Markus Wirthmann | Netz

Redundanzbriefkasten III

Es gibt sie also doch noch, die schön winklig formulierte handgemachte Galeristenschreibe, ungelenk und selbstentlarvend: "... mit einer Bestandsaufnahme der Berliner Urban Art und Street Art Szene füllt die Gruppenausstellung “Berliner Strasse” eine Lücke im Programm des Berliner Kunstherbstes. Auf mehr als 1200 qm Fläche zeigen 10 künstlerische Positionen aus der zeitgenössischen Straßenkultur die aktuellen Entwicklungen eines noch sehr jungen Kunst-Genres."

Das tun sie also, die Positionen. Kleines Denkfehlerchen. Das kann schon mal passieren, wenn der gemeine Straßenköter sich dem bildungsbürgerlichen Sammler als Fußwärmer andienen will.

"Mit dabei neben Jaybo, Daniel Tagno und Charlie Isoe auch XOOOOX, der als erster Deutscher Street Artist den Sprung in den internationalen Kunstmarkt geschafft hat. In der kommenden Auktion der Auktionshauses Phillips de Pury wird eine zentrale Arbeit von XOOOOX neben Damien Hirst, Banksy, Anselm Reyle, Andy Warhol und Takashi Murakami angeboten."

Aha, jetzt ist für die deutschen Kapuzenträger unter den Künstlern die nachtaktive Gemütlichkeit also auch vorbei. Jetzt soll Reibach gemacht werden - scheiß auf die verdammte Subversion, die Street Credibility und das dümmliche Robin-Hood-Image - und die dämlichen Kunstsammler sollen endlich damit aufhören, Friedhofswände abschaben zu lassen!
Pech nur, dass ausgerechnet jetzt die globale Wirtschaftskrise ausgerufen wurde.

[...]

Ich würde mich freuen, wenn unsere Informationen auf Interesse stoßen und stehe für weitere Fragen natürlich gerne zur Verfügung.

Beste Grüsse, ...

Markus Wirthmann, 16.10.08 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor

 

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Kommentare

Danke, Herr Wirthmann!

Ich geniesse jeden ihrer Artikel, sollten Sie wissen. Und um welche Veranstaltung handelt sich redundanterweise?
Das mit der Haltung ist schon schwierig heutzutage. Ist halt äusserst unsexy, wenn irgendwelche vorgeblichen (wie sich dann im Nachhinein erweist) Avantgarden angesichts einer, äh, 'Etablierungsmöglichkeit' in sich zusammenfallen wie ein Kartenhaus, das ist ähnlich unsexy wie die Kreuzberger Altlinken, die aus purem Trotz im SaureGurkentopf ihrer Lehre verschimmeln, weil Oma den Keller seit 1977 nicht mehr betritt.
Die Crux mit dem Codex, der kein eigener ist, war und werden wird.
Als das Unvermögen seiner selbst in dessen Angesicht zu begreifen? Verstehe ich nicht.
Nächste Sitzung: Grenzerfahrung Langeweile.
Danke, Herr Wirthmann, danke für jeden ihrer Texte.

laracapri [TypeKey Profile Page] | 16.10.08

 

Besten Dank für die Blumen.

Ich genieße meine Artikel am meisten.

Grüße

M

Markus Wirthmann [TypeKey Profile Page] | 16.10.08

 

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