Michael Reuter | Interview
Nun sag’, wie hast du’s mit der Utopie?

Wolfgang Ullrich
Michael Reuter im Gespräch mit Wolfgang Ullrich, Professor für Kunstwissenschaft und Medientheorie an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe
Der Philosoph Ernst Bloch beschreibt in seinem Hauptwerk „Prinzip Hoffnung“ die Utopie als eine im Kern nach vorn gerichtete Intention: „... jedes Kunstwerk, jede zentrale Philosophie hatte und hat ein utopisches Fenster, worin eine Landschaft liegt, die sich erst bildet.“ Hat sich die zeitgenössische Kunst nicht längst in ein marktwirtschaftlich geprägtes, fensterloses Separee zurückgezogen?
Es gibt noch einen aus der Romantik und den Avantgarden kommenden Gestus der Kunst, das ganz „Andere“ sein zu wollen und von einer besseren Welt zu künden. Aber ich glaube nicht, dass die zeitgenössische Kunst hier am stärksten ist. Sie ist eher reaktiv und reflektierend. Sie erlaubt uns, die heutige Welt besser zu verstehen, aber sie formuliert keine anderen, utopischen Welten.
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29.01.09 | Permalink | Kommentare (0)
Konstantin Schneider | BERLIN weekly
Berliner Kunstbetrieb läuft langsam warm
Wer schon länger in Berlin lebt, weiss, dass die Stadt so ungefähr ab der 4. Kalenderwoche langsam ihre Betriebstemperatur erreicht, selbst wenn es draussen mal bitterkalt sein sollte. Warm ums Herz wurde uns diesmal aber schon wegen der Kunst im mehrfacher Hinsicht.
Den Gang in die Fasanenstrasse war z.B. allein die stark überarbeitete Bibel aller Kapitalisten wert. Adam Smith' Reichtum der Nationen lud in der von Andreas von Dühren kuratierten Ausstellung Portfolio bei Egbert Baqué so richtig zum schmökern ein. Bei Kuckei + Kuckei war es u.a. der olfaktorische Aspekt der die Ausstellung "why not ?", in der zeitgenössische südafrikanische Positionen gezeigt wurden, zu einem Erlebnis machte. Gerüche können wir ihnen hier ja leider noch nicht vermitteln. Deshalb einfach hingehen und selbst nachvollziehen!
Dass die Krise nie über uns gekommen oder zumindest schon halb überwunden wäre, wenn einfach die Kunst bestimmen könnte, dachten wir sowohl bei "Where and When", Sophie Calle's Ausstellung bei Arndt&Partner wie auch "im Land der beschleunigten Folklore" in dem sich Jörg Herold als Dokumentararchäologe betätigt hatte, um bei Eigen + Art etwas zeigen zu können. Beide Male war der Kopf hinterher frei für viele verschüttete Gewissheiten, an denen wir uns ja demnächst wieder aufrichten können.
Barack Obama hatte sich in seiner Antrittsrede seinerseits sehr fein ausgedrückt: "Was die Zyniker nicht einsehen wollen, ist der Umstand, dass sich der Boden unter ihren Füßen bewegt hat - und dass die schalen Argumente, die uns so lange beschäftigt haben, nicht länger zutreffen." Ein Satz wie ein Donnerschlag, aber so sachlich ausgesprochen, dass ihn längst noch nicht alle verstanden haben dürften.
Es gab natürlich noch mehr zu sehen und wer hier gerade nicht ausdrücklich erwähnt wurde, der grämt sich hoffentlich nicht gleich, sondern schaut lieber nochmal genau nach, ob er nicht doch dabei war.
Der BERLIN weekly No. 04:
Stefan Roloff | Layers | Galerie Deschler Berlin
Sophie Calle | Where and When? | Galerie Arndt & Partner
why not ? | Contemporary South African Art | Kuckei + Kuckei
Jörg Herold | Der Dokumentararchäologe im Land der beschleunigten Folklore | Galerie Eigen + Art
Portfolio | Groupshow curated by Andreas von Dühren | Galerie Egbert Baque
Patrick Gabler | Kreis und Kosmos | 18 m Galerie für Zahlenwerte
Chen Guangwu | Minimal Oriental | Alexander Ochs Galleries
Shi Xinning | Tale of the Two Cities | Galerie Arndt & Partner
Gib mir Stoff | Groupshow | FotoShop
Paperfile #3 | Groupshow | Galerie oqbo
26.01.09 | Permalink | Kommentare (0)
Gastbeitrag | Essay
The Art of Tan Xun
Guest Contribution by R A Suri

