für diesen engen Raum, wenn (für meinen Geschmack) auch ein bisschen zu naiv, zu romantisch... Und schade natürlich, dass die Zeichnungen einzeln verkauft werden (ich bin mir sicher, dass sie nur als Zeichnungsserie funktionieren) und hart, dass die knallig roten Punkte mitten in die Installation geklebt werden. Aber so ist das mit dem Galerienmarkt...
Esther Ernst, 23.10.08 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor
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