Dirk Teschner | Kritik
Ein neues Kulturkonzept für Erfurt
Vor einem Jahr hat Oberbürgermeister Andreas Bausewein vom Erfurter Stadtrat den Auftrag erhalten, ein Kulturkonzept für die Stadt Erfurt vorzulegen. Ein Konzeptpapier wurde seitdem zwischen Oberbürgermeister und Kulturdirektion hin und her geschoben oder als vermisst gemeldet.

Die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen hat in der letzten Erfurter Stadtratssitzung eine Vorlage eingebracht, die in den Kulturausschuss verwiesen wurde. Dort wird ein öffentlicher Konsultations- und Diskussionsprozess gefordert, in dem ein Kulturkonzept entwickelt werden soll. Ein öffentliches Hearing und zwei Bürgerforen zum Kulturkonzept sollen durchgeführt werden. Es sollen alle kulturellen Gruppen, Vereine und Verbände aus Erfurt eingebunden werden, um ein neues Konzept zu erstellen. Dazu soll die Kulturdirektion einen Rohentwurf vorlegen.
Der Klub 500 erklärt:
- Ein öffentliches Hearing über das neue Kulturkonzept ist ein erster Schritt. Ein Entwurf kann aber nur durch die Mitarbeit der Künstler, Kulturschaffenden und Kulturvermittler, die auf langjährige, erfolgreiche Arbeit auf dem Gebiet der zeitgenössischen Kultur und Kunst verweisen können, erstellt werden.
- Kultur ist ein Grundbedürfnis des Menschen und eines der elementarsten Stützen einer demokratischen Gesellschaft. Die Rolle der Gegenwartskultur und ihre Bedeutung für die Gesellschaft wird vom Stadtrat zu wenig reflektiert. Eine Diskussion über Einsparungen und Kürzungen muss der Vergangenheit angehören. Finanzen, die durch höhere Steuereinnahmen der Stadt erzielt werden, sollten auch in den Kultursektor einfließen. Eine Umverteilung finanzieller Mittel ist notwendig.
- Die bisherige Kulturausrichtung der Stadt Erfurt sollte zu Gunsten zeitgenössischer Entwicklungen überarbeitet werden. Die Freie Szene ist eines der wichtigsten Säulen im Kulturleben der Stadt Erfurt und vor allem für jüngere Menschen ein Gradmesser für eine Entscheidung für oder gegen Erfurt als Lebensmittelpunkt. Wir haben mit Freude zur Kenntnis genommen, dass in Leipzig ein Stadtratsbeschluss verabschiedet wurde, wonach die Freie Szene 5% aus dem Kulturetat als Fördermittel zur Verfügung gestellt bekommt. Das sollte auch in der Thüringer Landeshauptstadt möglich werden.
- Wie auf Bundesebene üblich, sollte sich auch die Stadt Erfurt auf kulturelle, zeitgenössisch ausgerichtete "Leuchttürme" verständigen und deren Förderung auf Jahre, ohne zeitaufwendiges, jährliches Antragsprocedere sichern.
- Ein neues Kulturkonzept Erfurt wird neue Schwerpunkte setzen. Brachen in der Stadt sollten mit Gegenwartskultur belebt werden. Visionen sollten entwickelt werden, wie Leben in das Heizwerk, in das alte Schauspielhaus, auf den Petersberg und die leerstehenden Läden und Häuser in der Johannesstraße und der Magdeburger Allee einziehen kann.
Eine lebendige Gegenwartskultur hat eine große Bedeutung für das Image der Stadt. Kreative Menschen werden dadurch an Erfurt gebunden und eingeladen sich aktiv einzubringen. Diese sind ein wertvolles Potential für neue, innovative Firmen, die Ideenreichtum und Know-how benötigen. Das gilt nicht nur für die Landeshauptstadt, aber für sie als Zentrum Thüringens im Besonderen.
Dirk Teschner, 15.11.08 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor
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