In consideration of the artistic trajectory of Tan Xun, one needs address the emergent artists generation and exceptional range within the medium. Given the historical didactics of art education in post-revolutionary China (wherein the axis and mode of sculptural form lay within the confines of Western figurative creations or early Soviet constructivism) to bear witness of Tan Xun’s work demarcates not only a universal embrace of the art yet an extension beyond formal considerations.
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25.01.09 | Permalink | Kommentare (0)
Michael Reuter | Alles
Los Paul! Du musst ihm voll in die Eier haun!

Hammer © FLATZ
„Als alle Menschen frei und gleich waren, war niemand vor dem anderen sicher. Das Leben war kurz, die Angst grenzenlos.“ (Wolfgang Sofsky)
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20.01.09 | Permalink | Kommentare (0)
Konstantin Schneider | BERLIN weekly
Von guten Vorsätzen und einfachen Explosionen
In einer Woche, in der der vielen deutschen Meinungsmachern zutiefst unsympathische russische Ministerpräsident Vladimir Putin zu einem hochpreisigen Malerstar aufstieg, konnte auch uns in Berlin mal wieder nix erschüttern.
Jedenfalls verging uns nicht die Lust, Berlins Galerien und Kunsträume abzuklappern, um uns u.a. von den guten Vorsätzen des immer noch recht neuen Jahres, einen Eindruck zu verschaffen.
Zusammengestellt haben wir daraus für Euch den BERLIN weekly No. 03:
Gute Vorsätze | Groupshow | ZWEIGSTELLE BERLIN
Suse Weber | Formel:Verein | Galerie Barbara Weiss
Tine Furler + Gerard Hemsworth | Galerie Michael Janssen
Anna Reiner | SHE MUST BE SOMEWHERE ELSE | Galerie Elly Brose-Eiermann
Anonyme Zeichner | KUNSTRAUMKREUZBERG Bethanien
GLOBALPIX | Marek Pisarsky + Anne Peschken | Künstlerhaus Bethanien
OPEN STUDIOS | Künstlerhaus Bethanien
Katrin Kampmann | Die einfache Explosion | schultz contemporary
Burkhard Held | River deep, Mountain high | Galerie Michael Schultz
GVOON | Silent Auction | GALERIE DEGENHARTT
MICHELLE JEZIERSKI | galerie gerken
Bianca Regl | The Haven | DNA - Die Neue Aktionsgalerie
20.01.09 | Permalink | Kommentare (0)
Konstantin Schneider | BERLIN weekly
Gut gestartet !
Berlin ist ziemlich gut aus den Startlöchern ins Neue Jahr gekommen. Wir jedenfalls sahen das so, auch wenn es für einige grosse Galerien dieses Jahr angeblich noch recht ungemütlich werden soll. Neuerdings heisst es nämlich, dass das ganz ganz große Ding, das über Wohl und Wehe des ganzen Kunstmarkts auf der ganzen Welt entscheiden wird, die Versteigerung der Kunstsammlung von Yves Saint-Laurent bei Christie's im Februar ist. Das sieht jedenfalls Hamilton Nolan bei Gawker so. Die Schätzungen seien schon von einem Gesamthöchstpreis von 780 Millionen auf 380 Millionen Dollar gesunken. Quelle =>> www.gawker.com
Wenn unser BERLIN weekly No. 02 so insgesamt 7 Millionen einspielen würde, dann hätte wahrscheinlich niemand was dagegen. Hier isser:
Ali Kepenek | From Beyond and Back | DUVE BERLIN
Jim Avignon + Gebr. Metz | Der Aufstand der Dinge | SAKAMOTO contemporary
Thukral & Tagra | Nouveau Riche | NATURE MORTE BERLIN
Jürgen Wolf | Bäuchlings... | Jarmuschek&Partner
Torsten Solin | Strange Animals | KOMET Berlin
Eclectic Images | Curated by Jamila Adeli & Arsenal | Bodhi Berlin
We will win | Groupshow | ZERN
Hans Ahnert | Projektraum | Galerie Schuster Berlin
Uwe Wittwer | Verwehung | Nolan Judin Berlin
Nicolai Huch | Aufwachen, es wird dunkel | FRISCH
Bill Viola | Haunch of Venison
13.01.09 | Permalink | Kommentare (0)
Michael Reuter | Region Stuttgart
Hammer oder Harke? Malewitsch und Natur in Baden-Baden

Kasimir Malewitsch (1879–1935), Schwarzes Quadrat, 1929, Öl auf Leinwand, 80 x 80 cm, Staatliche Tretjakow Galerie, Moskau, Foto: Elma Velagic
Es muss eine aufregende Zeit gewesen sein! Die Künstler glaubten noch an ihr Genie, an ihren gesellschaftsprägenden Einfluss, und die Zeit war reif für eine epochale Wendung. Der Erste Weltkrieg tobte. Es kam zu ersten empfindlichen Engpässen in der Versorgung der Bevölkerung. Die Russische Revolution stand vor der Tür. Mitten drin: Kasimir Malewitsch, einer der wichtigsten Vorläufer der konzeptuellen und minimalistischen Kunst, Wegbereiter der abstrakten Kunst und als Toter zur Schau gestellt in einem suprematistischen Sarg. Er wollte die Kunst von allem gegenständlichen Ballast befreien. Sein berühmtes schwarzes Quadrat hing 1915 bei der „Letzten Futuristischen Ausstellung 0.10“ in Petrograd wie eine Ikone im „schönen Winkel“, quer über die Wandecke oben an der Decke, in einem von geometrischen Bildern verseuchten Ausstellungsraum. Das sollte sie nun sein, die utopische schöne neue Welt?
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12.01.09 | Permalink | Kommentare (0)
Markus Wirthmann | Kritik
Kapoor
Anish Kapoor
MEMORY
Deutsche Guggenheim, Berlin
noch bis zum 1. Februar

Noch drei Wochen lang kann man die stählerne Blase von Anish Kapoor im Deutschen Guggenheim sehen. Eine Auftragsarbeit und so wie´s aussieht genau für diesen Raum geplant - man fragt sich, ob die New Yorker Guggenheimer, die MEMORY im nächsten Jahr zeigen werden, den Berliner Ausstellungsraum dann nachbauen wollen.
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12.01.09 | Permalink | Kommentare (0)
Michael Reuter | Interview
Wenn ich sterbe, stirbt meine Sammlung

Charlotte Zander, Foto von Markus Stecher
Ganz im Norden des Landkreises Ludwigsburg liegt Bönnigheim. Neben dem Schwäbischen Schnapsmuseum und der Sudentendeutschen Heimatstube kann die Kleinstadt vor allem mit einem Pfund wuchern: dem im September 1996 eröffneten Museum Charlotte Zander im Schloss Bönnigheim. Über 4.000 Werke der Naiven Kunst, Art Brut und Outsider Art hat die Sammlerin im Laufe von fünf Jahrzehnten erworben. Es ist die größte Privatsammlung ihrer Art, unbedingt sehenswert, nicht weit von Stuttgart entfernt und dämmert doch seit Jahren in einem unfreiwilligen Dornröschenschlaf.
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05.01.09 | Permalink | Kommentare (0)
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